Die Dynastie der Baiersdorfer Meerrettichköniginnen wird von der Familie Kohlmann bestimmt. Queen Mum ist gewissermaßen Veronika Kohlmann, die Tante von drei Königinnen. Seit ihrer Kindheit hat sie mit Kren zu tun. Seit Sohn Sebastian mit seiner Frau Christine den Wolfbauernhof in Rosenbach übernommen hat, ist ihre wichtigste Aufgabe das Zuschneiden der Seitenwurzeln, sogenannte Fexer, im Frühjahr.

Das ist der erste von sechs Arbeitsschritten des Anbaus. Den Winter über lagern die Seitenwurzeln, aus denen dann der neue Stock wird, in Sand in der Scheune. Veronika Kohlmann muss jede einzelne in die Hand nehmen und oben gerade und unten schräg anschneiden. Im März und April sind dann die Männer an der Reihe. Sie fräsen den Acker von rund 5.000 Quadratmetern Größe und legen mit Hilfe einer Legemaschine die Fexer schräg in die Erde.

Kren anbauen: Viel Handarbeit ist erforderlich

Im Mai haben diese Blätter getrieben, etwa eine Handbreit hoch. Dann ist es Zeit, den Kopf unterhalb der Triebe von Hand freizulegen; dabei werden die schwachen Seitenwurzeln abgebrochen, damit der Hauptwurzeltrieb bis zum Herbst groß und stark wird. Danach muss die Erde wieder aufgehäufelt werden. "Das macht die meiste Arbeit", sagt Veronika Kohlmann.

Im August muss durch Hacken das Unkraut in Schach gehalten werden. Die Kohlmanns prüfen das Wachstum und brechen, wenn nötig, nochmals Seitenwurzeln ab. Ende Oktober bis in den Dezember hinein ist Erntezeit - mit einem Spezialpflug. Doch es folgt die nächste Handarbeit: In der Scheune werden die kleinen Wurzeln am Fuß der Stange abgebrochen und für das kommende Jahr aufbewahrt.

Die Stangen werden gesäubert und zugeschnitten für das Direktkunden-Angebot in der Milchtankstelle. Dort sind zu dieser Jahreszeit neben der Milch auch Eier, Äpfel und Kartoffeln zu kaufen. Der größere Teil wird allerdings an einen Meerrettichverarbeiter geliefert.

Meerrettich hat vielerlei Wirkung: Hilfe bei Rheuma, verstopfter Nase und Halsschmerzen

Früher, so weiß Veronika Kohlmann, bauten viele Rosenbacher Kren über den Eigenbedarf hinaus an. Wegen des Preisverfalls für die viele Handarbeit ist diese Tradition aber stark zurückgegangen. Damals hing man erkälteten Kindern eine Kette aus Krenscheiben um den Hals. Durch die Körperwärme steigen die ätherischen Öle in die Nase auf und machen sie frei. Das wirkt genauso wie Balsam zum Einreiben aus Eukalyptusöl.

Doch Kren hat noch weitere Heilwirkungen. Anstelle von Tigerbalsam aus Chilischoten kann man bei Rheuma oder Verspannungen auch eine Mischung aus Quark und frischgeriebenem Kren als Umschlag auftragen. Diese Mischung schmeckt außerdem auch auf Brot. Kren mit Honig hilft gegen Halsschmerzen. Kunden der Kohlmanns schwören auf eine Mischung aus Äpfeln und Kren zur Erkältungsvorbeugung. Die Masse lässt sich in einem verschlossenen Behälter mehrere Tage gut im Kühlschrank aufbewahren.

Einzige Schwierigkeit ist bei rohem Kren das Reiben. Veronika Kohlmann rät dringend, das an der Luft zu machen. Die ätherischen Öle, die mit denen des Senfs verwandt sind, könnten sonst die Augen zu sehr reizen. Sie sind so heilsam, dass ein Erlanger Urologe daraus sogar ein Medikament gegen Harnwegsinfekte entwickelt hat. Es muss aber keineswegs immer die ganze Stange verarbeitet werden; das angeschnittene Stück sollte man aber in Erde einschlagen, in einer Kiste auf dem Balkon funktioniert das ganz gut.

Der Kren kommt bei Familie Kohlmann oft auf den Teller

Die Familie Kohlmann kennt jede Menge Rezepte mit Kren, weit mehr als das traditionelle Rindfleisch mit Kren. Ganz und gar vegan sind Rohkostsalate, die Christine Kohlmann mit frischem Kren verfeinert. Damit sich beispielsweise Äpfel, Karotten und der Kren nicht braun verfärben, gibt sie ein paar Spritzer Zitronensaft hinzu. Ascorbinsäure (aus Orangen) hat dieselbe Wirkung. Die Schwiegermutter wählt gekochte Rote Bete, die durch Kren erst die richtige Würze erhält.

Kochen mit Kren

Folgende zwei Kren-Rezepte schmecken nicht nur, sie sind zudem schnell zubereitet.

Apfel-Meerrettich-Dip

Zutaten: 3 Esslöffel Creme fraiche, 3 Esslöffel geriebener Kren, ein geriebener Apfel, Zitronensaft, Salz.

Alles gut verrühren und nach Belieben Sahne oder Joghurt dazu geben, wenn es etwas flüssiger sein soll. Den Dip kann man zu Fisch- und Fleischgerichten, aber auch zu Gemüsestangen reichen. Auch auf Galettes, die salzige Variante der Pfannkuchen aus Buchweizenmehl, gestrichen und Käse- und Schinkenstreifen miteingerollt schmeckt der Dip.

Der Klassiker:

Meerrettichsoße bzw. -suppe

Zutaten: 50 g Butter (Margarine oder Öl), 50 g Weizenmehl, 1 Liter Fleisch- oder Gemüsebrühe, 50 g geriebener Kren, Salz, eine Prise Zucker, Sahne zum Verfeinern und nach Belieben Schnittlauch.

Butter und Mehl anschwitzen, mit Brühe aufgießen und die restlichen Zutaten hinzufügen. Unter ständigem Rühren mit dem Schneebesen aufkochen lassen. Fertig ist die leckere Suppe.

Falls sie zu mild ist, noch ein wenig Kren grob darüberraspeln. Für die Soße nimmt man am besten etwas weniger Brühe, damit sie sämig wird.