ForchheimStadtplaner Claus Sperr stellte im Planungsausschuss am Dienstag die "Gretchenfrage": Wie halten Sie es mit der Hornschuchallee? Soll der Verkehr dort künftig getrennt - und damit die Fahrt durch die Innenstadt beendet werden? Der Verkehrsexperte von der Nürnberger Firma Planwerk unterstützt die Stadt Forchheim bei der Entwicklung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Isek).

Würde die Hornschuchallee zur Fußgängerzone, dann würden die meisten Autofahrer die Innenstadt großräumig umfahren. Gleichzeitig würde die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöht und dadurch der Handel beflügelt, ist Sperr (mit Bezug auf eine Umfrage) überzeugt.

Als "grobes Konzept" empfand Heinz Endres (FBF) die "Trennung der Hornschuchallee" und dadurch auch die Verkehrsberuhigung des Marktplatzes als stimmig. "Teilweise uralt, aber gut" sei dieses Konzept, meinte auch Manfred Hümmer (FW). Reinhold Otzelberger (SPD) beurteilte den den Vorschlag ebenfalls als "konsensfähig". Diskutiert werde er ja schon seit 30 Jahren.

Für Sebastian Körber (FDP) dagegen war an der Isek-Planung lediglich die Idee akzeptabel, an der Kreuzung Bamberger/Von-Brun-Straße einen Kreisverkehr zu bauen. "Doch die Kappung der Hornschuchallee ist eine Fehlplanung. Dann würde die wesentliche Lebensader von Nord nach Süd durchschnitten und die Autos müssten blöde Schleifen fahren", urteilte Körber. Bei bis zu 5000 Fahrten durch die Innenstadt würde die Abtrennung der Hornschuchallee zudem bewirken, dass sich die Autofahrer ihre Wege durch die Wohngebiete suchen, befürchtete der FDP-Rat.

Dieser Sichtweise schlossen sich Holger Lehnard und Udo Schönfelder (beide CSU) an: Der Suchverkehr würde zunehmen, die Geschäftswelt würde leiden. Lehnard kritisierte, dass die Isek-Planung bei der Kappung der Hornschuchallee "zu sehr ins Detail geht".

Zu Beginn der Sitzung hatte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) darauf hingewiesen, dass die Regierung die Frist für die Vorlage des Isek- Konzeptes verkürzt habe. Bis 19. Juli müsse die Stadt nun zu Potte kommen, zumindest mit einem "Rumpf-Isek". Andernfalls gingen Fördergelder flöten, etwa für das Katharinenspital (480.000 Euro).

Angesichts dieser Zeitnot einigten sich die Stadträte einstimmig darauf, eine neue Verkehrsplanung in der Innenstadt vorzulegen - einschließlich Fußgänger- und Radverkehr. Die Einstimmigkeit kam unter der Bedingung zustande, dass die "Kappung der Hornschuchallee" keinesfalls verpflichtend, sondern lediglich als Option in die Isek-Planung Eingang findet. OB Kirschstein formulierte es so: "Die Unterbrechung der Hornschuchallee ist eine Arbeitshypothese."

Für Udo Schönfelder ein fragwürdige These. Der CSU-Rat zog die Methodik der bisherigen Planung in Zweifel: In Anlehnung an einen Vorschlag der Grünen forderte Schönfelder, dass eine künftige Verkehrsplanung nicht nur mit Verkehrszählungen arbeiten, sondern mit Modellen Alternativen simulieren müsse. Eine Möglichkeit wäre es, den Verkehr in der Innenstadt "zeitlich" zu regeln. Also etwa das Areal zwischen Blauer Glocke und Saaltorturm in den Abendstunden komplett für Autos zu sperren.


Viel Verkehr, viel Kaufkraft?

Im Gegensatz zu Holger Lehnard fand Sabine Dittrich (FGL) die Sperr-Vorschläge gerade wegen ihrer Konkretheit attraktiv: So werde wenigstens die Richtung der Planung deutlich. Dittrich plädierte dafür, in Forchheim "die Alternativen zum Auto" weiterzuentwickeln. "Die Prioritäten müssen verschoben, dem Radfahrern Vorfahrt eingeräumt werden."

Josua Flierl (CSU) warnte davor, die Hornschuchallee "abzuhängen". Die Geschäftswelt hätte die Konsequenzen zu tragen: "Wenig Verkehr, wenig Kaufkraft", die Verkehrsplaner müssten diesen Zusammenhang berücksichtigen.

Über Flierls Sichtweise ärgerte sich Albert Dorn (SPD) gewaltig: "Sie wollen uns weis machen, dass die Geschäftswelt zusammenbricht, wenn die Autos nicht mehr von der Hundsbrücke zum Paradeplatz kommen." Dorn nannte Bamberg, Erlangen oder Nürnberg als Vorbild: Dort seien lange Strecken in den Innenstädten ohne Autoverkehr - und der Handel leide keineswegs darunter.