Musik aus dem Fenster? In Zeiten von Corona: ja, tatsächlich! Wer die Idee hatte, ist nicht bekannt, doch verschiedene Musikverbände riefen im März bundesweit Musiker auf, bei dieser Aktion mitzumachen. "Wir haben gedacht, wenn wir schon in unserem Wirken eingeschränkt sind, machen wir auch mit", erzählt Rebekka Müller-Löw, Obfrau des Posaunenchors Hetzelsdorf. Sie erklärt: "Normalerweise begleiten wir Menschen in schönen, aber auch traurigen Zeiten. Durch die Musik spenden wir zum Beispiel Trost bei Beerdigungen oder freuen uns mit Hochzeitspaaren." So fragten sich die Musiker während der Ausgangsbeschränkung, wie könne man sich trotzdem bemerkbar machen. Da kam diese Aktion gerade recht.

Bundesweite Aktion

Am Sonntag, 23. März, spielten bundesweit Musiker die "Ode an die Freude" daheim auf dem Balkon, im Garten oder eben am Fenster - ein Lied der Freude, gegen Angst und Unsicherheit. "Bei uns machen viele Bläser in den verschiedenen Ortsteilen der evangelischen Kirchengemeinde mit", berichtet die Obfrau. Sie verschickt zum Wochenende ein Rundmail an die Musiker des Posaunenchors mit Informationen aus der Kirchengemeinde, aber auch mit Noten für die Aktion "Musik aus dem Fenster". "Freitagabend haben wir einen Skype-Stammtisch. Da wir ja nicht proben können, tauschen wir uns darüber aus. Da besprechen wir dann auch, was wir spielen", sagt Rebekka Müller-Löw. Normalerweise werden die Stücke, die die Verbände empfehlen, gespielt. Manchmal weichen die Hetzelsdorfer aber davon ab. Georg Rackelmann bereitet den Satz vor und Rebekka Müller-Löw verteilt die Noten per E-Mail. "Manche drucken sich die dann aus und andere spielen sie vom Tablet ab", weiß sie.

"Maiblasen" entfiel

Normalerweise treffen sich am 1. Mai die Bläser des Posaunenchors und laufen musizierend durch die Dörfer. Dieses "Maiblasen" konnte in diesem Jahr ebenfalls nicht stattfinden. Stattdessen spielten die Musiker um 10 Uhr Volkslieder am Fenster. "Das ist quasi ein Flashmob gegen Corona. Schön ist, dass er Familien verbindet, weil sie gemeinsam musizieren, aber auch den Posaunenchor, weil wir gedanklich verbunden sind. Und die Nachbarn haben auch etwas davon", erzählt Rebekka Müller-Löw und lacht. Bisher hat sie nur positives Feedback erhalten. Die Nachbarn der Musiker freuen sich auf das Musizieren. Bei dieser Aktion geht es um Solidarität, nicht um musikalische Perfektion. Die Chorobfrau meint: "Für unsere Jungbläser ist das schön, denn sie können mit Großen spielen und haben sozusagen einen Auftritt." Darüber freuen sich dann auch die Großeltern. Wohnen die weiter weg, werden Videos aufgenommen und verschickt. "Ich bekomme auch immer wieder welche und bin dann ganz stolz auf unsere Jungbläser", verrät die Obfrau.

Nach der "Ode an die Freude" wurden "Von guten Mächten wunderbar geborgen" oder "Der Mond ist aufgegangen" und "Bleib bei mir Herr" gemeinsam an den Fenstern gespielt.

Verkündigungsauftrag

Ab Sonntag, 10. Mai, dürfen nun wieder Gottesdienste gefeiert werden. Auch die Bläser warten sehnsüchtig darauf, wieder proben und auftreten zu dürfen. "Wir haben ja einen Verkündigungsauftrag. Vokalsolisten und kleine Chöre dürfen unter bestimmten Bedingungen wieder auftreten. Das Musizieren mit Blasinstrumenten ist aber explizit nicht erlaubt", erklärt Rebekka Müller-Löw. So bleibt den Bläsern auch weiterhin nur die Möglichkeit, an ihren Fenstern zu spielen, um sich Gehör zu verschaffen und zumindest in Gedanken gemeinsam zu musizieren.