Neun Jahre dauerte der Streit, seit Dienstag scheint er beendet. "Heute ist eine gelöste Stimmung, das war nicht immer so", freute sich Herbert Rebhan von der Oberen Naturschutzbehörde. Der Regierungsvertreter aus Bayreuth hatte die letzten beiden Jahre gut zu tun. Im Kampf zwischen Naturschützern und Naturnutzern musste eine Lösung her, "die sowohl dem dauerhaften Erhalt der Höhle als auch dem Wohl der Allgemeinheit dient".

Wort des Tages: Kompromiss

"Kompromiss", das war bei der kleinen Feier vor der Höhle eine beliebte Vokabel. Landrat Hermann Ulm (CSU) hatte mitgezählt: Schon bei der Begrüßung der etwa zwei Dutzend Vertreter von Behörden und Verbänden hatte Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz vier Mal das Wort "Kompromiss" verwendet, bemerkte Ulm.
Keilholz zeigte sich dankbar, dass nach neunjährigem "Hin und Her" der Öffentlichkeit ein Kompromiss
"anheimgestellt werden kann". Die Schautafel, die sich neuerdings vor der Höhle befindet und über das Nutzungskonzept informiert, nannte Keilholz daher spaßeshalber "Kompromiss-Schild".

Dass es nun vor der Höhle steht, hat mit dem Streit zu tun, der 2012 seinen Höhepunkt erreicht hatte. Naturschützer versuchten damals, mit einer Eingabe beim Landtag die touristische Nutzung der Schönsteinhöhle zu unterbinden. Daraufhin wurde der Arbeitskreis ins Leben gerufen, den Rebhan leitete. Das Ergebnis ist im Wesentlichen auf dem "Kompromiss-Schild" nachzulesen. Zum Beispiel: Zwischen 1. Oktober und 30. April darf die Höhle nicht betreten werden, weil die Fledermäuse ihren Winterschlaf halten. Oder: Gewerbliche Führungen müssen beim Landratsamt angemeldet werden; außerdem müssen speziell geschulte Führer mitgenommen werden. Oder: Gewerbliche Führungen sind an 150 Tagen möglich: Maximal zwei Führungen pro Tag mit maximal 16 Teilnehmern.

"Ein Mosaikstein" des neuen Konzeptes sei die Sperrung der Zufahrt zum Parkplatz unterhalb der Höhle, meinte Reinhold Göller, der Chef der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt.
In den letzten beiden Jahren hatte es auch einige Untersuchungen in der Höhle gegeben. Eine belegt, dass "die Fauna nicht signifikant geschädigt ist" und dass in der Höhle Arten existieren, die man verschwunden glaubte, sagte Rebhan. Auch dieses erfreuliche Ergebnis sei ein Grund, "niemanden aus der Höhle auszusperren".
Diplombiologe Matthias Hammer (Dormitz) von der Koordinationsstelle Fledermausschutz Nordbayern (an der Universität Erlangen angesiedelt) brachte eine überraschende Nachricht mit. Die traditionelle Zählmethode (mit der Taschenlampe) war davon ausgegangen, dass in der Schönsteinhöhle etwa 30 Fledermäuse überwintern. Doch eine moderne Zähltechnik mit Lichtschranke und Fotofalle hat ein sensationelles Ergebnis hervorgebracht: Über 1500 Fledermäuse nutzen die Höhle. "Sie ist ein Massen-Winterquartier", sagte Matthias Hammer.

Etwa 2500 Besucher pro Jahr

Trotz der Feierstimmung am Dienstag, gab es auch kritische Töne zum Höhlen-Konzept: Bernhard Nerreter vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Bayern merkte an, dass die Höhle nicht unterscheide zwischen privaten und kommerziellen Gruppen. Sprich: Die Beschränkung der kommerziellen Führungen ändere nichts daran, dass jährlich bis zu 2500 Menschen die Schönsteinhöhle "befahren".
Bernhard Nerreter und auch der Vorsitzende der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, Ulrich Buchholz, erinnerten an die nun beginnende zweijährige Probezeit. Auf das Konzept lasse sich "aufbauen", sagte Buchholz, nach der Probezeit werde der BN "in den Dialog eintreten".

Höhlen-Experte Nerreter meinte, der Druck der Höhlennutzer sei so groß, dass "dem Trend ein Ventil gegeben werden musste". Werde die Schönsteinhöhle geschlossen, würden andere Höhlen darunter leiden.
Und ein Naturschützer, der nicht namentlich zitiert werden wollte, sagte am Rande der Veranstaltung: Schon das Wort "Kompromiss" verrate das Zweifelhafte an dem Konzept. "Kompromisse zwischen Naturnutzung und Naturschutz gehen immer auf Kosten der Natur."