Die deutsche Sprache ist nicht leicht, diese Erfahrung muss leider auch Pater Vijaya Raja Boddu aus Visakhapatnam in Südostindien machen. Deshalb sitzt er mit Roland Kaplan, einem ehemaligen Lehrer auch im Pfarrbüro und bereitet seine Rede für seine Vorstellung in den Kirchengemeinden Pinzberg und Wiesenthau am kommenden Wochenende vor.

Pfarrer Michael Gehret freut sich über die Hilfe eines geschulten Lehrers. Pater Boddu kam hier vor einer Woche an und wird in den kommenden zwei Jahren Pfarrer Gehret als "seelsorgliche Mithilfe" unterstützen. Danach wird Boddu als Kaplan eingesetzt.

Gerade steckt Boddu, wie es Gehret erläutert, in einer Kennenlernphase von Kirche und Kultur in Deutschland. Seit August weilt Boddu in Deutschland und verbrachte schon einige Zeit in Waischenfeld. Er wurde 2008 zum Priester geweiht und gehört dem Orden der Missionare des heiligen Franz von Sales (MSFS) an.


Gewaltige Umstellung

Zunächst wirkte der 36-Jährige als Kaplan und Pfarrer in Indien. Anschließend erreichte ihn der Ruf seines Ordens, doch nach Deutschland zu gehen; zusammen mit einem Kollegen, der in Büchenbach eingesetzt wird. Zehn Jahre beträgt im Allgemeinen so ein Einsatz. Einmal im Jahr wird er seine Mutter und seine Schwester besuchen können. Auch wenn einige Studienkollegen in Deutschland tätig sind, bedeutet die Umstellung doch gewaltige Herausforderungen. In Indien lernte er zwei Regionalsprachen und Englisch.

Für seine Arbeit in Deutschland absolvierte Boddu bereits zwei Sprachkurse am Goethe-Institut. Sprachkurse ab Oktober in Erlangen und dazu ein Studientag in Bamberg sollen ihm die Kultur noch näherbringen und auch die Kommunikation fördern. "In Pinzberg werden wir das Praktische vermitteln", ergänzt Gehret. Im Gespräch kann Boddu einer Unterhaltung schon recht gut folgen. Aber sehr viel Neues stürmt auf ihn ein. "Ich kann mit solchen Herausforderungen umgehen und habe schon viele Kulturen kennengelernt", sagt er aber voller Zuversicht.

Natürlich, auch die deutsche Kost unterscheidet sich von der indischen. "Mittags sind wir zusammen, abends muss er selbst kochen", erläutert Gehret. Boddu ergänzt, für ihn sei das kein Problem. Schnee zum Beispiel hat er in seinem Leben noch nie gesehen. In Indien gibt es drei Jahreszeiten: Winter, Monsun und Sommer. Dazu kaum Regen und Temperaturen bis zu 50 Grad Hitze. In Indien fuhr er im üblichen Linksverkehr schon viele Jahre lang Auto. Hier in Deutschland wird sein Führerschein nicht anerkannt. Also heißt es, erneut die Schulbank drücken. Denn ohne das begehrte Papier geht es im täglichen Leben in der Region fast nicht.


Deutsche Gründlichkeit

Dazu kommt die deutsche Gründlichkeit und Bürokratie mit all ihren Hürden. "Alle Leute hier sind sehr nett und seriös, hilfsbereit auf allen Ebenen", zieht Pater Boddu eine erste erfreuliche Bilanz. Er bedarf ihrer Hilfe und wird sie im kirchlichen Leben zurückgeben. Die Vorstellung von Pater Boddu in den Kirchengemeinden erfolgt am Samstag, 17. September, um 18 Uhr bei der Vorabendmesse in der Pfarrkirche St. Nikolaus.
In Wiesenthau präsentiert sich der indische Pater am Sonntag, 18. September, um 10 Uhr.

Mobilität Sollte jemand eine Mitfahrgelegenheit für der morgendlichen Sprachkurs ab 4. Oktober in Erlangen bieten können, wäre dies für Pater Boddu eine große Hilfe. Entsprechende Hilfsangebote nimmt das Pfarrbüro Pinzberg an.