Eine Sicherheitsfanatikerin ist Bianca Kugler nicht. Es war der Versicherungsmakler selbst, der dem Wirtsehepaar vom Gasthof Seitz und dem Elch-Bräu in Thuisbrunn eine Betriebsschließungsversicherung mit Seuchenschutz empfohlen hatte. Auch auf den Infektionsschutz wird da verwiesen. Nun ist seit der Corona-Krise das Gasthaus geschlossen, der große Biergarten bleibt leer. Dabei würde für das Paar, dessen Wirtschaft zum touristischen Fünf-Seidla-Steig gehört, das Hauptgeschäft so richtig losgehen.

Gelistet sind in der Versicherungspolice gut 20 Krankheiten, für die diese Versicherung greift. Neben Influenza, Cholera und Typhus sind auch Salmonellen aufgeführt. Eine Versicherung, die Sinn hat, glaubten die Kuglers und schlossen sie vor zwei Jahren ab bei der Allianz, einer der größten Versicherer. "Im April, Mai und Juni verdienen wir normalerweise die Hälfte des Jahresumsatzes", erklärt Bianca Kugler. Doch seit Corona ist alles anders. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. "Wir können nur schwer planen. Wenn das noch länger so geht, wissen wir nicht, wie wir das stemmen sollen", sagt Kugler. Da wäre das Geld von der Versicherung gut. Doch die Versicherung weigert sich zu zahlen.

Begründung der Versicherung

"Corona gab es zum Abschlusstermin nicht", gibt Kugler die ihr von der Versicherung genannte Begründung wieder. Wegen solcher Versicherungen haben sich bereits sehr viele Wirte aus allen Regierungsbezirken an den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Bayern gewendet. "Die Versicherungen nennen die unterschiedlichsten Gründe, um nicht zahlen zu müssen. Corona sei nicht in der Liste aufgeführt, andere Versicherungen sind der Meinung, der Versicherungsschutz greife nur, wenn jemand aus dem Betrieb mit Corona infiziert sei", beschreibt Frank-Ulrich John, der Pressesprecher der Dehoga, die Ausreden der Versicherungen.

Auf jeden Fall setze sich Dehoga gerade dafür ein, auch auf politischer Ebene eine Lösung zu finden. "Wir nehmen das sehr ernst, da die Betriebe auf die Unterstützung der Versicherung, in die sie jahrelang eingezahlt haben, angewiesen sind. Jeder Tag bringt sie der Insolvenz näher", erklärt John. "Dafür zahlt man die Versicherung", fügt John an.

Dehoga-Kreisstelle

"Eine solche Versicherung abzuschließen, war sehr vorausschauend", lobt Georg Hötzelein. Er ist Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle Forchheim. Die meisten Gastronomen hätten ältere Versicherungen mit dem gängigen Schutz vor Elementarschäden wie Feuer oder Hagel. Eine Betriebsschließungsversicherung müsste greifen, unabhängig von Corona. "Corona ist eigentlich egal, denn die Betriebsschließung wurde vom Staat angeordnet. Die Wirte schließen nicht aus Spaß. Da werden sich die Leute auf die Hinterfüße stellen, die Versicherungen können sich nicht herausreden", findet Hötzelein. Auch Hötzeleins Hotel und Gasthof in Regensberg ist von der Schließung betroffen. Und die staatlich angeordnete Betriebsschließung fällt nun einmal in die einnahmestärksten Monate. Mindestens 30 Prozent des Jahresumsatzes werde in den drei Monaten verdient. "Dann muss die ,arme' Versicherung ran. Wenn die Schließung aufgrund einer behördlichen Anordnung erfolgt, ist es egal, wie das Virus heißt", meint Hötzelein.

Zögern und Herausreden

Das Zögern und Herausreden der Versicherung kann er jedoch auch verstehen. "Es ist jetzt nicht nur ein Unfall. Eine ganze Rubrik ist an die Wand gefahren", erklärt Hötzelein. Vor allem aber sieht er die Sorge der kleineren Betriebe. Das sind gerade in der Fränkischen Schweiz oft Familienbetriebe mit Angestellten auf 450-Euro-Basis. Diese Mitarbeiter fallen nicht unter die Kurzarbeit. Selbst wenn die Wirte für den Betrieb keine Miete zahlen müssen: Die Einnahmen fallen weg. "Das ist ganz schlimm. Wenn sie ein oder zwei Monatsgelder auf der Bank haben, halten sie noch ein wenig durch", sagt Hötzelein. Ein wenig Einnahmen haben die Wirtsleute in Thuisbrunn noch durch die kleine Brauerei und den Onlineverkauf des Whiskys. Und ein wenig Hoffnung bleibt dem Wirtspaar, denn ihr Versicherungsmakler hat sich gemeldet. Demnach hat die Allianz selbst im Februar den Infektionsschutz um das Coronavirus in der bestehenden Betriebsschließungsversicherung ergänzt. "Wir vertrauen ihm, dass er dranbleibt", beteuert Kugler. "Allgemeinaussagen können wir nicht treffen. Es gibt unterschiedliche Verträge und unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern", meint dazu Charlotte Gerling, Pressesprecherin der Allianz Deutschland. So komme es auch darauf an, wie die staatlichen Regelungen aussehen. Muss etwa der Betrieb komplett schließen oder nur eingeschränkt werden? "Das muss im Einzelfall geprüft werden. Es ist eine dynamische Situation. Auch die Kollegen sind am Rödeln", sagt Gerling. Denn die Auswirkungen der Pandemie betrifft fast alle Gastronomen bei vielen Versicherern.