Eigentlich hatte Kirsch schon einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. "Ich hab' was G'scheits gelernt als Mechaniker", erzählt er. Doch dann entschloss er sich, nichts auf dumme Sprüche zu geben, weil er sich in der katholischen Kirche als Ministrant und Organist engagierte. "Der Glaube und der Rückhalt aus meiner Gemeinde und vor allem aus meiner Familie haben mich motiviert, mich auf das Leben als Priester einzulassen." Er habe gewusst, auf was er sich da einlasse und dass auch das Zölibat dazugehöre.

Auf dem zweiten Bildungsweg holte er das Abitur nach, studierte Theologie in Bamberg und wurde schließlich 1996 zum Priester geweiht. Es folgten Jahre als Kaplan in Herzogenaurach und in Pegnitz, ehe er im Jahr 2000 unweit seiner Heimat in die Pfarrei Bühl (bei Schnaittach) kam. "Und dort habe ich meine Freundin kennen und lieben gelernt", sagte Thomas Kirsch.
Auf Einzelheiten wollte er freilich nicht eingehen, nur so viel: "Man ist und bleibt Mensch."


Allein mit den Problemen

Sein geistlicher Mentor im Priesterseminar hatte ihn schon gewarnt: "A Holzscheidl hat nie a Problem, aber der, der a bissl a Herz hat, wird irgendwann zu einem solchen Problem kommen." Als Priester habe er tagtäglich sehr, sehr viele Probleme erfahren - und dann kam er allein nach Hause und konnte sich nur gelegentlich mit seiner Familie austauschen. "Da fehlt halt einfach was. Und so habe sich das dann entwickelt."

Wie nun mit dem Verstoß gegen das Zölibat umgehen? Einen Sonderweg, der auf irgendeine Weise sicher möglich gewesen wäre, wollte sich Thomas Kirsch nicht einlassen. "Uns war es wichtig, ehrlich zu sein und am Morgen in den Spiegel schauen zu können." Er wollte zu seiner Beziehung stehen und machte sie öffentlich - im Bewusstsein der Konsequenzen. Die Kirche verlangte von ihm eine Entscheidung "hü oder hott", da war für ihn die Antwort klar: Er verabschiedete sich vom Priesteramt.

Wie es weiterging, enttäuschte ihn sehr. Während er Rückhalt in seinem persönlichen Umfeld fand, hätte "nur einer von 100" aus der Kirche Verständnis gezeigt, Brücken seien nie gebaut worden. Drei Monaten erhielt er Übergangsgehalt, dann musste er völlig auf eigenen Beinen stehen. "Früher hat man gewartet, bis ein neuer Beruf gelernt war." Das habe ihn alles sehr verletzt. Es blieb das Gefühl "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, jetzt kann er gehen."

Trotzdem ist er nicht aus der Kirche ausgetreten, sondern engagiert sich weiterhin ehrenamtlich zum Beispiel als Organist. Vor vier Jahren habe er dann in Lauf das Gasthaus "Zum ehemaligen Pfarrer" gegründet. Dort bietet er Fahrten und Pilgerreisen an und seine Dienste als Freier Redner. Und als Wirt darf er sich auch ein bisschen als Priester fühlen, denn "dem vertraut man ja zu später Stunde auch Dinge an, die man zu Hause nicht sagen würde".


Hoffen ja, glauben nein

Trotzdem hofft er noch auf mehr: "Mein größter Wunsch wäre es, denn Priestern freizustellen, ob sie einen Partner haben oder nicht - dann wäre ich sofort wieder Pfarrer!" In den nächsten 50 bis 100 Jahren glaube er allerdings nicht an eine derartige Veränderung in der Katholischen Kirche.