Forchheim
Lockdown

"Gab bei uns keine Infektionen": Fitnessstudio-Betreiber gehen gegen Corona-Politik auf die Straße

In Forchheim haben sich sechs Fitnessstudios zu einer gemeinsamen Protestaktion zusammengeschlossen. Der Initiator hat kein Verständnis dafür, weshalb die Studios zu bleiben müssen - er verweist auf eine europaweite Studie.
 
Fitnessstudios aus Franken fordern Öffnung
Die Betreiber von sechs Fitnessstudios aus der Region Forchheim fordern die Öffnung ihrer Studios. Foto: Initiative "Forchheim reicht's"
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  • "Forchheim reicht's": Fitnessstudios schließen sich für Protestaktion zusammen
  • Betreiber fordern "schnellstmögliche Öffnung und Wieder-Inbetriebnahme"
  • Initiator verweist auf neue Studie: "Keine Infektionen"
  • Fitnessstudios legen Öffnungskonzept vor: So sollen Kunden wieder trainieren können

Fitnessstudios aus Forchheim und Umgebung mobilisieren Mitglieder für Protest - sie fordern schnelle Öffnung: Sechs Fitnessstudios aus Forchheim und Umgebung haben am Wochenende gemeinsam eine Protestaktion gegen die Zwangsschließung ihrer Center gestartet. Die Inhaber kritisieren die Corona-Politik der Bundesregierung und fordern die "schnellstmögliche Öffnung" der Studios. Initiator Norbert Zettl, Betreiber des "Clever fit" in Forchheim, verweist auf eine europaweite Studie. Die zeige, dass "die Infektionsrate" mit entsprechenden Konzepten "gleich null" sei. 

Forchheimer Fitnessstudio-Betreiber: "Sitzen alle im gleichen Boot"

Am Samstag und Sonntag (01.05./02.05.2021) haben sechs Fitnessstudiobetreiber auf dem Parkplatz des "Clever fit" in Forchheim für eine "schnellstmögliche Öffnung und Wieder-Inbetriebnahme aller Fitnessstudios" protestiert. Mitglieder und Interessenten wurden für eine Unterschriftenaktion an den Forchheimer Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) mobilisiert. Die Gruppe zeigte ein Banner mit der Aufschrift "Hygienekonzepte und Öffnungsperspektiven statt Dauerlockdown". 

Der Betreiber des "Clever fit" in Forchheim, Norbert Zettl, hatte die Aktion initiiert. "Wir sitzen alle im gleichen Boot, haben seit dem 2. November geschlossen", so Zettl gegenüber inFranken.de. "Es geht - wie man so schön sagt - um die Wurscht", betont er. Denn die Schließung betreffe nicht nur die Fitnessstudios, die trotz Kündigungen zumindest weiterhin zahlende Mitglieder hätten halten können. "Anderen Branchen wie der Gastronomie geht es noch viel schlimmer als uns".

Zettl fordert von der Politik "eine Perspektive". Insgesamt habe er über 40.000 Euro in ein Ein-Wege-System, Handdesinfektionen, Trennwände in den Duschen sowie ein neues Verwaltungsbüro investiert, dass "Mitarbeiter und Mitglieder voneinander trennt". Sogar für eine Luftreinigungsanlage, die rund 15.000 Euro koste, sei man im Gespräch. Eine Luftumwälzungsanlage sei bereits vorhanden. 

Kritik der Fitnessstudios an Corona-Politik: "Katastrophales Signal"

"Die Öffnung der Fitnessstudios und Sportvereine zum Erhalt der allgemeinen Fitness und Gesundheit sowie zur Stärkung des Immunsystems ist unerlässlich. Menschen brauchen Sport", heißt es auf dem Unterschriftenpapier. Zettl, der noch in neun weiteren "Clever fit"-Studios in Bayern Leiter der Unternehmensentwicklung ist, sagt zur Öffnung im Sommer 2020: "Es gab bei uns keine Infektionen". Die Studie eines europäischen Sportverbands aus dieser Zeit habe unter 62 Millionen Studiobesuchern nur 487 Infizierte registriert. "Und da ist keine Infektion im Studio nachgewiesen."

Günstige Fitnessmatten bei Decathlon anschauen

Das Schlimmste für ihn sei, sagt Zettl, dass die Bundesregierung Fitnessstudios "nicht mehr als Sportstätten, sondern als Freizeitstätten einstuft". Das sei "ein katastrophales Signal". In seinen Studios könne man "im Bachelor und Master studieren, wir haben verschiedene Ausbildungsberufe, zum Beispiel den Fitnesstrainer". Der 39-Jährige hält die Öffnung der Fitnessstudios "unter Einhaltung der Hygienekonzepte" für absolut vertretbar. Die Decke seines Studios sei sechs Meter hoch, "da ist die Infektionsgefahr gleich null, wenn Leute außerhalb der Geräte FFP2-Masken tragen."

"Negativ-Getestete, Geimpfte und Genesene mit Antikörper-Nachweis: Warum darf ich für diese Gruppen mein Studio nicht öffnen?", fragt sich Zettl. Auch ein Outdoor-Bereich, wie es ihn im Sommer 2020 auf dem Parkplatz des Forchheimer Studios gegeben habe, sei durch das "Sportverbot in Bayern" letztlich nicht möglich, sagt er. Dort hatte der Betreiber Reifen und Trampoline aufgestellt, Trainer hatten in Kursen ein spezielles Fitnessprogramm angeboten. "Die Nachfrage nach Gruppenkursen wie Zumba oder Bauch-Beine-Po ist in Forchheim sehr hoch", sagt Zettl. 

Politik habe in der Corona-Pandemie "zu langsam reagiert"

Er selbst habe einen guten Bekannten, der einen schweren Corona-Verlauf mit "Einblutungen in den Kniekehlen" auf der Intensivstation durchlaufen habe und "lange nicht mehr fit wurde". Aussagen wie "Corona gibt es nicht" seien deshalb desaströs, sagt Zettl. Doch die Politik habe "oft viel zu langsam reagiert" und Regeln erst Wochen nach Entscheidungen in Kraft gesetzt. "Die könnten das gar nicht mehr argumentieren, wenn sie jetzt doch öffnen", glaubt der 39-Jährige. 

Die zweitägige Protestaktion der Fitnessstudios in Forchheim habe "guten Anklang" gefunden, sagt Zettl. Er rechne mit etwa 500 Unterschriften, das empfinde er als gute Quote. "Wir müssen schauen, was bei den Online-Geschichten zusätzlich rumkommt." In der Politik habe die Aktion bereits für Aufmerksamkeit gesorgt.

Der aus Forchheim stammende bayerische Landtagsabgeordnete Sebastian Körber (FDP) sei am Wochenende persönlich vorbeigekommen, um sich einen Eindruck der Situation zu verschaffen. Zettl und seine Mitstreiter wollen zeigen, dass "verantwortungsvolle Betreiber" keine Infektionstreiber seien. "Nach den Schließungen sind die Zahlen trotzdem hochgegangen. An den Branchen kann es nicht liegen", sagt er. 

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