Wer in diesen Tagen bei Klaus Thormann anruft, hört erst einmal ein Seufzen am Telefon. Seit 2011 war Thormann Mitglied im Seniorenbeirat, zunächst stellvertretender Vorsitzender, seit 2014 Vorsitzender des Seniorenbeirates. In diesem Jahr wurde er nicht mehr in den Beirat gewählt. "Ich fühle mich durchaus abgesägt", sagt er.

Thormann vermutet hinter seiner Abwahl parteipolitische Interessen. "Man hat ein Bauernopfer gesucht", sagt er. Er selbst ist schließlich kein unbeschriebenes Blatt, war lange Zeit in Forchheim SPD-Ortsvereinsvorsitzender und SPD-Stadtrat. Doch als unabhängig gewählter Vertreter habe das im Seniorenbeirat keine Rolle gespielt, zumal er kein politisches Amt mehr innehabe. "Es ging um nichts anderes als Sacharbeit", sagt er. Dies sei nun wegen Parteiinteressen gebrochen worden.

"Gipfel des Eisberges"

Dass er jetzt abgewählt wurde, sei nur "der Gipfel eines Eisberges". Angefangen habe alles mit der Satzungsänderung. Schon damals gab es Diskussionen im Haupt-Personal- und Kulturausschuss der Stadt.

Knackpunkt der Diskussion: Wie viele Vertreter darf die katholische und wie viele die evangelisch-lutherische Kirche in den Beirat entsenden. In Forchheim stellten die Katholiken bisher drei, die Evangelisch-Lutherischen zwei Vertreter. Die neue Satzung sah pro Kirche nur noch einen Vertreter vor. Schließlich einigte sich der Stadtrat nach längerer Diskussion auf je zwei Vertreter.

Dafür wurde die Anzahl der unabhängigen Vertreter von zwei auf drei erhöht. Unter den vier Kandidaten, die dafür angetreten sind, wurde Thormann nicht wieder in den Seniorenbeirat gewählt (siehe Infobox unten).

Die Abwahl Thormanns stößt der SPD-Stadtratsfraktion sauer auf. In einer Mitteilung schreibt Reiner Büttner, SPD-Fraktionsvorsitzender: "Die SPD-Stadtratsfraktion Forchheim kann nicht nachvollziehen, warum die konservativ-grüne Mehrheit des Stadtrates bei der Berufung der neuen Mitglieder des Seniorenbeirates den bisherigen Vorsitzenden Klaus Thormann nicht berücksichtigt hat." Die SPD habe, anders als im Stadtanzeiger veröffentlicht, für einen Verbleib Thormanns im Seniorenbeirat gestimmt.

SPD: "Parteipolitische Interessen"

"Anscheinend zählte bei dieser Entscheidung erfolgreiche Sachpolitik weniger als parteipolitische Interessen, obwohl sich der Seniorenbeirat selbst als parteiunabhängiges Gremium sieht", schreibt Büttner, und weiter: "Die Entscheidung des Stadtrates ist ein Schlag ins Gesicht für Klaus Thormann und alle engagierten Seniorinnen und Senioren."

Der Vorwurf, dass es bei der Wahl zum Seniorenbeirat um parteipolitische Interessen gegangen sei, trifft bei den anderen Stadtratsfraktionen auf Unverständnis. "Da fehlen mir die Worte. Das sind Unterstellungen", sagt Gerhard Meixner, FGL-Fraktionsvorsitzender. Es sei unmöglich von der SPD, da noch nachzukarteln. Es sei eine demokratische Wahl gewesen, betont Meixner. "Jeder wählt den, den er für geeignet hält."

Auch bei der CSU-Stadtratsfraktion ist man "sehr überrascht" über die Mitteilung der SPD. "Ich kann die Aufregung in keiner Weise verstehen", sagt Josua Flierl, CSU-Fraktionsvorsitzender. "Die SPD akzeptiert einfach nicht, dass die Mehrheit des Stadtrates entschieden hat", sagt er. Schließlich habe sich eine fraktionsübergreifende Mehrheit letztlich für die drei Kandidaten entschieden.

Dass die Fraktion aus parteipolitischen Interessen gehandelt habe oder es vorab Absprachen gegeben habe, sei falsch, sagt Flierl. "Ich wehre mich, dass wir uns gegen Klaus Thormann entschieden haben, weil er SPD-Mitglied ist", betont er. So etwas vorzuwerfen, sei "völlig daneben". Flierl: "Die SPD versucht hintenrum, alle anderen zu diskreditieren."

Der Forchheimer Seniorenbeirat

Gremium Der Forchheimer Seniorenbeirat setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern von (Wohlfahrts-)Verbänden, Kirchen, Organisationen und aus drei unabhängigen Mitgliedern zusammen.

Mitglieder Unabhängige Mitglieder des Seniorenbeirates: Rainer Kestler, Ulli Welz, Annemarie Obernhuber; Katholische Kirche in Forchheim: Annemarie Hösch, Karl-Heinz Kremer; Evangelisch-lutherische Kirche Forchheim: Horst Schulenburg, Beate Wagner; Evangelische Freikirchen: Maik Schneider; Jüdische Gemeindebürger: Keine Benennung; Islamische Gemeinde Forchheim: Kolu Zekeriyya; Bayerisches Rotes Kreuz: Birgit Kastura; Arbeiter-Samariter-Bund: Walter Horsch; Caritasverband für den Landkreis Forchheim: Peter Ehmann; Diakonisches Werk Bamberg-Forchheim e.V.: Michael Messingschlager; Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Forchheim: Eva Wichtermann; Sozialverband VdK, Kreisverband Forchheim: Werner Löblein; Seniorenbüro/Aktive Bürger: Eugen Wette-Köhler; Bayerischer Landessportverband e.V. (BLSV): Ulrike Ponater; Kreisseniorenring Forchheim (KSR): Jochen Misof (Quelle: Stadt Forchheim)

Termin Die konstituierende Sitzung des neu gewählten Seniorenbeirats findet statt am Montag, 7. Dezember, um 16 Uhr im großen Saal der Jahnhalle. fr