Das Fremdwasser ist das Problem. Es loszuwerden ist teuer und ein durchschlagender Erfolg ist nicht garantiert. Trotzdem muss die Gemeinde es versuchen, denn die Frist ist abgelaufen: Das Landratsamt Forchheim und das Wasserwirtschaftsamt in Kronach fordern ein Fremdwassersanierungskonzept für Neunkirchen und seine Ortsteile bis Jahresende.

Fremdwasser sind unerwünschte Abflüsse in den Kanal. Auch Regen im Nutzwasserkanal gehört dazu und das Fremdwasser wirkt sich auf die Kläranlagen aus. Je mehr Wasser eine Kläranlage bekommt, desto größer muss sie dimensioniert sein. Der Fremdwasserzuschlag für die Erlanger Kläranlage, in die Neunkirchen über den Abwasserzweckverband Schwabach einleitet, beträgt 25 Prozent. Werden die Werte überschritten, können die Kläranlagen die Reinigungsleistung nicht bringen. Eine größere Kläranlage bauen, geht nicht. Der gesetzliche Rahmen besagt, dass nur 25 Prozent Fremdwasseranteil zugeführt werden darf. "Bis 50 Prozent wird geduldet, wenn die Kläranlagen die Mehrmenge entsprechend behandeln kann", informiert Ingolf Eckert vom Ingenieurbüro Höhnen und Partner die Räte des Bauausschuss bei der Vorstellung des Sanierungskonzepts.

Ein Messprogramm zeigte, dass vom Abwasserverband Schwabach (AVS) sehr viel Fremdwasser einfließe. Trauriger Spitzenreiter auf Platz 2 ist auch Neunkirchen mit Ortsteilen, die bereits am Limit entlang schrammen. Der gesamte Zufluss aus dem AVS habe sich von 26 Liter pro Sekunde auf 41 Liter pro Sekunde erhöht. "Dieser Fremdwasseranteil hat sich eingependelt, obwohl die Sommer trocken waren", meinte Eckert. Ein Niederschlagssegen würde den Fremdwasseranteil noch weiter nach oben treiben. "Der Staat zückt die Geldkeule, wenn die Werte nicht eingehalten werden", fügte Eckert an.

870 000 Euro Abgabe pro Jahr

Würden die 25 Prozent Zuschlag beim Klärwerk Erlangen nicht erreicht, drohe eine Niederschlagswasserabgabe. Diese beträgt etwa 870 000 Euro pro Jahr. "Wer die Überschreitung verursacht, muss die Strafe zahlen", sagte Eckert. Das wäre in dem Fall der Abwasserverband und dieser würde nicht solidarisch handeln und auf alle Mitglieder umlegen, sondern auf das Mitglied, das den Anteil weit überschreitet. Die Strafzahlung kann mit Baumaßnahmen verrechnet werden. Die zweite Stufe der Strafzahlung ist der Wegfall einer Vergünstigung. "Wir verlieren den ermäßigten Satz auf die Großeinleiterabgabe", sagt Eckert.

Derzeit zahlt Neunkirchen nur den halben Abgabesatz. Ungefähr zehn bis zwanzig Cent pro Kubikmeter Wasser. "Vier Millionen Kubikmeter Wasser werden derzeit behandelt", führte Eckert den Finanzrahmen vor Augen. Das Geld würde eins zu eins auf die Gebühren durchschlagen. "Wenn wir zahlen müssten, würde die Abwassergebühr um 60 Cent nach oben gehen", meinte Eckert. Derzeit betragen die Abwassergebühren 1,49 Euro. Die Sanierung bedeutet die Befahrung von insgesamt 50 Kilometer Kanalnetz und die Behebung der Schäden. Neunkirchen und seine Ortsteile wurden in verschiedene Abschnitte unterteilt, sodass jährlich etwas 10 000 Meter untersucht werden können. Insgesamt wird die Sanierung samt TV-Befahrung mit drei Millionen Euro veranschlagt. Mit dem Abschnitt Neunkirchen Ost wurde bereits begonnen und 29 Haltungen mit Fremdwassereintritt fündig gemacht.

150 000 Euro hat die Kamerabefahrung für diesen Abschnitt gekostet, für die Sanierung gilt als Faustregel: 500 Euro pro laufenden Meter. Trotzdem ist die Sanierung nicht einfach. "Wir sind auf die Grundwasserkapazitäten angewiesen. Ist es zu niedrig, könnte es sein, dass nicht alles Fremdwasser aufgefunden wird", erläutert Eckert.

Wie viel Erfolg wird die Sanierung haben, wollte Florian Hofmann (FW) wissen und erkundigte sich nach einer Kosten- Nutzen-Analyse. Doch diese gibt es nicht. Aber: "Wenn Neunkirchen von 50 Prozent auf 40 Prozent kommt, könne das schon reichen, damit die Kläranlage in Erlangen unter die 25 Prozent komme", sagte Eckert.

Bürger in die Pflicht nehmen

"Wir müssen dafür sorgen, dass es nicht vom gemeindlichen Kanal kommt, ohne zu wissen, ob es fünf oder zehn Prozent gibt. Doch wir müssen diese Hausaufgabe machen und unserer Pflicht zügig nachkommen, auch für die Bürger, die zugleich in die Pflicht genommen werden müssen", betonte Bürgermeister Martin Walz (CSU).

Einstimmig wurde das Konzept befürwortet und der Sanierungsrahmen von fünf auf zehn Jahren angepasst. Nach jedem untersuchtem Abschnitt wird der Erfolg geprüft.