Uriah Heep, Dire Straits, Bob Seger, The Kinks, Aerosmith, Scorpions, Rainbow, Nazareth ... in Concert in Hemmerleinhalle Nürnberg/Neunkirchen am Brand. Es gibt kaum eine Weltband, die nicht in der Hemmerleinhalle aufgetreten war. "Die Hemmerleinhalle war ein Kulturgut. Es hat im ganzen Raum nichts Vergleichbares gegeben", sagt Andreas Pfister.

Sicher waren nicht alle Neunkirchner begeistert, aber man akzeptierte es und war doch stolz, dass diese Weltstars nach Neunkirchen kamen. "Es sind Welten aufeinander gestoßen. Der kleine Markt mit den Ureinwohnern und diese Veranstaltungen", erzählt Martin Mehl. Die legendären Musikbands lockten Fans aus ganz Deutschland nach Neunkirchen am Brand.

"Wir sind an den Autos vorbeigelaufen und waren baff, woher sie alle kamen. Da haben wir uns wichtig gefühlt", erinnert sich Regina Mehl. "Die Fans sind oft schon einen Tag vorher angereist. Auch die Seitenstraßen waren zugeparkt", erzählt Beate Leupold, die an den Konzertabenden bei der Freundin war, um das Geschehen aus dem Fenster beobachten zu können. Für die Konzerte waren sie noch zu jung, aber die Atmosphäre wollten sie doch erleben.

Vor allem reisten viele amerikanische Fans an, denn damals waren die Amerikaner noch in Ansbach, Erlangen und Fürth stationiert. "Da haben dann Amis mit dem Auto neben uns gehalten und nach der ,hummanahoah' (Hemmerleinhall) gefragt", erinnert sich Stefan Eger an diese unglaubliche Zeit.

Damals war er zehn Jahre alt und erhielt eine Art Hausarrest, wenn die Amerikaner kamen. Manche Eltern hatten Angst um ihre Kinder bei den vielen Fremden, die schlagartig in den Ort einfielen; während die Eltern von Jugendlichen dann doch ein Auge zudrückten, wenn ihre Sprösslinge gerade an den Konzertabenden noch einmal rausmussten, um eine Freundin zu besuchen und dabei hofften, die Stars zu treffen, wenn sie aus ihrem Tourbus stiegen.

Manchen gelang es, wie Stefan Eger und Beate Leupold bei Nena. Reden konnten sie mit ihr nicht. Nur mit manchen Fans kam man ins Gespräch.

So wunderte sich ein Besucher von weit her, weil um Neunkirchen herum alles unbebaut war. Nürnberg sei doch nach dem Krieg wieder aufgebaut worden, fragte der Konzertbesucher Heinz Richter. "Er glaubte, Neunkirchen am Brand sei ein Stadtteil von Nürnberg", erzählt Richter, der direkt gegenüber der Hemmerleinhalle wohnt.

Denn auf den Karten stand manchmal auch nur Nürnberg/ Hemmerleinhalle, und das hebt die Bedeutung der Halle als einzigartige Konzerthalle weit und breit hervor. Auch dass ein Amerikaner am Tag nach dem Konzert noch regungslos im Garten der Richters lag, passierte.

Ob der US-Bürger einen über den Durst getrunken hatte oder zu tief Haschisch inhalierte, ist unbekannt. Er wurde jedenfalls sehr unsanft von der amerikanischen Militärpolizei geweckt.

Kein Drogenproblem

Drogen aber waren kein Thema und wurden den Jugendlichen oder Erwachsenen auch nicht angeboten, selbst wenn es auch Leute gab, die Drogen konsumierten. Beim Frank-Zappa-Konzert beispielsweise saßen die Fans friedlich im Kreis auf dem Boden und reichten eine Pfeife herum.

Es war trotz Weltbands, trotz Heavy Metal und trotz der vielen Fans aus ganz Deutschland friedlich und die Neunkirchner Jugendlichen versuchten, die Konzerte aus nächster Nähe zu erleben. Zum Glück war der Türsteher ein Neunkirchner oder man kannte den Hausmeister und hatte andere Beziehungen, in das eine oder andere Konzert zu gelangen.

Auch Thomas Weigel wurde auf diese Art in die Halle geschleust und gelangte so auf kurzem Weg hoch zur Empore. "Wenn man Glück hatte, wurde man nicht gleich nach zehn Minuten wieder von den Beleuchtern verjagt", sagt Weigel und schwelgt wie viele andere Neunkirchner in den schönen Erinnerungen. Auch Andreas Pfister gelang es mit seinen Kumpels, bei den Konzerten aus nächster Nähe dabei zu sein, und wenn sie über das Klofenster einsteigen mussten. Van Halen als Vorgruppe von Black Sabbath konnten sie erleben und wie die Musiker der Hauptband nach dem zweiten Lied zu spielen aufhörten, weil ihnen Van Halen die Show gestohlen und den Rang abgelaufen hatte.

Manche Neunkirchner konnten aber die Musiker aus nächster Nähe bei den Proben beobachten. Heinz Richter war bei den Proben von Roland Kaiser dabei: "Das war ein unangenehmer Star. Er hat seine Leute richtig angemault. Ich wollte ihn schon fragen, ob das menschlich ist."

Einblicke

Hinter der Halle gab es einen Raum, in dem sich die Bands auf ihren Auftritt vorbereiteten. "Meist war da das Fenster offen, und wir haben als Kinder Dinge gesehen, die man lieber nicht sehen sollte; aber wir haben alles überlebt und heute einiges zu erzählen", sagt Eger.Konzerte und Atmosphäre blieb lange in Erinnerung. Wie der Schmetterling, der beim Barclay-James-Harvest-Konzert an der Wand langsam nach oben stieg und Tausend Feuerzeugle hochgehalten wurden.

Wenn dann wie auf Knopfdruck alle Motoren wieder aufheulten, wussten die Neunkirchner: Das Konzert ist zu Ende. Aber die Erzählungen darüber halten heute noch an, und die am Boden liegengebliebenen Eintrittskarten, die von den Neunkirchnern aufgehoben wurden, sind Zeugen dieser Ära.