Fischer setzen 4000 junge Forellen in die Schwabach ein

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Vorsitzender Karl Heinz Döring zeigt den Jugendlichen, wo man besetzen sollte. Foto: Oliver Jüsten
Vorsitzender Karl Heinz Döring zeigt den Jugendlichen, wo man besetzen sollte. Foto: Oliver Jüsten
Junge Forellen werden in die Transporteimer gesetzt. Foto: Oliver Jüsten
Junge Forellen werden in die Transporteimer gesetzt. Foto: Oliver Jüsten
 
Nikolaus Schadt erklärt den Jugendlichen den Besatz. Foto: Oliver Jüsten
Nikolaus Schadt erklärt den Jugendlichen den Besatz. Foto: Oliver Jüsten
 
Fie jungen Fische werden genau beobachtet. Foto: Oliver Jüsten
Fie jungen Fische werden genau beobachtet. Foto: Oliver Jüsten
 
Die Fischerjugend mit Vorstandsmitgliedern Foto: Oliver Jüsten
Die Fischerjugend mit Vorstandsmitgliedern Foto: Oliver Jüsten
 

Der Bezirks-Fischereiverein Erlangen hat die Schwabach mit jungen Forellen besetzt , um den Lebensraum Forellengewässer aufzuwerten.

Der Bezirks-Fischereiverein weist auf die Schwabach als das Habitat Salmonidengewässer hin, an dem man auch seltene Tiere wie den Eisvogel oder die Ringelnatter beobachten kann. Die Schwabach entspringt bei Igensdorf im Kreis Forchheim. Südöstlich fließt sie dann bis Forth (Kreis Erlangen-Höchstadt) und von dort in westlicher Richtung nach Erlangen, um dort rechts in die Regnitz zu münden. Im Schwabachtal liegen die Gemeinden Igensdorf, Eckental, Kleinsendelbach, Neunkirchen am Brand, Dormitz, Uttenreuth und Buckenhof und schließlich Erlangen. Insgesamt ist die Schwabach 32 Kilometer lang.

Die Wasserwirtschaftsämter haben die Schwabach als Salmonidengewässer festgelegt. Ein Salmonidengewässer definiert sich als Bach oder Fluss, in dem Fische wie Forellen (Salmo trutta) und Äschen (Thymallus thymallus) leben, deren Lebensraum mittels Hege und Pflege durch dafür geschulte Personen erhalten werden muss. Ferner werden die Gewässer auf Grund der Schwermetallbelastung eingestuft. Da die erwähnten Fische in Bezug auf diese Verschmutzung sehr empfindlich sind, können nur am geringsten belastete Gewässer als Salmonidengewässer ausgewiesen werden.


Der wichtigste Fisch

Der wichtigste Fisch in diesem Ökosystem ist die Bachforelle, ein Raubfisch. Bachforellen können bis zu 80 Zentimeter lang und 18 Jahre alt werden. In der Regel sind die Forellen aber zwischen 35 und 45 Zentimeter groß. Der dunkle Rücken schützt sie vor Beutegreifern wie dem Fischreiher von oben, da sie getarnt über dunklem Untergrund stehen. Tagsüber versteckt sie sich meist mit dem Kopf gegen die sauerstoffreiche, kühle Strömung gewandt im Uferschatten. Sie ernährt sich vorwiegend von kleinen Insekten und im Wasser lebenden Insektenlarven, aber auch von kleinen Fischen, Krebstieren und Schnecken.


Standorttreu

Als standorttreuer Fisch kehrt die Bachforelle immer wieder an die gleiche Stelle zurück und verteidigt Ihr Revier auch gegenüber anderen Forellen. Lediglich zur Fortpflanzung schwimmt die Forelle zurück an ihre Geburtsstätte in den kalten kiesigen Oberläufe der Bäche. Durch den Bau von Mühlen wurde dieser Weg aber abgeschnitten. Querverbauungen wie das Wehr an der Kopfklinik in Erlangen sind für die Bachforellen meist unüberwindbare Hürden.

Dementsprechend muss das Bachhabitat durch den Bezirks-Fischereiverein immer wieder mit Zuchtforellen besetzt werden, welche den "Geruch " ihrer Geburtsgewässer nicht mehr natürlich "in der Nase" haben, da sie in Zuchtanlagen das Licht der Welt erblickten.


Unvorsichtige Zuchtforellen

In den Gewässern lauern für die unvorsichtigen Zuchtforellen verschiedenste Gefahren, beispielsweise durch nicht habitatgerechte Räuber wie Hecht und Barsch, die entweder durch Laich an Entenfüßen in die Schwabach eingebracht wurden oder aus einem der Zuchtweiher im Oberland ausgebüxt sind. Ebenso stellen die Kormorane, die bis zu 1,5 Kilogramm Fisch (circa drei Forellen) am Tag fressen, ein großes Risiko dar.


Im Dottersackstadium

Der Bezirksfischereiverein Erlangen hat sich aus diesen Gründen unter Leitung des Gewässerschutzbeauftragten Nikolaus Schadt und des Hauptgewässerwarts Achim Poesdorf dazu entschieden, junge Forellen im Dottersackstadium zu besetzten. In diesem anfänglichen Alter werden den Forellen noch die nötigen Informationen über das Geburtsgewässer gegeben. Weiterhin lernen sie zunächst schnell, sich in der Strömung vor Strömungsdruck und Fressfeinden zu verstecken.

Durch die Jugendleiter Eric Blank, Karsten Hüll und Jochen Maier wurde das Thema in der Jugendgruppe besprochen. Im Vorfeld wurden zunächst die Gewässer im Oberlauf auf günstige Gewässerabschnitte ohne tiefe Gumpen, die Fischräubern ein günstiges Versteck bieten, hin gesichtet.


Aufzucht aus Aufseß

Nach langem Suchen konnten in Aufseß (Kreis Bayreuth) die passenden Forellen bestellt werden.
Die frisch geschlüpften Forellen im Dottersackstadium wurden in mit Sauerstoff versorgten Gefäßen an die Schwabach transportiert. Zuerst wurden die Temperaturen des Gewässers mit denen in den Gefäßen abgeglichen und Eimer mit frischem Schwabachwasser gefüllt. Dann bekamen jeweils zwei Jugendliche von Nikolaus Schadt Forellen in ihren Eimer, um diese möglichst schnell an den zuvor gewählten, meist schwer zugänglichen Stellen zu besetzen. Sogleich verschwanden die kleinen Forellen in den kiesigen Gewässerabschnitten zwischen den Steinen, um sich zu verstecken.
Dies wiederholte sich an mehreren bis zu 400 Meter langen Gewässerabschnitten.


70 Prozent könnten überleben

Insgesamt wurden rund 4000 junge Forellen von sechs Jugendlichen mithilfe von sechs Erwachsenen besetzt. Nach Ergebnissen aus ähnlichen Besatzmaßnahmen kann man davon ausgehen, dass bis zu 70 Prozent der jungen Forellen überleben werden. Mit viel neuem Wissen und der Neugier, wie es den Forellen in den nächsten Jahren ergehen wird, wurde die Veranstaltung in Kleinsendelbach nach vier Stunden beendet.

Um eine gesunde Altersstruktur in der Bachforellenpopulation zu schaffen, ist geplant, auch in den nächsten Jahren immer wieder solche Besatzmaßnahmen durchzuführen. Der Besatz der Schwabach im Stadtgebiet und Oberlauf mit Flusskrebsen 1998 und 2002, ebenfalls unter der Leitung von Nico Schadt, hat laut Fischereiverein nachweislich bereits zu einem sehr guten Ergebnis geführt.