Als in Fukoshima die Erde bebte, war das auch in Haidhof bei Gräfenberg zu spüren. Dort betreibt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Sitz in Hannover) ein zentrales Observatorium. "Wir beobachten weltweit", sagt der Geophysiker Christian Bönnemann, Direktor des Zentralobservatoriums. Was einst die Seismographen leisteten, werde heute von Seismometern digital aufgezeichnet.

Die hochempfindlichen Seismometer sind in vier Meter tiefen Schächten unter der Erde verankert. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit verlief die Aufzeichnungsarbeit all die Jahre. Doch das hat sich geändert, seit der Raum Gräfenberg als Standort für weitere Windräder (eins steht bereits in Kasberg) entdeckt worden war.

Plötzlich schien die Arbeit der Geowissenschaftler gefährdet. Die Aufzeichnungen der sensiblen Seismometer könnte durch die Windkraftanlagen zerstört werden.


Hellhörig verfolgt Helmut Pfefferle die Auseinandersetzung um die Windkraft. Der Vorsitzende des Vereins für den Schutz des Naturpark Fränkische Schweiz weist darauf hin, dass die Seismologen "einen Schutzradius gegen Windkraftanlagen von fünf Kilometern um die Messstation Haidhof als zwingende Untergrenze eingefordert haben".

Sollte der Schutzradius nicht eingehalten werden, "wären die Messungen - und damit auch die Aufzeichnungen der letzten 36 Jahre wertlos", sagt Pfefferle.

Kein Windpark auf der Karsthöhe

Der regionale Planungsverband hat auf das Argument der Geowissenschaftler reagiert. Das sogenannte Gebiet 198 wurde aus der Planung für Windkraftanlagen herausgenommen. "Damit haben sie den Investoren für einen Windpark auf der Karsthöhe zwischen Kasberg und Haidhof einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagt Pfefferle.

Betont aber auch, dass in bestimmten Kreisen noch immer "um den Standort gefeilscht" werde. Dem Arbeitskreis "Bau verträglicher Windkraft-Analgen im Landkreis Forchheim" wirft Pfefferle einen " naiven Umgang" mit dem Observatorium in Haidhof vor. Diese Naivität zeige sich, wenn Christoph Wurmthaler (Sprecher des Arbeitskreises) frage, ob es denn nicht möglich gewesen wäre, die Messstation an einen anderen Ort zu versetzen.

Um dergleichen Spekulationen für immer zu beenden, hat Helmut Pfefferle den Geowissenschaftler Bönnemann und den Erlanger Lehrstuhlinhaber für Angewandte Geologie, Alfons Baier, nach Gräfenberg eingeladen (4. Juli, 20 Uhr, Hotel Schlossberg in Haidhof).

"Vielleicht haben die Wissenschaftler nicht oft und laut genug auf die Wichtigkeit ihrer Tätigkeit in Haidhof hingewiesen", meint Pfefferle. Die Bundesanstalt leiste einen wichtigen Beitrag bei der "weltweiten Erdbebenwarnung". Zudem gehe es darum, den Gefahren durch neue "Atommächte" zu begegnen. Etwa wurde auch der unterirdische Atomtest Nordkoreas im Februar in "ausgezeichneter Qualität" aufgezeichnet.

Versuch, die Erde zu verstehen

Geophysiker Christian Bönnemann sagt: Die Station in Haidhof sei historisch bedeutsam, weil sie seit den Kernwaffentests 1976 einen "ununterbrochenen Datensatz" bereit stelle. Abgesehen davon habe die Arbeit der Geowissenschaftler aber auch eine grundsätzliche Bedeutung: "Es geht darum, mehr zu verstehen, über den Aufbau der Erde."

Was den Aufbau der Erde in der Fränkischen Schweiz betrifft, ist Alfons Baier ein absoluter Spezialist. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit den "Charakteristika vom Karst". Die Flächennutzung sei mit erhöhtem, Schadensrisiko verbunden, warnt Baier. "Das ist keine Fläche, die man einfach kaufen und dann was draufstellen kann."

Allerdings betont der Erlanger Geologe, dass er am 4. Juli nicht nach Gräfenberg komme, um das Politikum Windkraft zu diskutieren. "In das Mysterium von Meinung und Gegenmeinung werde ich mich nicht einmischen."

Stattdessen werde er über die vielen Unwägbarkeiten dieser Landschaften sprechen, die voll stecke mit Erdfällen, Bachschwinden und unterirdischen Flüssen. "Das ist keine Granitlandschaft, der Karst ist was ganz Besonderes."

Wer hier bauen wolle, müsse genau hinschauen. Alfons Baier erinnert an den Bau der ICE-Strecke Nürnberg-München. "Das ging herrlich daneben. Da wurden beim Bauen riesige Hohlräume entdeckt, die dem Projekt zwei Milliarden Mehrkosten bescherten."