Schlaifhausen
Freizeit

Rodler pilgern zum Walberla - ganz ohne Masken

Der Schnee hat viele Menschen am Wochenende in die Fränkische Schweiz gelockt. Wie andernorts wurde ein Massenansturm befürchtet.
 
Ein Wintertraum am Walberla Foto: Nikolas Pelke
Ein Wintertraum am Walberla Foto: Nikolas Pelke
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Weiß glitzert der Schnee in der Sonne. Majestätisch ragen die Felsen in den eisblauen Himmel. Trotz Bilderbuch-Wetter geht es auf dem Walberla immer noch gemütlich zu. "Wir sind extra aus Höchstadt hergefahren, um den Schnee auf dem Walberla zu genießen", sagt Natascha und zieht mit Marco die kleine Karla auf dem weich gepolsterten Holzschlitten durch die fränkische Winter-Traumlandschaft.

Derweil pilgern immer mehr Menschen auf die Berghänge zwischen Rodenstein und Walpurgis-Kapelle. Das weiße Panorama mit den bunten Tupfen erinnert an romantische Kinderbuchszenen. Überall scheinen die Ausflügler die Freiheit auf der Ehrenbürg in vollen Zügen zu genießen. Die Atmosphäre verdient das Attribut vollkommener Unbeschwertheit.

Fränkische Schweiz: Kein großer Touristen-Ansturm am Walberla

Angst vor Corona scheinen die Menschen unter ihren Winterjacken jedenfalls nicht zu haben. Von den sonst obligatorischen Mund-Nasen-Schutzmasken fehlt jede Spur. Stattdessen sind nur lachende Gesichter unter den Wollmützen zu sehen. "Es sind schon relativ viele Leute hier, aber die Menschen verteilen sich gut und tummeln sich nicht auf einem Haufen", findet auch Marco.

"Ich bin aus Baiersdorf gekommen, um mit meiner kleinen Tochter hier oben den Tag im Schnee zu genießen", erzählt auch Oleg und zeigt auf die weiße Pracht, die an diesem Samstagvormittag (09.01.2021) wie gemalt in der Sonne funkelt. "Hat sich auf jeden Fall jetzt schon gelohnt", sagt Oleg und saust mit seiner Isa den Hügel auf dem Schlitten hinunter.

Derweil kommt der kleine Parkplatz bei der Schutzhütte der Bergwacht oberhalb von Schlaifhausen allmählich an seine Kapazitätsgrenzen. Die ersten Wintersportler parken ihre Fahrzeuge wild am Straßenrand. Die Rettungswege bleiben frei. Die Stimmung bleibt gelassen. Bis auf ein paar der unvermeidlichen Balzkämpfe um den knappen Parkraum funktioniert das Kommen und Gehen der Blechkarossen reibungslos. Von einem Verkehrschaos kann jedenfalls keine Rede sein.

Auf Parkplatz stecken geblieben

Lediglich ein paar Auts mit Heckantrieb bleiben manövrierunfähig auf dem spiegelglatten Parkplatz stecken und können nur mit Hilfe von starken Männern aus ihrer misslichen Lage befreit werden.

Bereits am Freitag waren die ersten Schneehungrigen auf den markanten Zeugenberg gepilgert. "Wir sind extra heute schon gekommen, um das schlechte Wetter auszunutzen und dem Trubel etwas zu entgehen", berichtet Bernhard. Er und Franz haben ihre Winterwanderung für eine urige Brotzeit im kalten Schneetreiben unter dem schützenden Dach der Holzhütte der Bergrettung unterbrochen.

Auch andere Familien aus der Umgebung haben die idealen Schneeverhältnisse auf den Rodelpisten am Freitag schon ausgenutzt. Am Wochenende sei sicherlich mehr los, sagten viele "Walberla-Kenner" in weiser Voraussicht vorher.

"Extremsportler" fallen auf

Angst vor einem Ansturm der Massen trotz Corona haben die Menschen rund um das Walberla aber wohl zurecht nicht gehabt. "Klar kommen die Menschen zu uns. Das ist auch gut so", findet Helmut Pfefferle aus Seidmar bei Leutenbach. Er schwärmt von der weiten Natur und der wunderschönen Landschaft rund um die beiden Gipfelkreuze.

Lediglich einige "Extremsportler", die auf ihren schnellen Sportgefährten noch nicht einmal Zeit zum Grüß-Gott-Sagen hätten, würden den Menschen am Fuß der Ehrenbürg manchmal auf die Nerven gehen, findet Pfefferle, der sich als Vorsitzender des Tourismusvereins "Rund ums Walberla-Ehrenbürg" für das Wohlergehen der beliebten Ferienregion seit Jahren engagiert. "Wir brauchen die Ausflügler. Wir haben hier mehr Gaststätten als Dörfer", sagt Pfefferle und lacht. Der Zusammenhalt zwischen Gastgebern und Gästen müsse nicht nur in guten, sondern auch in schweren Pandemie-Zeiten gelebt werden, meint der Walberla-Genussbotschafter.

Schnee plus Corona gleich Massenandrang: Dieses aus anderen Ferienregionen bekannte Horrorszenario ist der Fränkischen Schweiz am Wochenende jedenfalls erspart geblieben. Trotz Schnee und Sonnenschein setzten die Ausflügler mit ihren kleinen und großen Schlitten für ein ungetrübtes Wintervergnügen auf gegenseitige Rücksicht.

Das findet auch die Polizei Forchheim, der bis zum Sonntagvormittag keinerlei Störungen vorgelegen haben, die etwa durch verantwortungsloses Freizeitverhalten rund um die beliebten Ausflugsziele in der Fränkischen Schweiz ausgelöst worden sind.

Am Schützenberg bei Muggendorf (von Paul Pöhlmann)

Auch an den beiden Skihängen am Schützenberg östlich von Muggendorf herrschte am Wochenende reger Betrieb. Allerdings war alles etwas anders. Wo sonst die Skifahrer ihre Spuren in den Schnee zogen, tummelten sich heuer die Schlittenfahrer. Es waren ausschließlich Familien mit ihren Kindern. Sie freuten sich, denn ihnen gehörten die beiden Hänge ganz allein. Den Skilift, der nach 50 Jahren erstmals nicht aufgebaut wurde, vermissten die Kufenflitzer auch nicht, weil sie den Lift g ohnehin nicht benutzen hätten dürfen. Einen Glühwein hätten die Wintersportler jedoch gerne genossen. Die gemütliche Hütte war jedoch nicht geöffnet. So musste man sich eben aus dem Kofferraum bedienen.