Der Gößweinsteiner Reinhard Brendel ist eine weithin bekannte Persönlichkeit. Bis zu seinem Ruhestand 2000 war der heute 81-jährige Sohn des früheren Gößweinsteiner Bürgermeisters Hans Brendel, der von 1960 bis 1973 die Geschicke des Marktes Gößweinstein leitete, Chef der Raiffeisenbank Gößweinstein, die später mit der Volksbank Forchheim fusionierte. In seinem Heimatort Gößweinstein hat sich Reinhard Brendel zeitlebens ehrenamtlich in vielen Vereinen und kommunalpolitisch als Marktgemeinderat engagiert.

Vor allem für die Heimat und die Umwelt setzte er sich ein. So war Brendel über 50 Jahre lang Zweiter Vorsitzender des Verkehrs- und Heimatvereins Gößweinstein und gleichzeitig auch Wegewart. Brendel ist es mit zu verdanken, dass das Wallfahrtsmuseum gebaut werden konnte, weil der Verkehrs- und Heimatverein dafür 32.000 Euro gespendet hatte.

Brendel engagierte sich auch im Förderverein der Freunde der Basilika Gößweinstein, im Förderverein Wallfahrtsmuseum in Führungspositionen, bei der Feuerwehr Gößweinstein und viele Jahre in der katholischen Kirchenstiftung als Kirchenrat. Unvergessen sind auch seine Vogelstimmenwanderungen.

Im Gemeinderat

Zweimal - einmal zu Zeiten der Gebietsreform und später in den 1990er Jahren - war Brendel auch Mitglied des Marktgemeinderats; zuerst für die CSU, später für die von ihm gegründete Gruppierung "Bürger für Bürger".

Sein größtes Hobby war die Fliegerei. Er war Motor- und Segelflieger beim Flugsportverein Pegnitz von 1974 bis 2006, bis ihn auch gesundheitliche Gründe zwangen, die Fliegerei aufzugeben.Reinhard Brendel war von 1967 bis 1973 auch Lokalreporter als freier Mitarbeiter der Tageszeitung. Noch heute gehört es vor allem in langen Winterabenden zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, in alten Zeitungsartikeln aus jener Zeit zu schmökern, die er fein säuberlich abgeheftet hat.

Viele Abende schlug er sich Versammlungen, Sitzungen und alle möglichen Veranstaltungen um die Ohren. "Kommt man nach einigen Stunden rauchgeschwängert nach Hause, dann muss noch alles zu Papier gebracht und nebenbei müssen noch die Bilder entwickelt werden", blickt er zurück. Damals gab es in den Gaststätten noch kein Rauchverbot.

Blättert er heute die Zeitungsordner von damals durch und überfliegt die Berichte, so erhält man im Zeitraffer einen Überblick über seine damalige Arbeit als Lokalreporter. Es kommen auch viele Gesichter zum Vorschein, die er schon längst vergessen hatte. Viele leben heute nicht mehr.

Eine amüsante Geschichte vom September 1971 springt so ins Auge. Die ehemaligen Gemeinden Moggast und Wichsenstein ließen die Straße am Thoosmühler Berg autogerecht ausbauen, jede Gemeinde den Teil, der auf ihrem Territorium lag. Für jede Kommune war aber ein anderer Planer zuständig, eine Absprache gab es aber offenbar nicht. Und so wurde munter von beiden Seiten auf die Gemeindegrenzen zugebaut. "Es kam, wie es kommen musste", erinnert sich Brendel. An der Nahtstelle passten die beiden Straßenstücke nicht zusammen. Erstens trafen sie nicht genau aufeinander, zweitens hatte man unterschiedlich breit gebaut. Lange Zeit blieb dann das Verbindungsstück von einigen Metern ungeteert. Nach dem Erscheinen von Brendels Bericht beschleunigte dieser dann offenbar die Lösung des Problems enorm. Denn kurz danach wurden die Anschlussstücke passend gemacht.

Medikamente für Indien

Eine weitere kuriose Geschichte, die zunächst ärgerlich begann, führte dann aber doch noch zu einem guten Ende. Der damalige Gößweinsteiner Apotheker Emil Sluzalek hatte eine Medikamentenspende für Indien fertiggestellt. Es war schon die fünfte und sie stellte einen beträchtlichen Wert von 130.000 Mark dar. Wie vorher schon viermal geschehen sollte wiederum die Air India die Fracht kostenlos nach Neu-Delhi fliegen. Ein Vertrag zwischen der Bundesrepublik und dem Subkontinent verhinderte dies jedoch. Er sah vor, dass die Spender die Kosten des Transports selbst zu tragen hätten. Erst durch Einschalten höchster indischer Regierungsstellen konnte speziell für diese Sendung nochmals eine Ausnahmegenehmigung erreicht werden.

Die Gebietsreform

Brendels Tätigkeit als Journalist fiel in die Zeit der Gebietsreform. "Wer die Zeichen der damaligen Zeit richtig zu deuten verstand, der konnte schon 1967 erkennen, dass den Landkreisen und Gemeinden eine große Reformwelle bevorstand, auch wenn dies damals von vielen Politikern vehement abgestritten wurde", erinnert sich Brendel. Dass die damals eingeleitete Entwicklung mit der Auflösung der kleineren Gemeinden enden würde, wussten wohl nur die Insider aus den Ministerien.

