Das Gebälk des Forchheimer Rathauses ist mit PCB und Lindan belastet. Das steht seit den Messungen im vergangenen Jahr schon fest. Das Ergebnis war keine große Überraschung, waren doch die beiden Chemikalien zur Zeit des großen Rathausumbaus zugelassene Holzschutzmittel, die damals in bester Absicht verbaut wurden.

Die Frage nach einem Verursacher, den man womöglich haftbar machen könne, erübrigt sich deshalb.


Mögliche Gefährdung

Durch den Wasserrohrbruch im ehemaligen Oberbürgermeister-Dienstzimmer wurden Wände durchfeuchtet und so möglicherweise Schadstoffe in die früheren Büroräume gespült, als die Schadstellen geöffnet wurden.
Deshalb schickte die Stadtverwaltung potenziell betroffene Mitarbeiter auch zum Betriebsarzt. Diese Personengruppe umfasst Mitarbeiter des Bauhofs und den Hausmeister. Um sie keinen möglichen Gefahren auszusetzen, wurde die Weihnachtsdeko an der Fassade nicht mehr abgenommen.

Eine Gefährdung für die Mitarbeiter in den Büros liegt nicht vor, denn vor Räumung des Gebäudes waren die Wände verschlossen. Denn die Schadstoffverbreitung war auf das Dachgeschoss beschränkt. Die Probe aus dem Füllmaterial in der betroffenen Wand wurde inzwischen von der Fachfirma GeoCon ausgewertet.
PCB und Lindan wurden in dieser Probe "nur in geringer Konzentration" gefunden.

Zwar muss das Material auf einer Deponie entsorgt werden; es handelt sich dennoch nicht um gefährlichen Abfall, von dem konkrete Gesundheitsgefahren ausgehen, urteilten die Fachleute.

Über dieses Ergebnis informierte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) am Montag nun die Stadtmitarbeiter in einer Betriebsversammlung. Die Ergebnisse der betriebsärztlichen Untersuchungen einzelner Mitarbeiter werden zum Wochenende vorliegen, teilte er weiter mit. Der Arzt und der Gutachter werden in der Sitzung des Planungsausschusses am 4. April dem Stadtrat die Details vorstellen.

Die Raumluft wird auf Belastungen nicht nur im Rathaus samt Magistratsbau weiterhin überprüft. Die Luftmessungen werden auf alle historischen Gebäude, in den sich städtische Dienststellen befinden ausgedehnt. "Jetzt gibt es den Anlass, dem nachzugehen", betonte Kirschstein. Der Referatsleiter des Bauamts, René Franz, erläuterte das Vorgehen bei der Entsorgung.

Insbesondere gefährlicher Staub wird demnach in Gosberg speziell entsorgt.


Unter Denkmalschutz

Das Balkenwerk wird man freilegen, eventuell können oberste Schichten entfernt werden. Danach wird das Holz wieder abgeschlossen und "verkapselt".

Da das ganze Ensemble unter Denkmalschutz steht, werden keine Balken ausgetauscht. Dafür wird es keinen Zugang mehr zum Dachboden geben und alle Verbindungen in die unteren Stockwerke werden gekappt. Die finanziellen Auswirkungen können noch nicht in Zahlen gefasst werden. Dabei kommen auch die Schadstofffachleute zu Wort.

Das letzte Wort wird hier das Gewerbeaufsichtsamt haben, das aufgrund der vorgelegten Messwerte bewertet, ob eine Gefährdung vorlag oder nicht. Und: Es muss mit der Regierung als Förderbehörde abgesprochen werden, was im Vorfeld gemacht werden kann und was zur eigentlichen Fördermaßnahme Rathaussanierung gehört.