Dass die für "Die Effeltricher Liste" (DEL) angetretene Kathrin Heimann gegen den CSU-Bewerber Bernd Nägel das Rathaus erobert hat, das war eine kleine Sensation: gerade mal mit der hauchdünnen Mehrheit von nur 19 Stimmen hatte die 39-Jährige die Stichwahl für sich entschieden. Jetzt droht ihr Bürgermeistersessel zu wackeln.

Auffällige Stimmengewinne

Die Rechtsaufsicht des Landratsamtes überprüft nach Hinweisen aus Effeltrich die Wahlergebnisse. Man sei seit dem 13. Mai dabei, die ganze Sache "aufzudröseln", bestätigt Eduard Minks, der für die Gemeindeaufsicht zuständig ist.
Bei der Stichwahl sei dem Wahlvorstand aufgefallen, dass bei den Briefwahlergebnissen der Zugewinn für Kathrin Heimann "extrem war".

Während Gegenkandidat Bernd Nägel nur 8,4 Prozent habe zubuchen können, sei bei Kathrin Heimann ein Zugewinn von 91,6 Prozent (!) zu verzeichnen, erklärt Minks, der aber noch keine weiteren Bewertungen aus den Zahlen treffen will: "Ich schließe noch gar nichts daraus - wir müssen alles noch genau prüfen."

Viel in der Luft - nichts bewiesen

Man sei "von privater Seite aus Effeltrich" auf die auffälligen Wahlergebnisse aufmerksam gemacht worden. Eine Wahlanfechtung sei dies aber nicht, weil dafür die Frist verstrichen sei. Aber: "Wir müssen die Wahl rechtsaufsichtlich prüfen - dafür habe ich vier Monate Zeit", betont Minks. Es liege viel in der Luft - "jeder vermutet etwas anderes", räumt Minks ein. "Die Konsequenzen, die die Leute aus der Angelegenheit ziehen, sind immens". Wenn behauptet werde, es sei gemauschelt worden, "dann muss ich das beweisen", stellt der für die Gemeindeaufsicht Verantwortliche unmissverständlich fest.

"Es muss ein Beweis dafür da sein, dass etwas manipuliert worden ist." Man habe bis jetzt schon alles nachgezählt, was man nachzählen könne, versichert Minks: "Wir sind dabei alles auszuloten und zu überprüfen." Eines stellt der Mann von der Rechtsaufsicht aber auch klar: "Wenn sich keine Manipulation beweisen lässt, wird die Wahl für rechtmäßig erklärt."

Kathrin Heimann reagiert unterdessen gelassen auf die Wahlüberprüfung: "Ich warte jetzt erst einmal ab, was dabei herauskommt. Man wird sehen." Sie hat sogar Verständnis für "die andere Seite": "Bei so einem knappen Ergebnis ist es klar, dass man da grundsätzlich nachschaut, ob da alles richtig gelaufen ist." Sie selbst könne nichts dazu sagen, weil sie als Kandidatin "in keiner Weise in den Ablauf der Wahlen involviert war". Bernd Nägel (CSU) war für einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

In Effeltrich sei die Reklamation von Wahlergebnissen bereits Tradition, berichtet Eduard Minks. Bereits 2002 sei es zu einer Wahlanfechtung gekommen, die nur deshalb nicht vor Gericht geendet habe, weil die Klage vorher zurückgezogen worden sei. Auch 2008 sei die Rechtsaufsicht zu einer Überprüfung aufgefordert worden, allerdings auch ohne Erfolg.