Bereits im April 1968 warnte der große Heimatfreund Amandus Deinzer, ein gebürtiger Pottensteiner und damals Zahnarzt in Gößweinstein, vor den neuen Landkreisgrenzen, die die Fränkische Schweiz noch einschneidender trennen würden als die bisherigen. Von vielen wurde er belächelt, als er sich mit aller Kraft für einen Landkreis Fränkische Schweiz einsetzte. Selbst der damalige stellvertretende Pegnitzer Landrat - Gößweinstein gehörte damals zum Landkreis Pegnitz - widersprach, schließlich seien in Pegnitz und Ebermannstadt erst neue Landratsämter gebaut worden. Nur wenige Jahre später, ab 1972, bestätigten sich Deinzers Befürchtungen.

Schulreform

Den Beginn der Schulreform erlebte man als "Schulversuche" schon 1967. Die Räte von Bieberbach stimmten dem "Versuch" mit Egloffstein zu, obwohl es in der Bürgerversammlung zu heftigen Diskussionen gekommen war. "Wie man heute weiß, waren das keine Versuche mehr, sondern ganz konkrete Zusammenlegungen, die schließlich mit der Auflösung der kleineren Schulen endete", bilanziert Brendel.

Berichte zeigen Wirkung

Es waren aber auch kleine Berichte von Brendel mit Bild, die große Wirkung bei Behörden zeigten. So hatte das Straßenbauamt am Behringersmühler Berg in der Höhe des Freibads auf einer Strecke von 100 Metern nicht weniger als sieben Verkehrsschilder, vier davon sogar noch mit erläuterndem Zusatztext, aufgestellt. Brendel fuhr mit vorgeschriebener Geschwindigkeit die Strecke mit der Stoppuhr in sechs Sekunden ab. In dieser kurzen Zeitspanne muss der Autofahrer alle Schilder wahrgenommen und auch noch die Texte gelesen und registriert haben. Brendel stellte daher die Frage in seinem Zeitungsbericht, ob nicht zu hohe Ansprüche an den Kraftfahrer gestellt würden. Es dauerte keine acht Tage, bis ein Trupp des Straßenbauamts anrückte, um den Schilderwald auf das Notwendigste auszudünnen.

Am "Steinernen Herrgott"

Im September 1968 wurde gemeldet, dass das damals noch für Gößweinstein zuständige Straßenbauamt Bamberg eine gefährliche Engstelle am "Steinernen Herrgott" entschärfen wolle. Die Fußgänger dort seien auf das Äußerste gefährdet, wiederholte Unfälle erforderten rasches Handeln. Es sollte ein Gehsteig gebaut werden, 70.000 Mark waren bereitgestellt. "Bis heute ist dieser Gehsteig nicht gebaut worden und man hat von diesem Bauvorhaben nie mehr etwas gehört. Vielleicht waren die Pläne hinter irgendeine Schreibtisch gerutscht und die 70.000 Mark sind wo anders verbaut worden", mutmaßt Brendel.

Schwere Unfälle

Reinhard Brendel berichtete auch über Unfälle, Brandkatastrophen und andere Unglücke. Ganz besonders berührte ihn ein tödlicher Verkehrsunfall in Gößweinstein. Es war an einem Sonntagnachmittag, als er am Gößweinsteiner Marktplatz und plötzlich ein Auto neben ihm hielt. Der Fahrer fragte ihn nach dem Weg nach Pottenstein. Zu diesem Zeitpunkt konnte Brendel nicht ahnen, dass sein Gesprächspartner nur noch wenige Minuten zu leben hatte. Etwa eine Viertelstunde später erfuhr Brendel von einem Verkehrsunfall zwischen Gößweinstein und Pottenstein. Als er an der Unglücksstelle eintraf, stellte er fest, dass das Unfallopfer jener Mann war, mit dem er sich kurz vorher noch unterhalten hatte. Brendel erklärt: "Erstmals wurde mir da bewusst, wie kurz der Weg ins Jenseits sein kann".

Ein Mord

"Das A und O eines Berichterstatters ist, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um aktuell und genau berichten zu können", sagt Brendel. So kam er auch wenige Minuten nach einer Bluttat, die für einen 37-jährigen Türken tödlich endete, zum Tatort vor dem damaligen "Kurhaus Faust" in Gößweinstein. Dort angekommen erfuhr der Reporter von Passanten, dass die Täter in Richtung Behringersmühle geflüchtet waren. Er schoss einige Bilder, setzte sich ins Auto und nahm die Verfolgung auf, in der Hoffnung, von den Tätern noch etwas zu sehen. Er kam dann gerade rechtzeitig, um Augenzeuge der Festnahme der beiden Täter durch die Polizei zu werden. Mit zahlreichen Details und vielen Bildern konnte er dann als erster Reporter, der quasi live dabei war, über diesen Mordfall am Pfingstsamstag 1972 berichten.

Ein Jahr später musste Reinhard Brendel dann aus beruflichen Gründen - er wurde Bankvorstand - schweren Herzens aufgeben. Das beherrschende Thema gegen Ende seiner freiberuflichen Tätigkeit als Journalist war der Vollzug der Gemeindegebietsreform. Eines der letzten Zeitungsbilder hat Symbolcharakter. Es wurde am 21. Juli 1972 veröffentlicht und zeigt das neue Ortsschild von Gößweinstein im Landkreis Forchheim. Das alte Schild mit der Landkreisbezeichnung Pegnitz liegt daneben im Straßengraben.