Langsam geht es vorwärts, maximal sechs Kilometer pro Stunde hat das Gefährt drauf, auf dem Martin Ebner den Schulberg in Muggendorf hoch rollt. Wobei rollen nicht das richtige Wort ist, denn Ebners Offroad-Rollstuhl, der "Scuttler", hat keine Rollen, sondern Ketten montiert, auf denen er sich fortbewegt.

"Seit wir hier in Muggendorf wohnen, habe ich festgestellt, dass ich es mit meinem Fahrrad echt schwer habe, die teilweise sehr steilen Steigungen hochzukommen", berichtet er von der Geburtsstunde der Idee. "Wirklich weitergedacht habe ich es nach einem Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister."

Helmut Taut hatte ihm erzählt, dass eine Reisegruppe, die seit Jahren ins Wiesenttal kommt, abgesagt habe, da eine der Frauen nicht mehr so gut zu Fuß sei und daher die Wanderungen der Gruppe nicht mehr mitmachen könne.

Aus dem persönlichen Familien- und Bekanntenkreis wisse er, dass sich viele Ältere, Konditionsschwächere eher zurückziehen, wenn sie merken, dass sie nicht mehr so können wie früher. Damit diese Menschen bei den Wanderungen in der Fränkischen Schweiz nicht ausgeschlossen werden, wollte der Tüftler etwas erfinden. "Natürlich habe ich zuerst im Internet ,Offroad-Rollstühle' recherchiert und bin auch auf zwei Rollstühle gestoßen", sagt Ebner. Diese seien aber nicht das gewesen, was er sich vorstellte. Ein Modell aus Österreich zum Beispiel fahre bis zu 60 km/h und sei daher eher ein Funmobil als eine Unterstützung für Ältere und Behinderte.

Idee entsteht im Kopf

In seinem Kopf formte sich also immer mehr eine Idee. "Zuerst hatte ich an sechs Räder gedacht", erklärt er, "aber da hätte jeder einen eigenen Motor gebraucht und das wäre zu teuer geworden. So kam es dann zur Idee mit der Kette.

Daraufhin hat der gelernte Luft- und Raumfahrtelektroniker eine Computer-Animation nach seinen Vorstellungen erstellt und sich auf die Suche nach den richtigen Bauteilen begeben. Für rund 3500 Euro hat er schließlich die Teile aus China bestellt, bei einem anvisierten Gesamtbudget von 5500 Euro. Bis es aber so weit war, hatte er ein viertel Jahr mit der Firma in Fernost kommuniziert, um genau an die Teile zu kommen, die er sich vorgestellt hatte. Seit nun gut eineinhalb Jahren arbeitet Ebner an der Idee des Offroad-Rollstuhls "Scuttler". Ende Mai, nach Lockerungen des Lockdowns, war der Moment gekommen.

Ebner saß in seiner kleinen Werkstatt im Wiesenttal und wollte den ersten Testlauf starten. "Und dann hat sich nichts getan", sagt er. "Mir gingen 1000 Dinge durch den Kopf, warum es nicht funktioniert haben könnte." Es stellte sich heraus, dass nur ein Kabel nicht angeschlossen war. Und so konnte am nächsten Tag die Probefahrt starten.

Sicherheit fehlt teilweise noch

Eigentlich sei er mit seinem Scuttler schon auf der Zielgeraden, erklärt Ebner, räumt aber ein, dass er noch an den Sicherheitsfunktionen arbeiten müsse. Dazu gehört unter anderem ein elektronischer Neigungsmesser, der zu einem Not-Aus führt, wenn es zu gefährlich für den Fahrer werden würde. Aber auch einfachere Dinge wie ein Sicherheitsgurt fehlen noch. Zudem soll der Scuttler noch eine Lackierung bekomme. Vorher werde es aber noch zu einem Probelauf mit einem Behinderten kommen. "Ich hoffe, dass ich dann Lösungen für bisher unbekannte Probleme bekomme."

Wie es danach für den Offroad-Rollstuhl weitergeht, weiß sein Erfinder noch nicht. Ideen habe er aber viele. Zum Beispiel, dass sich Hotels oder Tourist-Informationen einen Scuttler anschaffen und diesen an die Gäste verleihen. Oder dass anstatt eines Sitzes zum Beispiel eine Bahre montiert wird, so dass der Scuttler bei Rettungseinsätzen in unwegsamem Gelände genutzt werden könnte. Oder mit Hilfe eines großen Korbs könnte er bei der Ernte oder in der Forstwirtschaft eingesetzt werden. "Ich habe den Grundstamm an Ideen und hoffe, dass die Saat im Kopf anderer Menschen aufgeht", sagt er. "Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn jemand kommt und Interesse hat." Dann könnten auch andere Ideen weitergesponnen und umgesetzt werden.

Weiteres rund um den Scuttler finden Sie auf http://scuttler.eco-warrior.de