Der Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplanes sieht keine städtebauliche Notwendigkeit für eine Realisierung der Ostspange der Forchheimer Südumgehung. Zu groß sei der Eingriff in die Umwelt, zu schlecht das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Wegen der unverhältnismäßig großen Verkehrsbelastung der Anwohner in Gosberg sei eine Lösung dringend geboten, fasste Frank Unkroth, Jurist am Landratsamt Forchheim vor den Mitgliedern des Kreisausschusses zusammen.


60 Prozent Entlastung

Als Variante, die eine spürbare Entlastung bringe, regte die Verwaltung einen zweispurigen Ausbau der Bundesstraße an.

Dadurch werde sich nicht nur die Kosten-Nutzen Relation deutlich verbessern, auch der Eingriff in die Natur falle deutlich geringer aus. Immerhin kämpfe der Kreistag seit 15 Jahren für eine Südumgehung von Forchheim. "Mit gutem Grund", wie Kreisrat Manfred Hümmer (FW) erklärte. So bringe eine Umgehung den Gosbergern eine Verkehrsentlastung von 60 Prozent. Für Reuth würde eine Umgehung 4400 Fahrzeuge weniger bedeuten. "Das ist nicht allzu viel", aber man müsse wissen, dass diese Fahrzeuge zu den Stoßzeiten morgens und abends kommen, so dass eine Überquerung der Straße zu diesen Zeiten kaum möglich sei. "Wir sollten daher an unserer Meinung festhalten", erklärte Hümmer unter dem Beifall der Zuhörer, die vor der Sitzung für die Realisierung der Ostspange demonstriert hatten.

Unter Abwägung aller Gesichtspunkte komme er zu der Überzeugung, dass "wir die Ostspange der B470 dringend brauchen", unterstrich Edwin Dippacher (CSU). Individualisierte Arbeitszeiten führten dazu, dass der Verkehr auf den Straßen nicht weniger werde. Gerade für die Menschen aus der Fränkischen Schweiz sei diese Umgehung eine deutliche Verbesserung. Zumindest die Planung für die Umgehung müsse wieder aufgenommen werden. Dann haben wir wenigstens den "Spatz in der Hand".

Wolfgang Fees (SPD) erklärte, dass seine Fraktion die Notwendigkeit der Ostspange mehrheitlich ablehne. Reuth werde kaum entlastet, weil der Ziel und Quellverkehr sogar noch zunehmen werde.

Und 50 Millionen Euro für eine 7,5 Kilometer lange Trasse sei zu teuer. "Das, was eine solche Umgehung an Entlastung schafft, holen wir uns an überörtlichem Verkehr wieder herein. Wir treiben also den Teufel mit dem Belzebub aus", fürchtete Fees.


Lösung, keine Verschiebung

Karl Waldmann (Die Grünen) machte sich die Argumentation von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu eigen. Das lokale Pendler-Problem, die Verkehrsbelastung von Gosberg können der Bund nicht lösen. Wenn der Landkreis am Planungsrecht für die Ostspange der Südumgehung festhalte, rücke die Realisierung der "großen Lösung" in noch weitere Ferne. Stattdessen plädierte Waldmann dafür sich für zeitnahe Lösungen einzusetzen.

"Die Bürger wollen eine Lösung, keine Verschiebung", ergänzte Anja Gebhardt (SPD). Sie fürchtete bei der Realisierung der Ostspange mehr Verkehr sowohl auf der Umgehung, als auch auf der bisherigen B470 in Reuth. Dem hielt Manfred Hümmer entgegen, dass die 24.000 Fahrzeuge, die sich täglich durch Reuth quälten deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 9500 Fahrzeugen pro Tag auf einer Bundesstraße seien.

Bedingt durch die EU-Ost-Erweiterung sei Franken zu einem Transitland geworden. "Der Verkehr wird zunehmen, egal welche Maßnahmen wir ergreifen", prophezeite Hümmer. Würde der Landkreis eine Umgehungsstraße von Gosberg bauen, käme auf die Kommune ein Eigenanteil von drei Millionen Euro zu. "Erklären Sie der Gemeinde, wie sie das stemmen soll", forderte Hümmer die Kreistagskollegin Gebhardt auf.

Mit drei Gegenstimmen plädierte der Kreisausschuss schließlich für die Wiederaufnahme der Planungen einer Ostspange der Forchheimer Süddumgehung.