Lokal schließt wegen Corona - Wirt verliert alles: Das Forchheimer Schnellrestaurant "GuDiess" schließt nach knapp vier Jahren für immer seine Pforten. Grund ist die Corona-Krise. Insbesondere der zweite Lockdown sei für die Lokalaufgabe ausschlaggebend gewesen, erklärt Inhaber Andreas Dießner inFranken.de. "Wir hatten zwei Lehrlinge und sechs Mitarbeiter", resümiert er. "Jetzt haben wir keinen mehr. Den letzten habe ich letzte Woche entlassen." Er selbst "genieße" im Moment Hartz IV.

Seit März 2017 hatte der gelernte Koch das Bistro in der Forchheimer Fußgängerzone betrieben - zusammen mit seiner Frau, einer ausgebildeten Restaurantfachfrau. Auf der Speisekarte standen vor allem deutsche Gerichte wie Schnitzel, Braten, Gemüseeintopf oder Spargel. Den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 habe das Lokal noch verhältnismäßig gut weggesteckt. Angesichts der erneuten Zwangsschließung war der Kraftakt am Ende aber doch zu groß - und zwar wirtschaftlich wie privat. Neben dem "GuDiess" sei auch seine Ehe in die Brüche gegangen, sagt Dießner.

"90 Stunden pro Woche gearbeitet": "GuDiess"-Inhaber gibt auf

"Das GuDiess war es uns letztes Jahr wert, bis an unsere Grenzen zu gehen" hält Dießner auf der Webseite des Lokals fest. Von März bis September 2020 hätten seine Frau und er größtenteils 90 Stunden pro Woche gearbeitet. "Die Idee und unsere Gäste waren es uns wert", betont der Gastronom. Die persönlichen Konsequenzen habe das Paar jedoch nicht erahnen können.

"Wir haben manchmal morgens um 5 Uhr angefangen und 5000 Flyer zu Fuß ausgetragen. Dann haben wir für die Abholer vorgekocht." Nach Dienstschluss seien die Wirtsleute dann oft noch zum Einkaufen in die Metro nach Nürnberg gefahren. "Nach erneuter Schließung im November konnte ich mich vor Erschöpfung und Enttäuschung kaum mehr als eine Stunde am Tage auf den Beinen halten", hält Dießner fest. Aus gesundheitlichen wie wirtschaftlichen Gründen zieht der "GuDiess"-Geschäftsführer nun die Reißleine und gibt sein Bistro auf.

"Die Belastung war zu groß", erklärt er. Die Verluste der letzten Monate ("circa 350.000 Euro") seien zu groß - die Aussichten zudem unbekannt. Die von der Regierung versprochenen Entschädigungen seien bis heute nicht in vollem Umfang eingetroffen. "Wir haben nur willkürliche Teilzahlungen erhalten. Damit können wir die Kosten nicht decken", sagt Dießner. Seine Zuversicht auf eine zeitnahe Entspannung der Situation sei inzwischen so weit gesunken, dass er kurz- und mittelfristig keine Perspektive in der Gastronomie sehe.

ATSV-Sportgaststätte braucht neuen Pächter: "Ich bedauere diese Entwicklung"

Die mangelnde Perspektive wirkt sich dabei unmittelbar auf ein anderes Gastronomie-Projekt in Forchheim aus: Bis zuletzt wollte Dießner die Bewirtung der Gaststätte auf dem neuen ATSV-Sportgelände im Stadtosten übernehmen. Spätestens im Mai hätte es dort losgehen sollen. Doch daraus wird nun nichts.

"Ich habe dem ATSV abgesagt - nach über einem Jahr Vorbereitung", erklärt Dießner. 300 Plätze waren demnach für die neue Sportgaststätte vorgesehen. "Da hätten wir sicherlich 20 Leute beschäftigt", sagt er. "Wir hätten nur noch Besteck und Teller gebraucht, dann hätten wir loslegen können."

"Ich bedauere diese Entwicklung", betont Dießner auf seiner Webseite. Er werde indes noch lange mit den gesundheitlichen und finanziellen Folgen des Corona-Lockdowns zu kämpfen haben. "Ich danke all unseren Gästen, Stammgästen, Lieferanten, Partnern, Lehrlingen und Mitarbeitern und werde mich immer voller Freude und Dankbarkeit an jeden einzelnen erinnern."

Nach knapp 30 Jahren schließt in Forchheim auch das Geschäft "Sport & Freizeit Dürbeck". Inhaberin Sabine Dürbeck zieht sich ins Privatleben zurück - auch Corona spiele dabei eine Rolle.