Unter der Überschrift "Abgelehnt? Geduldet? Willkommen?" veranstaltet die Politikwissenschaftlerin Petra Bendel am am heutigen Freitag sowie am Samstag, 23. Januar, im Erlanger Rathaus eine Tagung zur kommunalen Flüchtlingspolitik in Deutschland.
Bendels Forschungsschwerpunkt ist die Migrations- und Flüchtlingspolitik. Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt zur Flüchtlingspolitik ("Was Flüchtlinge brauchen") und sucht im Rahmen einer Studie nach Paradebeispielen für die Integration von Flüchtlingen ("Voneinander Lernen").

Schaffen wir die Flüchtlingskrise?
Petra Bendel: Als Wissenschaftlerin bin ich gewohnt zu differenzieren: Wir müssen herausfinden, unter welchen Bedingungen gelingen kann, "es" zu schaffen. Wenn die Integration der Flüchtlinge bestmöglich gelingen soll, müssen wir die dafür notwendigen Bedingungen eindeutig bestimmen. Dafür sind Wissenschaftler da, um genau dies zu tun. Deswegen veranstalten wir ja auch diese Tagung. Es gibt noch viele Unbekannte in der Flüchtlingsdebatte. Beispielsweise sind die beruflichen Qualifikationen der Flüchtlinge in ihrer Gesamtheit noch zu wenig erforscht, um passgenaue Maßnahmen für die Arbeitsmarktintegration zu schneidern.

Was muss sich verbessern, damit Deutschland so viele Menschen in kurzer Zeit aufnehmen kann und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Ende doch noch recht behält?
Es gibt ein hohes Interesse der Politik, die Integrationsbedingungen zu verbessern. Insbesondere die Kooperation zwischen den politischen Ebenen in Bund, Ländern und Kommunen läuft nicht immer reibungslos. Gerade die Kommunen stehen unter erheblichem Druck, die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge rasch zu gewährleisten. Dabei die Rechte der Flüchtlinge trotz der hohen Zahlen zumindest mittelfristig adäquat zu gewährleisten, ist eine große Herausforderung.

In dem Titel der Tagung verstecken sich gleich drei Fragezeichen? Woran kann die Bewältigung der Flüchtlingskrise Ihrer Meinung nach am ehesten scheitern?
Die hohe Polarisierung in der öffentlichen Meinung halte ich für gefährlich. Aufgabe der Wissenschaft ist es, zu einer Versachlichung der Debatte beizutragen. Der Versachlichung dient es auch, wenn die politischen Entscheidungsträger vor Ort die betroffenen Bürger an Entscheidungen beteiligen, das zeigen jüngere Studien, die auch auf der Tagung besprochen werden.
Sie sagen, den Städten und Gemeinden kommt eine Schlüsselaufgabe zu: Was raten Sie den Städten in der aktuellen Lage?
Wir sehen, dass die Kommunen ihre Aufgaben in sehr unterschiedlicher Weise interpretieren. Es gibt viele lokale Unterschiede in der Flüchtlingspolitik. Die Kommunen können viel voneinander lernen, wie sie Handlungsspielräume besser nutzen können. Dafür ist diese Tagung übrigens auch da. Die lokalen Verwaltungen sind in erheblichem Maße auf die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern angewiesen. Auch hier können sich die Kommunen viel voneinander abschauen. Wir werden frische Ideen aus der Zivilgesellschaft zusammentragen, wie man mit vereinten Kräften gute Integrationsleistungen vollbringen kann und Vorzeigebeispiele präsentieren.

Woher sollen die Kommunen das Geld nehmen? Selbst viele Städte im reichen Bayern wie Nürnberg oder Erlangen haben hohe Schulden.
Die Integration ist Aufgabe aller Ebenen. Deswegen müssen die Kommunen auch finanziell noch sehr viel stärker von Bund und Ländern unterstützt werden. Die meisten Städte arbeiten trotz schwieriger Haushaltslage an praktischen und innovativen Lösungen, damit Integration vor Ort trotz der angespannten Kassenlage gelingt. Es ist auch immer wieder beeindruckend, auf welche tollen Ideen die Zivilgesellschaft kommt. Wir wollen den Austausch aller beteiligten Akteure deshalb fördern und als Wissenschaftler nach Kräften zur Suche nach Lösungen beitragen.

Das Gespräch führte
Nikolas Pelke.