Angelehnt an der Varietékunst der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts kombinierten Siegfried Mai und Sybille Mantau in ihren Darbietungen auf der kleinen Bühne vor dem Muggendorfer Rathaus Komik, Artistik, Pantomime und Täuschungskunst. Das Duo gastierte Im Rahmen des Fränkischen Theatersommers mit der Varieté-Show "Der Traum von Las Vegas."

Mit "Big Spender", einem Song von Cy Coleman aus dem Jahr 1966 stimmt die Sängerin auf die Situation ein. Sie träumt - wie ihr Partner - vom großen Durchbruch in Las Vegas. Wie weit dabei Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen zeigt sich darin, dass die bezaubernde Misses Ginger Devine einen ihrer High-Heels verliert, die Stuhllehne, auf die sich sich lässig lehnt, zusammenkracht und dass die Stange, an der sie sich räkelt, mit ihr umfällt. Nichtsdestotrotz übt das Pärchen, das sich in Vegas kennengelernt hat, unverdrossen für ihr Variete-Nummernprogramm.

Aktive Teilnahme des Publikums

Es wird geswingt, gesungen, gezaubert, jongliert, getanzt und gelacht. Dabei darf das Publikum mitmachen. "You can leave your hat on", ein Song den unter anderem Randy Newman und Joe Cocker interpretiert haben, bildet den Auftakt zur Hut-Jonglage, in die Zuschauer Thomas mit einbezogen wird. Er erweist sich übrigens als Naturtalent.

Danach gibt Mantau als laszive Rothaarige auf Whiskey-Diät "Lebensweisheiten" zum Besten. Sie erhebt ihr Glas zum wiederholten Mal auf die Liebe und erklärt dem Publikum: "Perfekte Männer gibt es an jeder Ecke, sprach der liebe Gott und schuf die Erde rund."

Als Hinweis an die Geschlechtsgenossinnen gibt sie aber auch zu bedenken, dass es nicht nur den einen scheinbar perfekten Mann gebe, irgendwo liege auch eine Frau in der Sonne und freue sich, dass sie diesen Typen losgeworden ist. Miss Devine verrät auch, dass die einzige Frau, die immer weiß, wo ihr Mann ist, Witwe genannt wird.

Sibylle Mantau, die vor allem mit ihrer brillanten Stimme und ihren Tanz-Darbietungen überzeugt, glänzt aber auch mit magischen Tricks. Siegfried Mai zieht das Publikum nicht nur mit Artistik und Jonglage in seinen Bann, er perfektioniert das Hütchenspiel, indem er den Ball vom Becher in die Hand und seine Jackentasche wandern lässt und ihn schließlich in eine Zitrone oder eine Mandarine verwandelt.

Ausdrucksstarke Mimik

Als ein Anruf der Agentur des Pärchens kommt, dass ein Engagement in Las Vegas winkt, ist die Freude groß. Allerdings kann nur einer der beiden zurück in die Stadt der Shows, Musiker und Illusionisten. In einer Zeitlupe verdeutlichen die Mimen daraufhin den internen Konkurrenzkampf, wobei mit harten Bandagen gefochten wird und es keineswegs fair zugeht.

Apropos Mimen: Gleich vier Leute aus dem Publikum dürfen bei dem imaginären Dreh eines Stummfilms mitwirken. Dabei stattet Siegfried Mai die Akteure mit den entsprechenden Requisiten aus und weist den Darstellern mit ausladender Gestik ihre Rollen zu.

Die Handlung: Eine Frau wird von ihrem Ehemann erwischt, wie sie einen anderen küsst. Kurzerhand streckt der Mann seinen Nebenbuhler mit einem gezielten Schuss aus der Pistole zu Boden. Ein herrliches Spektakel, bei dem selbst Intendant Jan Burdinski herzhaft mitlachen muss.

Als es dann ans Abschied nehmen geht und Siegfried Mai seine Partnerin mit der Nachricht überrascht, dass nun doch beide nach Las Vegas können, ist Miss Devine gar nicht begeistert. Ihr Fazit: "Vergiss Las Vegas. In der Fränkischen Schweiz ist es mindestens genauso schön".