Der Kunde bestellt einen Handwerker ins Haus - und da kommt doch tatsächlich ein Mädchen. Auch heute noch lassen sich in Handwerksberufen eher Jungs ausbilden. Eine der wenigen Ausnahmen ist Laura Ziereis, die sich bei der Schreinerei Hannes Lange in Ebermannstadt zum Schreiner ausbilden lässt. "Mein Vater hat daheim immer wieder Sachen gebaut, da habe ich als Kind gern zugeschaut", erzählt sie. Deshalb wählte sie in der siebten Klasse auch das Fach Werken. Ihr gefiel die Arbeit mit Holz, weshalb sie sich für ein Praktikum in der Schreinerei Lange entschied und sich hier auch um einen Ausbildungsplatz bewarb. "Die Arbeit war am Anfang anstrengend, aber man gewöhnt sich daran", verrät Laura Ziereis. Mittlerweile hat sie sich an die Scherze der Kollegen gewöhnt und findet diese nett. Als Mädchen habe sie keine Vor-, aber auch keine Nachteile, sagt sie. Von den Kollegen werde sie gleichbehandelt.

Ihr Chef, Johannes Lange, äußert sich ein wenig vorsichtiger: "Es ist ja gesetzlich vorgeschrieben, dass wir nicht unterscheiden dürfen, aber in der Praxis bewerben sich bei uns auch nur etwa 15 Prozent Frauen um einen Ausbildungsplatz."

Schweres Material

In seiner Branche sieht die Wärmeschutzverordnung immer dickere und schwerere Materialien vor. Dann müssen seine Mitarbeiter schon mal schwer heben, wenn technische Hilfsmittel nicht eingesetzt werden können. "Da kommen Mädels schon mal an ihre Grenzen, weshalb man überlegen muss, auf welche Baustelle man sie schicken kann", erklärt Lange. Allerdings wirken sich weibliche Schreiner positiv auf das Betriebsklima aus. "Wenn ich so nachdenke, ist es ganz oft so, dass Mitarbeiterinnen selten in ihrem Beruf stehen bleiben oder jahrelang schwere körperliche Arbeit verrichten, sondern sich oft weiterbilden, um im Bereich der Gestaltung oder der Arbeitsvorbereitung zu arbeiten", überlegt er laut.

Mischung macht's

Gleich von vorneherein hat sich Luisa Wagner aus Hausen für eine Mischung aus Handwerk und Kreativität entschieden. Sie ist Kirchenmalermeisterin und Restauratorin im Handwerk. "Da arbeite ich aber auch in und an privaten Häusern, nicht nur in Kirchen", stellt sie gleich klar. Auf der Jägersburg bei Forchheim hatte sie einen Restaurator kennengelernt und sich für die Ausbildung in Bamberg entschieden. Das Studium war nur in München möglich. Sie ist begeistert, denn mit alten Techniken kann sie auch Neues gestalten. Sie arbeitet bei Restaurierungen in Kirchen und Schlössern, aber auch an denkmalgeschützten alten Gebäuden. Zum Beispiel bemalt sie Holz so, dass es wie Marmor aussieht, macht Landschaftsmalereien an Wände oder hat ein Fachwerk auf ein altes Gebäude aufgetragen. Anders, aber auch mit Farbe, arbeitet Marie-Therese Greiner. Sie hat sich für den Beruf des Malers entschieden und ist beim Malermeister Erwin Held in Forchheim angestellt. Mit 13 Jahren hat sie das erste Mal ihr Zimmer gestrichen: "Wir sind häufiger umgezogen, da habe ich dann beim Streichen geholfen." Bei ihrer Arbeit macht sie alles, auch Fassadenarbeiten. "Wenn ein Kollege dabei ist, trägt er schon mal die schweren Sachen", erzählt Marie-Therese Greiner, aber ansonsten brauche sie keine Hilfe. Ihre Arbeit bereite ihr Freude, auch wenn es manchmal anstrengende Tage gebe. Und sie muss lachen, wenn Kunden meinen: "Frauen im Handwerk sieht man aber selten."

Zahlen zum Handwerk

Anzahl der Auszubildenden in Handwerksberufen in Oberfranken aufgeteilt auf männlich (m) und weiblich (w) - Zahlen der Handwerkskammer für Oberfranken:

Schreiner: 249, davon 214 m und 35 w

Zimmerer: 117, davon 115 m und 2 w

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger: 48, davon 48 m und 0 w

Maler und Lackierer: 196, davon 173 m und 20 w

Kraftfahrzeugmechatroniker: 1007, davon 955 m und 52 w

Elektroniker: 529, davon 514 m und 15 w

Fleischer: 80, davon 77 m und 3 w

Schornsteinfeger: 54, davon 46 m und 8 w

Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: 490, davon 476 m und 14 w

Metallbauer: 167, davon 165 m und 2 w

Feinwerkmechaniker: 340, davon 310 m und 30 w

Dachdecker: 46, davon 45 m und 1 w

Straßenbauer: 27, davon 26 m und 1 w.