Letztes Jahr wurde für die drei Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Kirchehrenbach dank der Fernsehlotterie das Quartiersprojekt "In der Heimat leben - K-L-W" ins Leben gerufen, das vom Caritasverband der Stadt Bamberg und des Landkreises Forchheim betreut wird. K-L-W steht für Kirchehrenbach, Leutenbach und Weilersbach.

Als Quartiersmanagerin wurde die Fachwirtin im sozialen Gesundheitswesen, Anneliese Iser, eingestellt, die ein kleines Büro neben der Kirchehrenbacher Bibliothek unterhält. Die gelernte Krankenschwester und ehemalige Beamtin, die aus Baden-Württemberg stammt, legte mit Begeisterung im ersten Quartal letztes Jahr los, erstellte eine Sozialraumanalyse, besuchte die einzelnen Gemeinden und zahlreiche Vereinsveranstaltungen. Doch dann kam Corona und der erste Lockdown im Frühjahr und nun der zweite Lockdown, der Treffen mit Gruppen oder Vereinsveranstaltungen unmöglich macht.

Belastungen für Familien

Es geht alles nur noch per Videokonferenz, wie die beiden im Dezember und Januar zum Themenkomplex der pflegerischen Versorgung und der Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige. So hat sich Anneliese Iser bei ihrem Amtsantritt ihre Arbeit nicht vorgestellt, die Corona nun völlig verändert hat. Kontaktbeschränkungen, Heimunterricht und Heimbüro stellen inzwischen eine große Belastung und eine enorme Herausforderung für die Familien dar.

Deshalb hat sich die Arbeit von Anneliese Iser inzwischen auch gravierend verändert. Weil wegen Corona so gut wie keine persönlichen Kontakte mehr möglich sind, wurde nun das Angebot "IT-mobil" für Schüler und deren Familien gestartet, die nicht über die nötige technische Ausstattung für Heimunterricht verfügen oder nicht mit dieser ausreichend zurechtkommen.

"Verhaltensoriginelle Kinder"

Dafür steht nun ab sofort der Erzieher für "verhaltensoriginelle Kinder" und Internet- und Smartphoneexperte Stephan Schreiber-Hassa vom Caritasverband Anneliese Iser zur Seite. Wie Schreiber-Hassa erklärt, lehnt er die Stigmatisierung, das Kinder verhaltensauffällig sind, grundsätzlich ab. Bei der Volkshochschule (VHS) Forchheim gibt er neben seinem Beruf als Erzieher Internet- und Handykurse und ist so auch Experte für Hard- und Software.

Der Caritasverband bietet daher nun Familien diesbezüglich ein breites Spektrum an Hilfestellung wie zum Beispiel Betreuung oder materielle Unterstützung und Know-how an. "Allgemein gilt es, nach Lösungsmöglichkeiten dafür zu suchen", sagt die Quartiersmanagerin. Am Montagabend fand dazu ein sogenanntes Zoom-Treffen via Internet statt, beworben im wöchentlich erscheinenden Mitteilungsblatt der VG. Der Zuspruch mit 17 Teilnehmern aus Fachkräften der Schule oder Kindertagesstätte war zwar gut, doch der erhoffte Erfolg, dass auch Eltern daran teilnehmen, blieb so gut wie aus. Nur ein Gast auf Elternseite sei dabei gewesen.

Viele Hemmschwellen

Nach Isers Meinung gibt es offenbar noch zu viele Hemmschwellen und Vorbehalte in der Elternschaft für dieses neue Angebot. "Es muss sich niemand schämen, wenn er unser Angebot nutzt", sagt Iser. Denn die Problemlagen in den Familien würden sich verdichten, weil soziale Beschäftigungsmöglichkeiten, zum Beispiel in Vereinen, auch nicht mehr möglich sind.

Und gerade auch die Vereine wollen Iser und Schreiber-Hassa mit ins Boot holen. Vereine könnten interessante Online-Spiele anbieten. Denkbar sei aber auch, dass bessere nachbarschaftliche Strukturen geschaffen werden, Familienpatenschaften zum Beispiel. Eine Nachbarin oder Nachbar hilft bei den Hausaufgaben, bietet Freizeitbeschäftigung an. Oder Familien unterstützen sich gegenseitig , um für Eltern Freiräume zu schaffen. Möglich wären auch Online-Angebote für verschiedene Altersgruppen mit dem Ziel einer pädagogisch sinnvollen Beschäftigung.

Eine Idee sind auch Online-Wettbewerbe mit Kreativität, ein Fotowettbewerb etwa, Geschichten vorlesen oder Videoclips erstellen. Was ganz wichtig sei die Vernetzung von verschiedenen Menschen und Gruppen auch über die VG-Grenzen hinaus, die Nutzung von Angeboten des Kreisjugendrings oder anderer überregionaler Organisationen. Auch kreative Ideen sind gefragt und Vorschläge dazu: eine Schnitzeljagd im Freien für zwei Kinder, Laufen, ein Jonglierkurs online oder die Vernetzung der Generationen. Jugendliche helfen Älteren beim Schneeräumen, Ältere helfen Familien beim Daheimunterrichten.

Die größte Herausforderung

Die größte Herausforderung ist für Iser die Kommunikation. Ziel sei, auch eine Plattform in der VG über soziale Medien zu schaffen. Dazu sollen bald Gespräche mit den Verantwortlichen der drei Gemeinden geführt werden. "Alle Ideen sind willkommen", sagt Anneliese Iser.

Stephan Schreiber-Hassa kommt schon jetzt gerne bei den Familien vorbei und hilft bei Internet- und Hardwareproblemen. Dank eines Förderprogramms können auch Geräte wie etwa ein Drucker oder ein PC für Familien kostenlos bereitgestellt werden, die sich dies nicht leisten können. Stephan Schreiber-Hassa kommt nach Terminabsprache ins Haus, Telefon 0174/1827656. Auch Anneliese Iser ist telefonisch unter 0174/6019484 erreichbar. Das Quartiersprojekt der VG ist bis 2022 finanziell gesichert - mit der Option auf Verlängerung.