Herr Forch hat eine deutlich lethargische Ausstrahlung. Das hat etwas mit seiner Geburt zu tun. Denn diese Comicfigur wurde mitten in einem Gespräch über die Forchheimer Kultur geboren: Simon Michael (28) und Katharina Hötzel (24) saßen mit Freunden in einem Café und machten sich Gedanken darüber, warum in Forchheim so wenig geboten ist.

"Vielleicht hat ja ein Gespenst seine Finger im Spiel und macht jedes Mal einen Strich durch die Rechnung." Mit diesem Zwischenruf fing es an. Das Gespenst bekam einen Namen, ein rotes Kleidchen und eine Krone. Forch hatte das Licht der Welt erblickt. "Dass sein Gesicht wie ein Hinterteil aussieht, das war uns wichtig", sagt Simon Michael. "Der Forch soll das Lethargische der Forchheimer Kultur vermitteln."

300 Stück verkauft

Seit dem Gespräch im Sommer sind erst wenige Monate vergangen.
In kurzer Zeit hat der schwerfällige König eine erstaunliche Erfolgsgeschichte hingelegt. "Der Forch - a Forchheimer Gschicht" nennt sich das erste Comic-Heft. Am Wochenende seines Erscheinens verkauften sich gleich 300 Stück.

Der Musiker Simon Michael hat sein Zeichentalent wiederbelebt. Und regelmäßig sitzt er nun nach dem Abendessen mit Freundin Katharina Hötzel in der gemeinsamen Buttenheimer Wohnung. Das Paar hat Freude daran, an der "großen Satire auf das politische und kulturelle Leben in Forchheim" weiter zu stricken.

Ob es nun historische Anekdoten sind, wie jene über den Forchheimer Mauer-Scheißer; oder ob es eine wahre Begebenheit ist, wie jene vom Verschimmeln der Kleider im Museum an der Roten Mauer: Der Musikproduzent Simon Michael und die Projekt-Kauffrau Katharina Hötzel ergründen mit ihrem Comic, inwiefern Forch für diese Vorfälle verantwortlich ist. "Solche Geschichten kann man hunderte erzählen", sagt der in Heidelberg geborene Forchheimer. Seine Fabulier- und Zeichenlust ist auch im Netz zu bestaunen: Auf You Tube und unter "DerForch.de". Außerdem habe es sich der Forch mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, "Kommentare über Facebook abzugeben" sagt sein Schöpfer Simon Michael.

Natürlich lebt dieser Comic von den Anspielungen auf Forchheim. Da gibt es den König, auf dessen Krone "Tucher" steht; einen Oberbürgermeister, der Spitz heißt - und die Partnerin des Königs: Anna Fest. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen seien natürlich "rein zufällig", sagt Simon Michael. "Wir lieben unsere Heimatstadt", betont er: "Uns geht es nicht um eine reine Abrechnung mit der Kulturpolitik." Man wolle, sagt Katharina Hötzel, die Forchheimer Verhältnisse "liebevoll auf die Schippe nehmen".

Die Forch-Erfinder stoßen auf durchweg positive Reaktionen: "Gerade unter uns jungen Leuten sind viele der Meinung, dass man nicht alles schlucken sollte", sagt die 24-Jährige.

"Der Forch bündelt den Frust", ist Simon Michael überzeugt. Er erlebe es als "befreiend", eine Figur gefunden zu haben, die ihm als Sprachrohr diene: "Der Forch kann sich, weil er König ist, einen rauen Ton leisten, den ich mir nicht leisten könnte!"