"Das ist eine merkwürdige Situation. Die macht es ein bisschen schwierig, die Marktgemeinderäte angemessen zu verabschieden", meinte Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökologen) in der letzten Sitzung ihrer Amtsperiode. Die Tagung fand in der Pretzfelder Turnhalle statt; wie vorgeschrieben, mit großem Abstand. "Wir dürfen uns nicht einmal die Hand geben", bedauerte Stark. An den zukünftigen Bürgermeister Steffen Lipfert (FW) gewandt, meinte Rose Stark, dass sie hoffe, dass ein Abschiedsessen in der örtlichen Gastronomie nachgeholt werde. Danach bedankte sie sich beim Gremium: "Meines Erachtens wird oft verkannt, dass es sich bei der Tätigkeit einer Marktgemeinderätin oder eines Marktgemeinderates eben auch um eine freiwillige und unbezahlte Tätigkeit handelt, die Einsatz erfordert."

Sie sprach vom zeitlichen Aufwand, aber auch vom finanziellen, da dieser nicht durch die Sitzungsentschädigungen gedeckt werde. "Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass man sich Zeit für Gespräche mit ihnen nimmt und sich ihrer Anliegen annimmt. Und dabei benötigt man im Einzelfall auch ein dickes Fell und ein hohes Maß an Frustrationstoleranz", meinte Rose Stark. Sie lobte die Marktgemeinderäte, dass sie sich auch sonst ehrenamtlich engagieren. "Natürlich gab es auch gelegentlich Meinungsverschiedenheiten und Konflikte und damit etwas heißere Diskussionen. Aber wir konnten uns danach immer wieder in die Augen schauen, uns die Hände geben und auch bei einem Bier zusammensitzen", trug die Bürgermeisterin weiter vor. Sie bedankte sich auch bei den Mitarbeitern der Verwaltung, des Bauhofs und des Kinderhorts. Durch die gute Zusammenarbeit hätten schwere und lange Krankheitsfälle kompensiert werden können. Danach zählte sie die vielen Maßnahmen auf, die während ihrer Amtszeit durchgeführt worden waren.

Engagement und Sachwissen

Am Ende wurden einige Marktgemeinderäte verabschiedet. "Mit den ausscheidenden Persönlichkeiten verlieren wir ein großes Maß an Engagement, Sachwissen und Erfahrung, was sich die nachrückenden Mitglieder erst noch erwerben müssen", erklärte Rose Stark. Sie gab zu, dass sie von den Ergebnissen der Kommunalwahl überrascht war. Danach forderte sie die ausscheidenden Räte auf, sich von einem Tisch in der Mitte ihre Geschenke zu holen.

24 Jahre lang im Gremium

Zuerst wurde Karl-Ludwig Grodd (WPA) verabschiedet, der 24 Jahre lang Marktgemeinderat gewesen ist. "Es ist nicht immer leicht gewesen und es gab auch schwierige Situationen", meinte dieser. Maria Hack (FA) war seit 2008 Mitglied des Gremiums. Sie nahm an der Sitzung nicht teil. "Ich hätte gern noch weitergemacht, aber ich bin Oma von Zwillingen geworden", meinte Renate Hofmann (WIR). Sie war 2014 in den Marktgemeinderat gewählt worden. Auch Hans-Jürgen Müller (SPD/Ökologen) hätte gerne weitergemacht, will sich aber anderweitig für die Gemeinde engagieren. Er rückte 2016 nach. Matthias Reznik (CSU/BB) lobte die gute Zusammenarbeit und meinte, dass eine Demokratie davon lebe, dass man unterschiedliche Meinungen habe. Er war seit 2014 Marktgemeinderat, ebenso wie Jörg Zimmermann (WGZ), der seine Amtsperiode als "interessante Zeit" bezeichnete.

Am Ende bedankte sich Walther Metzner (WPA) bei Rose Stark für ihre geleistete Arbeit und die gute Zusammenarbeit: "Die Zusammenführung der politischen Lager war nicht immer einfach." Adnan Kachi-Grembler (SPD-Ökologen) meinte, dass Rose Stark einen besonderen politischen Stil mit viel Transparenz und ehrlicher Politik eingeführt habe. Er hoffe nun, dass Steffen Lipfert diesen Stil weiterführen werde. Rose Stark erhielt Blumen, einen Geschenkkorb und die Büste einer Kirschenkönigin von einem Künstler aus der Partnergemeinde Bretzfeld (Hohenlohekreis).