In Badekleidung warten am Nachmittag die ersten Kinder auf den Beginn ihres Schwimmkurses im Gräfenberger Hallenbad. Das Wasser weist eine Qualität besser als die geforderte Norm auf. Dass dieses Bad in der Bausubstanz ziemlich marode ist, fällt auf den ersten Blick nicht auf. Mirco Helbig, mit seiner Firma Aqua-Work der Betreiber des Hallenbads, hat in den vergangenen 17 Jahren immer wieder investiert und vor allem die Technik erneuert, um den Schwimmbetrieb aufrechterhalten zu können. Das wird immer schwieriger. Schnee dürfte auf dem Flachdach des Bads nicht sein, sonst müsste die Halle geschlossen werden, wie es an der angrenzenden Turnhalle bereits der Fall ist", erklärt Helbig, der eigentlich Schwimmbäder baut, der CSU-Bundestagsabgeordneten Silke Launert (Bayreuth/Forchheim) und dem Gräfenberger Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW). Das Bad muss abgerissen werden und bereits in vier Jahren soll ein neues Hallenbad in der Nähe errichtet sein. Diese Maßnahme konnte für das Sonderprogramm Kip (Kommunalinvestitionsförderpaket) angemeldet werden. Die Stadt erhielt eine Förderzusage über 90 Prozent. Allerdings machen die enorm gestiegenen Baukosten einen Strich durch diese Rechnung. Das Ergebnis ist ein Defizit in Höhe von drei Millionen Euro, das die Stadt alleine nicht stemmen kann.

Schwimmunterricht in Gefahr

Nicht nur die Infrastruktur wäre in Gefahr, sondern vor allem der Schwimmunterricht, der Rehasport und die Übungsstunden der Wasserwacht Heroldsberg und die vielen eigenen Aqua-Fitness-Angebote. All das findet im Gräfenberger Hallenbad statt und macht die Brisanz, die Tragik und das Drama um das Bad deutlich. "Schwimmen ist lebensnotwendig", erklärt Helbig - gerade angesichts der Statistik, dass fast die Hälfte der Grundschüler noch nicht schwimmen kann. "Das ist ein dramatischer Zustand", meint Helbig. Mit ihm als Betreiber habe die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal und eine sehr gute Lösung, findet die Bundestagsabgeordnete Silke Launert. Mit der Übernahme der Hauptschule durch die Stadt Gräfenberg ging auch das Hallenbad an die Stadt über. Die Kommune vergab den Betrieb an Mirco Helbig und seine Mitarbeiter. Die Vormittage sind für den Schwimmunterricht der Schulen ausgebucht. Mit den Schwimmlehrern beaufsichtigen und führen Helbigs Mitarbeiterinnen den Schwimmunterricht durch. Da es auch immer weniger Lehrer gibt, die Schwimmunterricht erteilen dürfen, waren viele Schüler nicht mehr in den Genuss von Schwimmunterricht gekommen. Mit den Fachleuten von Aqua-Work war dieser Schwimmunterricht wieder möglich. Würde das Hallenbad wegfallen, wäre dieser Unterricht auch aus Zeitgründen in Gefahr. "Wenn die Schulklassen 40 Kilometer fahren müssen, lohnt sich der Schwimmunterricht zeitlich nicht mehr, denn es bleibt vielleicht noch eine halbe Stunde fürs Schwimmen", erklärt Kunzmann. Das wäre ein Riesenverlust, macht Launert deutlich. "Wir reden davon, dass hier Kinder das Schwimmen lernen", betont Launert. Sie würde gerne eine Lösung anbieten. Doch eine Lösung hat sie nicht dabei. Denn mit dem Kip-Sonderprogramm sei schon Geld verteilt und Gräfenberg bedacht worden. Zu warten, ob der Bund ein weiteres Programm auflegt, um eine höhere Summe zu erhalten, sei zeitlich nicht möglich. 2024 soll das neue Hallenbad in Betrieb gehen. "Schwimmen ist keine Bundesaufgabe", ergänzt Launert. Sie sieht hier die lokale Ebene am Zug. "Wenn das Bad primär für die Schüler ist, muss aus Sicht der Schulpolitik mehr ermöglicht werden", betont Launert. Das wurde seitens der Bürgermeister bereits getan. Kunzmanns Amtsvorgänger Hans-Jürgen Nekolla (SPD) hatte mit Kommunen aus drei Landkreisen eine langjährige Vereinbarung getroffen, in der diese verbindlich zusichern, das Bad zum Schwimmunterricht zu nutzen. Auch Bürgermeister Ralf Kunzmann war nicht untätig, sprach erneut mit den Kommunen und dem Forchheimer Landrat, um mehr finanzielle Beteiligung zu erhalten. Auch wenn Silke Launert - anders als beim Freibad in Gräfenberg - derzeit keine finanzielle Lösung bieten konnte, will sie das Problem mit nach Hause nehmen. Und auch Bürgermeister Ralf Kunzmann beteuert, dass die Frage Freibad oder Hallenbad nicht zur Diskussion stehe.