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Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt hielt Uwe Kirschstein seine erste Haushaltsrede. Wie bei solchen Gelegenheiten üblich, nutzte er sie auch, um Bilanz zu ziehen. Drei Viertel des Stadt-Etats in die Bildung, in die Infrastruktur und in die Baupolitik zu investieren - Kirschstein feierte das als Erfolg. Angesichts des Investitionsstaus (den Kirschsein allerdings nicht zu verantworten hat) ein eher glanzloser Erfolg. Ein "kraftvoller Entwurf", wie der OB betonte, ist dieser Haushalt jedenfalls nicht.

Als eigentliche Leistung darf sich Kirschstein zugutehalten, dass es ihm gelungen ist, trotz der Kommunikationsstörungen im Stadtrat (die er mitzuverantworten hat) eine deutliche Mehrheit hinter diesen Rekord-Schulden-Haushalt zu bekommen. Denn er hätte sich nicht beklagen dürfen, wenn nicht nur die Grünen und die REP dieses Zahlenwerk abgelehnte hätten. Mit Fundamental-Opposition, wie sie den Grünen gelegentlich vorgeworfen wird, hat diese Ablehnung nichts zu tun.

Sie ist Ausdruck einer Sorge und einer Warnung, die auch andere Fraktionen ausgesprochen haben - und die OB Kirschstein gar nicht ernst genug nehmen kann: Ohne eine radikale Entschuldung, ohne echte Sparmaßnahmen und ohne Verwirklichung wegweisender Projekte (wie das Kolpingshaus) wird Kirschstein im nächsten Jahr garantiert keine Mehrheit für seinen Haushalt bekommen.