Er ist abgehauen von Zuhause, setzt sich mit seinem Koffer an den Tresen im Gemeinschaftshaus in Gasseldorf. Bei einem Bier beginnt Stefan Waghubinger, Theologe, Theaterpädagoge und Kabarettist in einer Person, zu sinnieren.
Der mit Kabarett-Preisen wie dem "Stuttgarter Besen" oder dem "schwarzen Schiff vom Niederrhein" ausgezeichnete Österreicher kann es einfach nicht lassen, alles zu hinterfragen. Der in Stuttgart lebende Kinderbuchautor erweckt das Mitleid seiner Zuhörer, wenn er treuherzig seine Unzulänglichkeiten ausbreitet, um Verständnis für seine abstrusen Entschuldigungen wirbt. "Hab's eh g'merkt, dass ich den Geburtstag meiner Frau vergessen hab. Ich hab schon zweimal hintereinander g'habt und sie noch gar nicht."

Doch die Tränen der Umweltschützerin - "Frauen leben statistisch fünf Jahre mehr, da muss sie sich wegen einem Geburtstag nicht aufregen" - können ihn nicht rühren.
"Is was mit dem Hund", war sein erster Gedanke. Mit der Klimaerwärmung hat Waghubinger, im Gegensatz zu seiner besseren Hälfte, kein Problem. Damit der Meeresspiegel wieder sinkt, könnte man ja die Blauwale herausfischen. Die verdrängen zu viel Wasser. Sein Tipp an die Öko-Front: Wenn die letzte Stadt zerbombt und das letzte Bier verstrahlt ist, werdet ihr merken, dass man mit Windrädern nicht zurückschießen kann."

Voller Absicht streut Waghubinger, dessen dunkle Seite es ist, Frauenzeitschriften zu lesen, Salz in die Wunden des Alltags. Voller Melancholie bekennt der Meister des skurrilen, schwarzen Humors seinen guten Willen: "Ich bemühe mich, Gefühle zu zeigen, die ich weder habe, noch verstehe." Die Widersprüchlichkeiten machen ihm zu schaffen: "Da gibt es die Freizügigkeit, und wenn du auf die Toilette musst, steht du vor einer Schranke." Nach seiner "Nahtoderfahrung" beim Zahnarzt, wo er ein gleißendes Licht sah und sein Leben an ihm vorüberzog, macht er sich auch Gedanken über den Himmel. Den Anstoß gab "Rudis Hähnchenparadies". Da bist du nicht geblendet von der Herrlichkeit Gottes, da ist es bewölkt von dem Geflatter der Hähnchen.

Und weil der Theologe schon mal beim Thema ist, überlegt er, ob man nicht die Leute zwingen sollte, freiwillig in die Kirche zu kommen. Durch ein WC-Schild an der Kirchtür. Sein Motto: Nicht austreten aus der Kirche, sondern austreten in der Kirche. Das ginge schon, findet Waghubinger, denn Inkontinenz klingt eh ein wenig wie der Name eines Papstes.
Der Auftritt des Austro-Württembergers ist wie eine gute Predigt, voller Tiefgang und zutiefst menschlich. "Wenn du Gutes tun willst, musst du böse sein", verteidigt Waghubinger seine Spitzzüngigkeit. Die Leute sollen sehen: Gott sei Dank ist es mit mir nicht ganz so schlimm.
Das hofft er auch für sich nach dem Entschuldigungsbrief an seine Frau, abgekupfert aus dem Internet. Wäre da nicht die Unterschrift "Max Mustermann".