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Igensdorf
Marktgemeinderat

Kreis Forchheim: Wenn die Etatberatung im Vorhof des Rathauses stattfindet

Die Auflagen in der Corona-Krise führen zu zeitlichen Verzögerungen. Dem Haushalt der Gemeinde Igensdorf kommt das zugute. Doch Corona verhinderte auch eine feierliche Verabschiedung von Bürgermeister Wolfgang Rast nach 45 Jahren Dienstzeit.
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Das Rathaus in Igensdorf Foto Petra Malbrich
Das Rathaus in Igensdorf Foto Petra Malbrich
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Es war Bürgermeister Wolfgang Rasts (IU) letzte Sitzung, die durch Corona völlig anders lief als in den vielen Jahren, die er für die Gemeinde tätig war. Denn Wolfgang Rast war nicht nur Bürgermeister, sondern zuvor geschäftsführender Beamter. Nun konnte er nur mit einer kurzen Dankesrede von seinem Stellvertreter Johann Engelhard (IU) verabschiedet werden. Rast erhielt einen Geschenkkorb mit Gewürzen eines Gewerbetreibenden aus der Gemeinde. Das traf Wolfgang Rasts Geschmack, denn der Bürgermeister ist ein leidenschaftlicher Koch. Engelhard lobte die Art und Weise, wie Rast seine Sitzungen geführt habe, vor allem, dass auch über Vorschläge anderer Räte nachgedacht wurde und diese nicht als untauglich, da von einer anderen Partei geäußert, abgetan wurden. "Es war angenehm", meinte Engelhard über die gute Zusammenarbeit. Ein feierlicher Abschied mit Würdigung von Rasts Leistung für 45 Dienstjahre wird nachgeholt. Aber der Corona-Virus bringt derzeit so manches durcheinander. So sollen auch nur wichtigste Beschlüsse auf die Tagesordnung und die Redebeiträge auf ein Minimum konzentriert werden. Der Haushalt musste beschlossen werden, und dies forderte einige Änderungen, um einen genehmigungsfreien Etat vorlegen zu können. Schon vor der Sitzung trafen sich deshalb die Fraktionsvorsitzenden im Vorhof des Rathauses zu einem Gespräch - mit dem gebotenen Abstand. Die Sitzung selbst fand in der Turnhalle der Grundschule statt. Da war klar, dass der Haushalt ohne Kredit abgeschlossen wird. "Wir haben 1,4 Millionen Euro aus der Ausgabenseite raus", sagte Bürgermeister Rast - die Investitionen wurden aufs nächste Jahr verschoben. Das Straßenbauamt will die Decke der Bundesstraße 2 erneuern. Die Aufgabe für die Gemeinde lautete, die Leitungen unter der Straßendecke zu untersuchen. Tatsächlich häuften sich in Mitteldorf die Rohrbrüche. Der Grund sind die Asbestzementrohre, die immer spröder wurden und nun leicht brechen. Der Schwerlastverkehr tut sein Übriges dazu. Diese Rohre sollen ersetzt werden. Die Kosten: 750.000 Euro. Da wegen der Pandemie frühestens im Herbst mit den Arbeiten begonnen werden kann, wurde ein Großteil der Kosten ins nächste Haushaltsjahr verschoben. Dazu gehört auch der Ausbau des Brunnens am Wald hinter der Hutgasse in Lindelbach. Die Probebohrung fand statt. Der Brunnen schüttet 20 Liter pro Sekunde und es könnte mehr Wasser gefördert werden als gebraucht wird. Dafür sind 1,5 Millionen Euro angesetzt. Aber zunächst die Planungen anstehen, wird auch hier der Großteil des Geldes erst im nächsten Jahr gebraucht.

Maßnahmen gestrichen

Andere Maßnahmen wie der Erwerb des Schusteranwesens mit 110.000 Euro wurde gestrichen. Trotzdem mussten zwei Millionen Euro für Investitionen untergebracht werden. Das sind neben der B2 und dem Tiefbrunnen mit zusammen 450.000 Euro der Kindergarten in Rüsselbach mit 420.000 Euro, der umgebaute Hochbehälter in Letten mit 130.000 Euro und die energetische Sanierung des Rathauses mit 100.000 Euro.

Die Lindelberghalle

Die Sanierung der Lindelberghalle wurde auf Null gestellt. Zwar werden Handwerker noch ihre Schlussrechnungen schicken, doch dafür wurde Geld im vorigen Jahr eingestellt. Blieb noch die Vorgabe des Landratsamts, die Hebesätze der Grundsteuer A und B und die Gewerbesteuer zu erhöhen. Wegen dieser Auflage waren die Gemeinderäte sehr bedrückt. "Es passt nicht in die Zeit, wenn bei den Gewerbesteuern über Stundungen nachgedacht wird", fasste Rast die Meinung der Räte zusammen. Denn die Gewerbesteuereinnahmen wurden wegen "Corona" bereits von 765.000 Euro im Vorjahr auf 610.000 Euro reduziert. "Viele Handwerksbetriebe in der Gemeinde arbeiten weiter, andere trifft es härter", sagte Rast. Die Gemeinderäte wollten deshalb keine Steuererhöhung. Die Steuerfestsetzung fällt in das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinde. Der Haushalt ist ausgeglichen. 10, 3 Millionen Euro beträgt der Ergebnishaushalt im laufenden Betrieb an Einnahmen und Ausgaben. Die Erträge übersteigen die Aufwendungen um 14.000 Euro. Ein Kredit muss nicht aufgenommen werden.