Die Wahlparty der CSU im Séparée des Forchheimer Stadtlockales kam nur schleppend in Schwung. Bei der ersten landesweiten Prognose, die der CSU gerade mal 35,5 Prozent der Wähler zubilligte, saßen neben der stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden Gisela Steinlein und dem Forchheimer CSU-Vorstandsmitglied Werner Burkard nur sechs weitere CSU-Mitglieder im 50 Leute fassenden Saal.

Auf die Chancen von Michael Hofmann, das Direktmandat im Landkreis Forchheim zu holen angesprochen, erklärte Steinlein: "Wenn es nach seinem Einsatz geht, muss er es holen." Als positives Omen wertete die Forchheimerin die hohe Wahlbeteiligung in ihrem Wahllokal am Kennedy-Ring und die Kampfbereitschaft von Michael Hofmann.

Jubel über 37 Prozent

Der ließ sich Zeit, mit seinem Besuch der Wahlparty. Stattdessen trafen der frühere Bundestagsabgeordnete Gerhard Scheu, der Forchheimer Vizebürgermeister Franz Streit, der frühere Weilersbacher Bürgermeister Adam Martin, die Ebermannstadter CSU-Ortvorsitzende Diana Striegel und MdB Tho mas Silberhorn ein. Von überschwänglicher Freude keine Spur. Nur Diana Striegel riss die Arme hoch, als die zweite landesweite Hochrechnung mehr als 37 Prozent für die CSU erbrachte.

Vorsichtiger Optimismus machte sich breit, als sich nach den ersten ausgezählten Stimmbezirken abzuzeichnen begann, dass Michael Hofmann im Stimmkreis Forchheim vor Thorsten Glauber lag. An den Handys verfolgten die mittlerweile rund 20 Besucher die Auszählung der Stimmbezirke im Landkreis Forchheim.

Derweilen analysierte der in sich gekehrte MdB Thomas Silberhorn das Wahlergebnis. "Die gleichzeitigen Stimmverluste von CSU und SPD wertete Silberhorn im Gespräch mit dem FT als Zeichen, dass es den Volksparteien nicht gelungen war, den Menschen, die Angst vor der Globalisierung haben, überzeugende Konzepte anzubieten. Die Befürworter der Globalisierung hätten offenbar Grün gewählt, die Enttäuschten hätten der AfD ihre Stimme gegeben.

Lösungen anbieten

"Es funktioniert nicht mehr, alle Bälle in der Luft zu halten. Wir müssen künftig wieder mehr in die Tiefe gehen, dem Wähler verdeutlichen, wofür wir stehen", gab Silberhorn als Losung für die Zukunft aus. Auf das Wahlergebnis ausgewirkt habe sich seiner Meinung nach auch der parteiinterne Streit innerhalb der CSU sowie zwischen CDU und CSU. "Wenn unsere Politiker so miteinander umgehen, nehmen die auf uns erst recht keine Rücksicht" formulierte Silberhorn Bedenken der Wähler.

Er sprach von einer gespaltenen Gesellschaft und orientierungslosen Wählern, die nach perspektiven verlangten. Hierin sehe er sogar eine Chance für eine Erneuerung der Volksparteien, so Silberhorn.

Sündenbock Merkel

Für Gerhard Scheu, der 1962 in die CSU eingetreten war und der den Landkreis Forchheim von 1983 bis 2002 im Deutschen Bundestag vertrat, stand die Ursache des Wahldebakels der CSU schnell fest. Im Stile einen Franz Josef Strauß machte er Bundeskanzlerin Angela Merkel als Sündenbock aus. "Die ist ein Unheil für die Union", polterte Scheu. Sie habe die bundesweite Aufgabe der CSU niemals begriffen. Und Merkel sei auch Schuld an einer Destabilisierung Europas.

Mit Blick auf das bayerische Wahlergebnis konstatierte Scheu: "Wir sind dem Teufel gerade noch einmal von der Schippe gesprungen." Die Meldung, dass die Freien Wähler und nicht die Grünen Verhandlungspartner Nummer eins für eine Koalition sein sollen, begoss Scheu mit einer Runde Schnaps. "Mich freut, dass die Grünen nicht mitregieren", prostete der 75-Jährige Franz Streit und dem ehemaligen Kulturreferenten Dieter George zu.

Mittlerweile füllte sich der Saal annähernd zur Hälfte. Landrat Hermann Ulm, Ulrich Schürr und Maria Wagner warteten auf den Wahlsieger Michael Hofmann, dessen Direktmandat nach Auszählung von vier Fünftel aller Stimmbezirke als sicher galt. Exakt um 20.24 Uhr betrat er mit seiner Frau das Stadtlockal, wo er mit Beifall empfangen wurde. Dabei war ihm die Anspannung noch immer anzusehen.

In einer kurzen Rede bedankte sich Hofmann für die Unterstützung seiner Helfer, zeigte sich aber auch kämpferisch. "Viele haben gedacht, dass der Landkreis Forchheim fällt. Er ist nicht gefallen. Wir haben nach wie vor die Mehrheit im Landkreis, wenngleich wir Federn lassen mussten", unterstrich Hofmann. Die CSU habe bewiesen, dass sie keine Schönwetterpartei sei. So gesehen sei er stolz auf die CSU und das Ergebnis im Landkreis Forchheim.

39 Prozent der Zweitstimmen hätten dazu beigetragen, dass der landesweite Trend abgemildert werden konnte. Am wenigsten Schuld am Wahlausgang trifft Ministerpräsident Söder. Für mich gibt es zu ihm keine Alternative, beugte Hofmann vor. Sein eigenes Ergebnis habe er schwer einschätzen können. Zum einen hätten Einflüsse von außen die Wahlentscheidung beeinflusst, zum anderen habe es mit der AfD einen Mitbewerber gegeben, der 2013 noch nicht da war. Für eine Analyse sei es aber noch zu früh.