Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Dr. Ewald Maier hieß zum exklusiven Vortrag den EVP-Vorsitzenden und CSU-Europaabgeordneten aus Niederbayern, Manfred Weber, willkommen. Die Agrarpolitik bezeichnete Maier als einen Meilenstein in der europäischen Union. Der Landkreis Forchheim sei breit aufgestellt und verfüge über eine gute Stabilität. Die Sparkasse stehe für eine enge Partnerschaft mit der Landwirtschaft. Er dankte BBV-Kreisgeschäftsführer Werner Nützel und BBV-Bezirkspräsidenten Hermann Greif für die gute Zusammenarbeit.

Greif übernahm in der Folge die Moderation des Abends und begrüßte unter den zahlreichen Gästen unter anderem MdL Michael Hofmann, die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus und die Kirschenkönigin Sandra I. "Wir Landwirte sind die einzigen wahren Europäer und werden gemeinsam verwaltet, immer mehr und immer besser", meinte Greif. 50 Prozent des Budgets der EU flössen in die Landwirtschaft. "Sind wir zukunftsfähig, haben wir genug zum atmen", fragte er in die Runde. "Putin, Erdogan, Trump, Populisten auch in der EU - was passiert", fragte er mit Sorge.


Wie viel Europapolitik ist nörig?

Um auch darauf Antworten zu suchen, hatte es der Bezirkspräsident geschafft, mit Manfred Weber ein Schwergewicht der EU nach Forchheim zu lotsen. "Wie viel Europapolitik braucht unsere Landwirtschaft in Deutschland", lautete das anschließende Referat von Weber. Er stellte zunächst das Europaparlament mit seinen 750 Abgeordneten, davon 216 aus 27 Ländern in der EVP, und ihre Wirkungsweise vor.


Plädoyer für freien Handel

Weber plädierte für den freien Handel. Dabei sei es die komplizierte Herausforderung der Bürokratie, für die Landwirtschaft vergleichbare Bedingungen bezogen auf die Situation des jeweiligen Landes sicherzustellen. Es gelte, pragmatischen den gesetzlichen Spielraum zu nutzen. So wäre es wünschenswert, wenn Italien statt 30 Prozent 70 Prozent umsetzen würde und Deutschland nicht 130, sondern nur 110 Prozent.

Praktikermeinungen wie aus dem BBV seien nötig. Es sei zudem inakzeptabel, wenn Großkonzerne wie REWE zusätzliche Konditionen auf EU-Festlegungen aufsattelten. Die Preise für die Erzeuger seien zurzeit eine Katastrophe. Der Markt müsse die Preise regeln. Eine Mengenregulierung durch den Staat wird es nicht mehr geben.
Gute Produkte seien entscheidend, das sei nicht anders als auf anderen Gebieten der Wirtschaft. Weber versuchte nicht zu beschönigen, sondern die Anwesenden auf dem breiten Felde der Landwirtschaft auf harte Wirklichkeiten einzustellen, aber auch zu ermutigen und dabei plausibel Lösungen anzubieten.


Umfangreiche Diskussion

Die anschließende Diskussion nahm breiten Raum ein. Welchen Einfluss nimmt das europäische Parlament ein, fragt Hermann Greif. Kein Gesetz gehe durch und kein Geld fließe ohne die Handlung im Parlament, erklärte Weber. Früher mussten 28 Agrarminister hinter verschlossenen Türen zustimmen. Heute sei es ein offenes Verfahren. Es gebe fast keinen Bauern mehr auf dem Dorf. Die Milch sei seit vier Wochen knapp, fragt ein Zuhörer. Bayern sei ein kulinarisches Schatzkästchen und gut im Export, so Weber. Veränderungen gebe es auf allen Feldern.

Wer sich diesen nicht stelle, habe verloren. CETA sieht Manfred Weber als unproblematisch an. Die Kanadier wollten doch auch gesund leben. Es könnte eine Blaupause für TTIP sein. Klar sei, dass Dinge wie Wasserversorgung und Verbraucherschutz nicht verhandelbar seien. Auf das FFH-Europarecht angesprochen beklagt Weber, dieses werde lokal von den Richtern überinterpretiert. Der Artenschutz müsse garantiert werden. Es sei ein Balanceakt und dürfe keine stille Enteignung sein.


Am Ende bleibt Skepsis

"Weber hat die richtigen Antworten gegeben und Vorgänge anschaulich beschrieben", fand Friedrich Ohme, Kreisgeschäftsführer des BN. Er verwies darauf, dass der BN in Forchheim ein gutes Verhältnis mit dem BBV pflege. Das waren Aussagen eines allgemeinen Stimmungsbarometers eines sehr informativen Abends, auch wenn der Referent bei aller Brillanz viele Sorgen der Zuhörer in der Kompliziertheit der Materie nicht beseitigen konnte.