Die "Vernissage" ist geglückt und damit ein für Egloffstein einmaliges "Experiment": das "Heidsgärtla" neben dem Kurgarten als Gesamtkunstwerk der Öffentlichkeit anzubieten. Es gab keine Reden und keinen Sektempfang, keine Begrüßung von Ehrengästen. Jeder der kam und das waren viele, fühlte sich willkommen. Natürlich erregten die fünf lebensgroßen, aus Pappelholz und mit der Motorsäge herausgearbeiteten Aktfiguren die Aufmerksamkeit der Besucher.

Ein mehr als zehn Meter langer Kommunikationstisch am hinteren Ende des Gartens beherrscht die Szene. Hier hat eine hölzerne Dame an der Stirnseite Platz genommen, die der Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht unähnlich ist, meinen etliche der Betrachter. Vor allem die "Betonfrisur" sei "typisch für sie". Einige Meter dahinter neben einer Gruppe von Liegestühlen sitzt eine Figur mit aufgestützten Ellbogen, grün angemalt und ohne Kopf auf der Wiese.

In der Nähe der Hollywoodschaukel hält die mannshohe hölzerne Heinl-Figur eine Hand in den Schritt. Eine Geste, die an den verstorbenen Michael Jackson und seine Zeit erinnert. Eine andere, mit der Säge geschaffene Frauenfigur steht mit ihren überdimensionalen Brüsten allein und etwas abseits auf der Wiese.

Alle Heinl-Exponate fügen sich nahtlos in das "Restkunstwerk" ein: Gebrauchte Gegenstände vom Dachboden und Flohmarkt, die hier eine neue Funktion bekommen. Ein auf ein Drittel geschrumpftes Bett als "Stuhl" für ein Pärchen. Ein Bauernschrank mit Mal- und Spielutensilien für Kinder. Aluminium-Hausrat wie Milchkannen, der in den Bäumen hängt, Steinkiesel mit Sprüchen ("Ein Freund ist, bei dem man laut denken kann"), ein Büffetaufsatz, der als Blumenhaus dient. Alles schon mal gebraucht und trotzdem noch brauchbar.

Stehtische aus halben Türen

Am Eingang laden Tisch- und Stuhlensembles auf der Wiese neben einem liegenden Frauenakt zum Hinsetzen ein. Ein Grill steht daneben und wartet darauf, benutzt zu werden. Läuft man weiter auf dem mit Holzschnitzeln belegten Pfad, kommt man an Stehtischen vorbei, deren Platten aus halben Türen bestehen und leere Gläser tragen.

Noch weiter gehend erreicht man die Terrasse, mit weit offenen Türen. Hier hat eine Bar mit dem "Retro"-Look der 50er-Jahre ihren Standort. Etwas weiter steht der Vorläufer von "Oskar", das erste Kunstwerk des Bildhauers Heinl, eine aus einer Blechplatte herausgeschnittene Figur. Danach erreicht man den Kommunikationstisch.

Geboren ist die Idee, wie einer der Initiatoren, Stefan Talau, meinte, beim "Dreifaltigkeits stammtisch", der jeden Monat einmal im Hotel Post zusammenkommt. Dort kamen er und seine "Stammtischbrüder" auf die Idee, der "neuen" Chefin - Jessica Heid hat den ganzen Komplex kürzlich von Mutter Erika übernommen - unter die Arme zu greifen.

Die Idee Kunstgarten war schnell geboren, nachdem Talau seinen Freund und Bildhauer Clemens Heinl ins Spiel brachte. Jessica Heid ließ sich von der Idee überzeugen und "trommelte" über Facebook ihre früheren Arbeits- und Schulkollegen zusammen. Gemeinsam und innerhalb weniger Wochen schufen sie aus dem unansehnlichen Grundstück neben dem Kurgarten einen sauber gepflegten und begehbaren Garten, den man durch eine echte und alte Holztür, die mitten im Raum steht, betritt.

Geteilte Meinungen

Bei der Beurteilung des Kunstgartens prallten in der Gunst der Besucher anfangs zwei Welten aufeinander: Die etwas älteren, wie Erich Riehlein aus Affalterthal, der einen "Biergarten" erwartet hatte, "mit Brodwörscht und Blasmusik" und daher anfangs etwas skeptisch war.

Auf der anderen Seite die etwas Jüngeren wie Siegfried Sennft, der kurz, aber fränkisch meinte: "ja, passt scho" und viele noch jüngere. Je länger beide Gruppen zusammen waren, umso mehr kamen sich die Ansichten näher. Riehlein meinte nach einiger Zeit der Beobachtung, dass er die Hoffnung hegt, "dass Egloffstein dadurch an Attraktivität bei den Besuchern gewinnt".
Elmar Berner vom ehemaligen Egloffstein Kunst- und Kulturkreis findet die Umsetzung des Künstlergartens "sehr gut", mahnte aber gleichzeitig, weiterzumachen, "damit die Idee nicht wieder aus den Köpfen verschwindet". Auch sollte deutlicher gemacht werden, dass es sich hier nicht um einen klassischen Biergarten handelt, sondern um einen "Kunstplatz".
Es bildeten sich viele Grüppchen bei den Kunstobjekten. Dazu kam original 50er-Jahre- "Retro-Sound" aus den Lautsprechern, genau das Ambiente, das sich die Initiatoren vorstellten. Und so soll es auch bleiben.
Geöffnet ist der Kunstgarten täglich. Bewirtet wird aber nur abends und am Wochenende bei schönem Wetter. Genauere Auskünfte konnte Jessica Heid nicht geben, da sie erst Erfahrungen sammeln muss.