Auf der Mütze prangt ein Reichsadler mit Hakenkreuz. Die Mütze bedeckt den Kopf eines alten Mannes. Der Kopf ist sorgfältig in eine Plastiktüte verpackt und liegt in einer Tiefkühltruhe. Entdeckt wird der Kopf (und die dazu passenden Hände) von Hartmut, dem Helden in Tessa Korbers jüngstem Roman "Saubermänner".

Die Forchheimer Autorin liebt es drastisch, fantastisch, skurril. Entsprechend hat sie auch den "Tatort" für die Präsentation ihres neuen Krimis gewählt. Bei der Begrüßung ihrer Gäste im Waschsalon "Trommelwirbel" im Nürnberger Norden sagt Tessa Korber: "Wir sind hier, weil meine Helden Tatrotreiniger sind".



Tessa Korber liest einen Ausschnitt aus dem neuen Frankenkrimi - Die Saubermänner
by Infranken.de
Der Ton der Autorin und Vorleserin Tessa Korber ist fast immer leicht, lustig und flapsig. Doch der Ton täuscht. Denn die "Saubermänner" in diesem Franken-Krimi sind selten nur amüsant. Die Tatortreiniger in dieser Geschichte sind keine wirklichen Tatrotreiniger. Und auch das restliche Personal hat einiges zu verbergen.

Zu Besuch in einer Messi-Wohnung

Der Protagonisten Hartmut ist ein typisches Exemplar eines Mannes, der in den 70er Jahren sozialisiert wurde. "In der Wirklichkeit wirklich angekommen" sei er nicht, erläutert Korber, Jahrgang 66, ihrem Publikum.

Die Story beginnt mit einem lakonischen "es regnet" und einigen Seitenhieben auf das nicht gerade brodelnde Erlanger Leben; um dann rasch Fahrt aufzunehmen, als der Held die Messi-Wohnung einer verwirrten Frau betritt. "Ich hoffe, Sie haben schon gegessen", sagt Tessa Korber, bevor sie das vierte Kapitel vorliest, das vor Kakerlaken wimmelt und das jede Menge Essensreste anbietet; von der verschmierten Schokolade an den Lichtschaltern bis hin zur Rahmspinat-Packung von 1987.

Zuerst also bewegt sich der Saubermann-Roman hart an der Ekelgrenze. Noch kann der Leser der Unaufgeräumtheit heitere Seiten abgewinnen. Doch der "strahlend blaue Himmel über Erlangen" verdunkelt sich und der Humor wird tiefschwarz, je mehr sich der Ort des Geschehens in Richtung Fränkische Schweiz verlagert. In Ermreuth werden Hartmut und Nadine mit folternden Neonazis konfrontiert.

"Humor macht das Schreckliche noch schrecklicher", sagt Tessa Korber. Ihr Schreiben sei immer auch ein Versuch, die heitere und abgründige Seite des Lebens zusammenzukriegen. "Man kriegt sie aber nicht zusammen", meint Korber.

Düstere Motive

Unglaubliche Episoden, wie jene von der Suche des Bernsteinzimmers in Franken, werden in die Recherche der Tatortreiniger eingewoben. Und so erweckt Tessa Korber den Eindruck, das Bizarre und Abgründige dieses Krimis sei weit entfernt von ihrem persönlichen Leben. Ist es aber nicht. Auch die düsteren Motive dieses Romans haben Bezüge zur Biographie seiner Verfasserin.

Ihr Opa sei bei der SS gewesen. "Auf die Nazis komme ich immer wieder zurück, weil das meine Familiengeschichte ist", erzählt Tessa Korber nach der Lesung. "Wahrscheinlich muss ich mal ein ganzes Buch über das Thema schreiben, um das los zu werden."

Die Saubermänner sind also nur vordergründig die Tatortreiniger. Die eigentlichen Saubermänner dieses Krimis sind die sauber integrierten Neonazis. Dass sie in Ermreuth auftauchen, ist natürlich kein Zufall. Hier, wo in den 80er Jahren die Wehrsportgruppe Hoffmann für bundesweite Schlagzeilen gesorgt hatte, lässt Korber hinter der hübschen Fassade des Ermreuther Schlosses die braunen Gespenster aufleben.

Geheimnis der Leichenteile

Eineinhalb Stunden nimmt sich Tessa Korber Zeit, um dem Publikum die wichtigsten Personen ihres Buches vorzustellen; viele Zuhörer sind im Laufe der Lesung nachdenklicher, die Lacher sind seltener geworden. Die Lösung für das Geheimnis der Leichenteile wird an diesem Abend natürlich nicht präsentiert. Die Autorin hat gerade die letzten Zeilen der Seite 190 gelesen. Und entlässt ihre Zuhörer in einem Moment, als der Held nicht mehr so recht weiß, was er von dem bisher Erlebten glauben kann. Und Nadine stellt ihm eine Frage, die sich jeder Leser im Hinblick auf das Saubermann-Image unserer Geschichte selbst fragen muss: "Was glaubst du?"