Vielleicht war es der wachsame Blick des ehemaligen Sicherheitsmanns, vielleicht der pure Zufall, der Rainer Wohlgemuth am Montagnachmittag einen goldenen Ring auf einem Parkplatz in Kirchehrenbach finden ließ. Seine Frau Claudia und er hatten gerade einen Routinebesuch beim Arzt hinter sich gebracht und wollten auf dem Heimweg nach Behringersmühle noch ein paar Einkäufe erledigen.

Gesagt, getan, doch als er auf dem Parkplatz des Norma-Lebensmitteldiscounters in Kirchehrenbach die Taschen in den Kofferraum verfrachten wollte, stach ihm der Goldschimmer eines Schmuckstücks ins Auge. "Wenn noch Schnee gelegen wäre, hätte ich das überhaupt nicht gemerkt", gibt Wohlgemuth zu. Schnell war den beiden Berlinern, die vor 16 Jahren die berufliche Perspektive von der Hauptstadt in den Landkreis Forchheim geführt hat, klar, dass es sich um einen Ehering handelt. "Der Größe nach vermutlich um den eines Mannes", sagt Claudia Wohlgemuth, die sich durch die Gravur auf der Innenseite des Schmuckstücks bestätigt sieht. Deutlich sind dort der Name einer Frau und ein Hochzeitsdatum zu lesen.

Ähnlichkeiten im Stil

"Der Witz dabei ist ja, dass der Hochzeitstag zwei Tage vor unserem liegt und das Paar bei der Wahl der Ringe offenbar einen ähnlichen Geschmack hatte wie wir", erzählt die gelernte Wirtschaftskauffrau, die wie ihr Mann inzwischen die Rente genießt. Der 64-Jährigen ist es wichtig, dass der Ring wieder zu seinem rechtmäßigen Besitzer findet. Ein schlicht gehaltenes Schmuckstück mit einem Goldanteil von einem Drittel (333er), auf der Oberseite verziert mit aneinander gereihten Kreuzen.

"Ich würde meinen Mann umbringen, wenn er seinen Ring verliert", sagt Claudia Wohlgemuth, vor allem mit Blick auf das eingravierte Datum. Während Rainer erleichtert feststellt, dass sein Ehrering unbeweglich an der richtigen Stelle sitzt, erzählt seine Frau, was ihr beim Studium der Gravur aufgefallen ist: "Ende des Jahres steht da offensichtlich eine goldene Hochzeit an. Und spätestens da sollte der Ring wieder dort sein, wo er hingehört."

Eine große Freude

Ihr erster Impuls sei es gewesen, den Fund im Gemeindebrief zu veröffentlichen. Doch der erscheint nur alle paar Wochen und außerdem hätte die Gefahr bestanden, dass der Betroffene aus einer anderen Gemeinde stammt und nichts mitbekommen hätte. Und auch das Fundbüro wäre nur die letzte Option. "Nicht, dass das gute Stück nicht abgeholt und am Ende vielleicht sogar versteigert wird." Der Weg an die Öffentlichkeit schien den Wohlgemuths der richtige zu sein. "Wenn uns das passiert wäre, würden wir uns riesig freuen, wenn sich ein Finder meldet. Genauso würden wir uns aber darüber freuen, den Ring wieder seinem Besitzer übergeben zu können", sind sich die Berliner einig, die selbst seit inzwischen 45 Jahren verheiratet sind.