Bayreuth
Kontaktbeschränkungen

Gefahr für Kinder durch Sportverbot? Mutter zieht vor Gericht - Söhne "immer unzufriedener"

Eine Mutter aus Bayreuth zieht vor Gericht: Das Sportverbot gefährde die Gesundheit der Kinder. Doch die Richter schmettern die Klage ab - mit einer Begründung, die die Anwältin fassungslos macht.
 
Mutter klagt gegen Ballsportverbot
Constanze Friedlein (links) versteht nicht, weshalb Kinder und Jugendliche nicht auf den Fußballplatz dürfen. Für ihre Söhne hat sie nun geklagt. Foto: Redaktion
  • Eine Mutter aus Bayreuth hat vor Gericht geklagt - und verloren
  • Sie fordert, dass ihre Söhne wieder mit anderen Kindern Sport treiben dürfen
  • Die Richter schmettern die Klage ab - die Begründung macht Eheleute fassungslos
  • "Danke für den Mut" - Familie erhält deutschlandweit Zuspruch

Ein Ehepaar aus Bayreuth hat eine Klage gegen das Mannschaftssportverbot für Kinder verloren - und kämpft trotzdem weiter: Constance Friedlein und ihr Mann Rainer aus Bayreuth haben vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen das Trainingsverbot für Kinder geklagt. Die Eltern zweier Söhne im Alter von zwölf und 13 Jahren machen sich Sorgen um die "psychische Gesundheit" der Heranwachsenden. Doch die Richter haben die Klage der beiden Juristen abgeschmettert - die Begründung kann das Ehepaar nicht nachvollziehen. 

Bayreuth: Eltern klagen gegen Sportverbot der Söhne

Sie habe "zwei sportbegeisterte pubertierende Jungs, die immer unzufriedener und unausgeglichener werden", begründet Constance Friedlein die Klage vor dem bayerischen Gericht gegenüber inFranken.de. Sohn Paul (13) und Leo (12) spielen in Bayreuther Sportvereinen Fußball und Basketball. Die Mannschaftskollegen zu sehen, fehle ihnen sehr. Bei einer Protestaktion im März in der Bayreuther Innenstadt habe es die Kinder sehr glücklich gemacht, "sich wenigstens ein paar Bälle hin und her zuspielen". Irgendwann sei jede Zoom-Konferenz "ausgereizt".

Ihr Mann Rainer, Richter am Amtsgericht Bayreuth, habe gleichzeitig "eklatant gemerkt", dass immer mehr Kinder außerhalb der eigenen Familie untergebracht werden müssen. Gerade bei Kindern, die in beengten Verhältnissen leben, sei die psychische Belastung durch die Corona-Einschränkungen "sehr hoch". "Wir sind keine Corona-Leugner, bei Weitem nicht", sagt die Mutter. Man habe immer "alles mitgetragen", aber frage sich seit dem zweiten Lockdown: "Wo soll das Licht am Ende des Tunnels sein?" An den ersten warmen Tagen im März habe sie gesehen, "wie sich plötzlich überall Kinder und Jugendliche zum Ballspielen getroffen haben". 

Auch beim Protest in Bayreuth seien die Heranwachsenden "aus ihren Löchern gekrochen" und dabei überglücklich gewesen, gemeinsam Sport treiben zu können. Eine Verschärfung der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmen habe dann zur Entscheidung für die Klage vom 14.03.2021 geführt. "Es kann nicht sein, dass die Inzidenzen der reine Anknüpfungspunkt für Maßnahmen sind. Man hat uns am Anfang der Pandemie gelehrt, dass die Überlastung der Kliniken verhindert werden muss. Deshalb sollte man auch nach Anzahl der freien Intensivbetten entscheiden, die Durchimpfung der Bevölkerung wäre ein weiterer Maßstab."

"Weiß eigentlich jeder Mensch, dass Sport für Kinder gesund ist"

"Gerade in ländlichen Gebieten schnellen die Inzidenzen bei einem Ausbruch in einem Pflegeheim viel schneller hoch als etwa in München. Und gerade, wenn viele Menschen geimpft sind, sind unter den Corona-Fällen viele, die nicht erkrankt sind." Doch nur vier Tage nach Eingang der Klage, wird diese von den Richtern am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof abgelehnt. Auch eine Anhörung kann sie nicht umstimmen. "Ganz verstehen können wir die Entscheidung nicht", sagt die Anwältin.

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Denn die Richter hätten das Mannschaftssportverbot damit begründet, dass "es der Gesetzgeber so vorgegeben hat". Die Argumentation der Friedleins, dass Sportverbot den Kindern schade, sei "bisher kaum zu überprüfen". "Dabei weiß eigentlich jeder Mensch, dass Sport für Kinder gesund ist", sagt Constance Friedlein. Tatsächlich gebe es aber zur konkreten Corona-Situation noch nicht genügend Studien. Eine Untersuchung der Uniklinik Hamburg hatte aber gezeigt, dass fast jedes dritte Kind während des zweiten Lockdowns  psychische Auffälligkeiten zeigt

Constanze Friedlein und ihr Mann hätten nach der Niederlage vor Gericht "schon überlegt, nochmal einen Vorstoß zu versuchen. Doch die Gerichtskosten für die gescheiterte Klage müssen die Friedleins aus eigener Tasche bezahlen. Und die Sorge vor einem erneuten Scheitern ist dann doch zu groß. Stattdessen hätten sie sich unter anderem an den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) gewandt - und viel Unterstützung erhalten. 

"Danke für den Mut": Mutter aus Bayreuth bekommt viel Zuspruch

Constance Friedlein hat laut eigenen Angaben viele positive Rückmeldungen bekommen. "Ein Trainer aus Herzogenaurach hat mich angemailt. Er hat gesagt, er macht den Job mit Herzblut und ist auch völlig verzweifelt. Er versteht auch nicht, warum die Kinder nicht auf den Fußballplatz dürfen. 'Danke für den Mut' hat er geschrieben", erzählt die zweifache Mutter.

Die Friedleins wollen sich auf jeden Fall weiter dafür einsetzen, dass Kinder wieder gemeinsam Sport machen dürfen, sagt sie. Dabei habe sie auch den Sommer in Sicht: "Hauptsache, wir haben bald 20 Grad draußen und die Kinder sind weiter daheim", sagt sie ironisch. Auch wenn die Klage gescheitert ist: Sie findet es wichtig, dass das Thema jetzt in die Öffentlichkeit rückt. Vielleicht sogar mit erstem Erfolg: Am Dienstag (27.04.2021) hat die bayerische Staatsregierung beschlossen, dass nun doch keine weitere Verschärfung des Sportverbots für Kinder eintritt. Demnach ist - wie bundesweit - "Kindern unter 14 Jahren die Ausübung von Sport in Form von kontaktloser Ausübung im Freien in Gruppen von höchstens fünf Kindern gestattet". Kontaktloser Fußball oder Basketball ist aber wegen der Abstandsregeln trotzdem nur schwer möglich. 

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