Ihre Tochter wartet schon seit zwei Tagen auf ein Päckchen. Ob die Verzögerung aber etwas mit dem Poststreik zu tun hat, weiß sie nicht. "Die Post kommt zu uns jeden Tag", sagt Monika Hauenstein. Sie arbeitet in einer Igensdorfer Tankstelle, wo sie regelmäßig selbst Päckchen für Hermes entgegennimmt. Dass dort in den vergangenen Tagem mehr Kunden als üblich ihre Pakete abgegeben haben, kann Monika Hauenstein nicht bestätigen.
Ohnehin scheint der Poststreik bislang im Landkreis Forchheim keine oder nur geringe, kaum spürbare Auswirkungen.

Alle unterwegs

Im Brief- und Paketzentrum in Gräfenberg stehen die gelben Postautos jedenfalls nicht auf den Parkplätzen. Von Arbeitsniederlegung keine Spur. Ein Briefträger lädt gerade die Pakete von einem Wagen in sein Postauto um.
Seine Kollegen sind schon unterwegs, fahren ihre Routen ab und stecken Briefe in die Briefkästen - oder klingeln, um Pakete an der Haustüre zu übergeben.

Sitzung geplatzt

Aber nicht nur die Bestellungen aus Versandhäusern und den Internet werden meist per Post verschickt, oft sind auch wichtige Briefe und Unterlagen dabei.

Bei der ersten Streikrunde, die erst ein paar Wochen her ist, ist deshalb auch eine Gemeinderatssitzung in Eggolsheim geplatzt: die Unterlagen wurden den Ratsmitglieder schlicht nicht rechtzeitig zugestellt. "Wir geben die Einladungen persönlich raus", sagt in diesem Zusammenhang der Weißenoher Bürgermeister Rudolf Braun (FW) - eben um ein Szenario wie in Eggolsheim zu vermeiden. In einer kleinen Gemeinde sei es schon machbar, die Einladungen der einzelnen Mitglieder in den Briefkasten zu werfen.

Um die fünf Arbeitstage lange Ladungsfrist einhalten zu können, hat auch Gräfenberg schon einen Mitarbeiter losgeschickt, um die Einladungen fristgerecht an den Mann oder die Frau zu bringen. Das hat Braun zumindest so gehört. Das Amt des Bürgermeisters führt er als Ehrenamt. Im Haupterwerb arbeitet er für die Deutsche Vermögensberatung. Auch darin ist Braun auf einen ungestörten Briefverkehr angewiesen.

Und trotzdem: Poststreiks fürchtet Braun nicht: "Zum einen sind wir beim Kunden vor Ort. Zum anderen erledigen viel über das Internet." Einzig ausgefüllte Verträge werden mit der Briefpost verschickt. Ob diese einen Tag früher oder später beim Kunden im Briefkasten liege, spiele keine große Rolle. In der Postfiliale im Globus Forchheim läuft ebenfalls alles ganz normal. Viele Mitarbeiter sind dort damit beschäftigt, den täglichen Brief- und Paketdienst in den Griff zu bekommen. "Jeder kann seine Post hier abgeben. Gestern wurde die Post abgeholt", sagen die Mitarbeiterinnen.

Warnender Hinweis

Nur wenn wie vor wenigen Stunden eine Kundin ein Expresspaket abgeben möchte, weisen sie schon darauf hin, dass sie nicht genau wissen, ob die Post auch tatsächlich schon am nächsten Tag ankomme.

Auch in der DPD-Annahmestelle im Markgrafen-Getränkemarkt in Hausen geht alles seinen gewohnten Gang. Rainer Obertür von dort hat den Eindruck , als sei die Zahl der DPD-Pakete gleichgeblieben. Der Postbriefkasten blieb gestern leer. Er vermutet, dass er einfach keine Post bekommen hat, denn die gelben Brieffahrer seien unterwegs.