Auch im zweiten Teil seiner Trilogie unter dem Titel "Schlaglicht" ist Kabarettist Michael Altinger (49) ganz nah an seinem Publikum. "Ihr müsst's scho mitmacha", fordert er die mehr als hundert Besucher am Donnerstag im Jungen Theater wiederholt auf, während er ein Feuerwerk an originellen, komischen, hintersinnigen und erhellenden Dialogen abbrennt.

Im Fokus steht unsere Wegwerfgesellschaft, verortet im niederbayerischen Strunzenöd, dort, wo die erworbenen, ja vererbten Verhaltensweisen besonders deutlich zu Tage treten. Als "Eingeborener" erlebt der Comedian aber auch, wie sehr die Werte bayerischer Leitkultur in Gefahr sind.

Beispielsweise durch den PCSM, den "Potato Cutting Salad Maker" des Erfinders Hellmut Lux, den der aktuelle Träger des Bayerischen Kabarettpreises zu einer imaginären Grillparty eingeladen hat.

Technik, die erschreckt

Der PCSM ist der "Fleischwolf im Schafspelz" kritisiert Altinger, der sich Sorgen macht, dass offenbar nicht integrierbare Zugereiste selbst nach Jahren noch Fleischwurst in den Bayerischen Kartoffelsalat schnippeln. Selbst Koriander wird da hineingemengt. "Wenn das so weiter geht, beträgt der deutsche Anteil am Kartoffelsalat bald nur noch zehn Prozent."

Die automatischen Helfer, die uns zunehmend das Leben erleichtern (sollen), hat Altinger personifiziert und seinen Rasenmäh-Robotern unter dem Protest der Schafe (Hääää!) die Namen Marianne und Michael gegeben.

Gegen den Konsumwahn

Der Kabarettist outet sich aber auch als Kritiker der Wegwerfkultur, wenn er davon erzählt, dass der Schuster ihm neue Schuhe verkaufen will, obwohl doch nur die Schnürsenkel hinüber sind. "Selbst einen kaputten Laptop kann man noch wunderbar als Hamsterstall verwenden. Und wenn er zusammenklappt, dient er immer noch als Hamstersarg", zeigt Altinger Alternativen auf.

Dem Schmerz entgegen lächeln

Außerdem geht alles viel zu schnell. Alles muss sofort sein. Aber auch dieses Phänomen führt der Unterhalter der Sonderklasse ad absurdum. "Es ist bemerkenswert, wie sehr sich ein Schweinenackensteak zusammenzieht, je mehr sich der Abend ausdehnt", stellt Altinger fest.

Die Konsequenz daraus: Sich (in Strunzenöd) den Fallstricken des Lebens stellen und dem Schmerz entgegen lächeln, so wie es die Männer-Yoga-Gruppe macht. Doch wenn der Rutzmoser ein Bein senkrecht in die Luft streckt, lacht keine der jungen Damen. "Denen graust's", weiß Altinger, der Kochsendungen überbewertet findet. Da fehlen als Gegengewicht Putz-Events wie "feuchte Wischer mit Helene Fischer", "Glitz mit Fritz" (Wepper) oder Wisch-Mobbing. "Das macht beste Laune ever."

Das tägliche Scheitern

Unser alltägliches Scheitern führt der Publikumsliebling seinen Besuchern vor Augen, wenn er an Beispielen erläutert, wie sehr wir in unseren Konventionen gefangen sind. Beispielsweise wenn seine Mutter Bayern 1 hört und "I was made for lovin' you" mitträllert, jenes Lied, das sie einst so sehr verabscheut hatte. Nicht besser sind die Böllerschützen, die morgens um 5 Uhr parat stehen, um die Braut aufzuwecken.

Da hilft nur eins: Fremdschämen. Doch auch da gibt es viel zu viele Alternativen. Flugscham, Diesel-Scham oder andere Scham-Arten, für die es ein ganzes Scham-Ministerium bräuchte. Mit Andy Scheuer, der dieses Ressort leiten könnte. "Aber bei uns dahoam", so Altinger, "da schamt si koana".