Seit 30 Jahren folgt Ferdinand Haselmeier seiner Leidenschaft für das Unterirdische. Wenn er davon erzählt, dann ist von vorchristlichen Knochenfunden auf der Fränkischen Alb die Rede; oder von kilometerlangen Fluss-Systemen unter der Erde. Natürlich spiele für einen Höhlenforscher auch das Abenteuer eine Rolle, sagt der 66-Jährige. "Aber es geht nie um den Kick des Abenteuers", beteuert der Gößweinsteiner. "Was den Kick gibt, ist der Forschertrieb."

Daher ärgert sich Haselmeier dieser Tage permanent. In den Alpen läuft die Rettungsaktion für den verletzten Höhlenforscher, der in 1000 Meter Tiefe in der Riesending-Höhle festsitzt. Und in vielen Medien, besonders in den Blogs, werde nun wieder "das Klischee vom Höhlenforscher als Spinner verbreitet", stellt der 66-Jährige grimmig fest.

Haselmeier ist einer von 24 Aktiven in der Forschungsgruppe Fränkischer Karst.
Die Dokumentationen des Vereins (etwa über die Fellner-Doline in Gößweinstein) belegen, was den "Höhlenmenschen" am Herzen liegt: Sie leisten Beiträge zur Erforschung der Geologie, der Biologie oder der Hydrogeologie. Und sie verstehen sich als aktive Umweltschützer: "Regelmäßig räumen wir mit Müll zugeschüttete Dolinen frei", sagt Ferdinand Haselmeier.

Freunde von ihm haben nach zehnjähriger Forschungsarbeit ein unterirdisches Fluss-System im Altmühltal entdeckt. "Eine vergleichbare Entdeckung könnte uns an der Stempfermühl-Quelle noch bevorstehen", sagt der 66-Jährige. In der Fränkischen Schweiz seien rund 90 Prozent der Höhlen noch unerforscht. Die positiven Folgen für die Wasserversorgung und den Gewässerschutz seien noch gar nicht absehbar.

Gehirnblutung nach dem Sturz
Deshalb reagiert Haselmeier so ungehalten, wenn nun über den "großen Aufwand" bei der Rettungsaktion in Berchtesgaden gelästert werde. Der Abstieg in 1000 Meter Tiefe sei mit wertvollen Erkenntnissen verbunden. "Die Wasserwirtschaft fördert solche Projekte, die sind doch froh, wenn dort jemand runter steigt", sagt der Höhlenforscher aus Gößweinstein.

Er kann nachempfinden, in welcher Verfassung der 52-Jährige ist, der in der Riesending-Höhle von einem Steinschlag getroffen wurde. Am 11. Juli 2011 hatte Ferdinand Haselmeier ein ähnliches Schicksal ereilt. Damals war er in den Kappschacht bei Burggaillenreuth eingefahren. Eine Sicherungsschlinge hatte sich gelöst, Haselmeier stürzte 13 Meter tief. Mit zwei Hirnblutungen und gebrochenen Rippen lag der damals 62-Jährige eineinhalb Stunden bewusstlos in der Höhle. 25 Helfer der Bergwacht waren im Einsatz, um ihn hochzuholen.

Verständliches Schweigen
Daran erinnert sich Ferdinand Haselmeier, wenn er die dramatischen Meldungen aus Berchtesgaden verfolgt. Vor allem habe er Verständnis dafür, dass die Kletterer, die zum Unglückszeitpunkt mit in der Höhle waren, sich nicht öffentlich äußern. Zwei von ihnen kennt Haselmeier. Es sind "befreundete Forscher aus dem nordbayerischen Raum". Die hätten "aus Rücksicht auf den Verletzten keine Neigung, über das Unglück zu reden", weiß Haselmeier: "Alle sind jetzt mit den Gedanken bei dem Verletzten. Das einzig wichtige ist, dass der Mann dort lebend rauskommt."