Heike Krahmer ist vor sieben Jahren der Liebe wegen aus Dresden nach Franken gezogen. Zu "Kusz & Blues" ist sie in den Turmsaal der Baiersdorfer Pfarrei St. Josef gekommen, um einen Fränkisch-Sprachkurs zweiten Grades zu absolvieren. "In der ersten Zeit verstand ich die Leute manchmal gar nicht", räumt sie ein.

An diesem Abend aus der Reihe "Kleinodzauber", die Landrat Eberhard Irlinger (SPD) initiiert hat, hat sich dieses Problem nicht gestellt, beobachtet man Krahmer während des Vortrags. Bei Klaus Brandl mit seiner Gitarre stellt sich das Verständnisproblem sowieso nicht. Sein blueslastiger Mix mit Rap-Einlage und Abstecher in die Kaffeehausmusik oder zum Stampfen eines anrollenden Zuges braucht keine Übersetzung. Bei Kusz' Texten sieht das schon etwas anders aus, vor allem, wenn sie jemand nur lesen kann.
Ob die Dresdnerin mit seinem jüngsten Bändchen "Zwedschgä" klar gekommen wäre? Oder mit einer von Fitzgerald Kusz fingierten Ansage auf dem Anrufbeantworter: "Ich bin ned do und wou ich bin, mog ich ned sogn."

Lauter einsilbige Wörter, sehr typisch für den fränkischen und speziell Nürnberger Dialekt. Kusz klaubt sie - um im Obstwortschatz zu bleiben - reihum auf und verdichtet sie, ruckelt sie etwas zurecht und entwickelt in aller Lakonie eine Pointe, die die Zuhörer nur so losprusten lässt.

Kess spielt Kusz mit der Bodenständigkeit und der Direktheit der Sprache. Da sagt er über sein Fahrplanstudium: "...und wenn ich ihn zuglabb, bin i wiedä dahaam." Die "Ärwed" beschäftigt den Franken - so Kusz - so sehr, dass das Gefühl dabei nur rappend wiederzugeben ist, und so findet er sich mit einem musikalisch gut gelaunten Klaus Brandl zu einem mitreißenden Duo zusammen.

Franken hat auch Poesie. Diese These beweist Kusz mit einem Song aus seiner fränkischen Jedermann-Adaption. "Ohne Dich" heißt das Lied. Das klingt nach romantischem lyrischem Erguss. Bei Weitem daneben gegriffen! Wie "a Amala ohne Mamalad" kann sich nur ein verliebter Franke fühlen. Und wie "a Ufn ohne Kulln" auch nur. Vielleicht war ja auch ein passender Vergleich für Heike Krahmer dabei, den sie ab nun im Originaltonfall vortragen kann.