Vor anderthalb Jahren wurde die Gaststätte "Heroldsmühle" bei Heiligenstadt geschlossen. Besitzer Jürgen Liedtke und seine Ehefrau Ariane hatten sich für mehr Lebensqualität entschieden - und deshalb die Gaststätte dichtgemacht. "Meine Frau arbeitet im Augenblick fast zehn Stunden am Tag. Alleine hätte ich die Gaststätte nicht führen können", erzählt Liedtke. Er ist froh, den Schritt gewagt zu haben.

Er berichtet, dass im Winter Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) auf ihn zugekommen sei. Krämer haben wissen wollen, ob Liedtke das Anwesen eventuell verkaufen würde. "Da hinten ist Natur pur. Bei einer Exkursion mit dem Landschaftspflegeverband vor Kurzem sind sogar Tummler angesprungen", schwärmt Helmut Krämer. Tummler ist die fränkische Bezeichnung für periodisch schüttende Karstquellen.
Krämer hat für das betreffenden Gebiet eine besondere Idee: "Es könnte hier eine Umweltbildungsstätte errichtet werden. Ähnlich der Lias-Grube."

Durch den Bau von Windrädern sei Geld im Umwelttopf. "Ich bin der Meinung, das muss zurück in die Region", so Krämer. Um die Heroldsmühle herum gehören 15 Hektar Land der Gemeinde und fünf dem Landkreis Bamberg. Die Marktgemeinde will nun ein Entwicklungskonzept für diese Flächen erstellen. Es gibt Ideen für Stromgewinnung über das Mühlrad bis zur Umweltbildung oder Direktvermarktung von Fischen aus den Weihern der Heroldsmühle. Auch die Vermarktung von Schafsfleisch ist im Gespräch. "Wir haben das Gebiet schon zweimal besichtigt", erzählt Krämer.


Imker und Bäcker

Der Heiligenstadter Bürgermeister habe die Idee Landrat Johann Kalb (CSU) vorgetragen, der angetan gewesen sei. Dieter Pasch, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Landschaftspflegeverbandes, habe das Gebiet ebenfalls für so ein Projekt als geeignet befunden.

"Beim Treffen des Landschaftspflegeverbands war es das Hauptthema. Jetzt muss ein Büro von außen darauf schauen, was man noch machen könnte. Zum Beispiel mit einem Imker zusammenarbeiten oder mit Bauern, die Brot backen", zählt der Bürgermeister auf. Jürgen Liedtke dagegen hat eine ganz andere Sorge. Er kämpft seit einem Jahr darum, dass der Weg zur Heroldsmühle eine Anliegerstraße wird. Denn er versteht nicht, dass Leute die Natur bewundern und wandern wollen, aber mit dem Auto direkt bis zur Heroldsmühle fahren, obwohl es doch vorn einen Parkplatz gibt. "Das ist doch nun wirklich nicht zu weit zum Laufen", schimpft Liedtke und hofft, dass das Konzept eine Vergrößerung des vorderen Parkplatzes berücksichtigt.

Der Besitzer der Heroldsmühle fände es überhaupt nicht fair, wenn ein großer Parkplatz mit Buswendemöglichkeit direkt vor der Heroldsmühle geplant würde. Er denkt dabei auch an seine Nachbarn.