In dieser Liste steht ausdrücklich der Firmenname Philipp Gröschel, Inhaber Bernhard Gröschel und Leo Abraham. Als Geschäftssitz wird die Hauptstraße 45 angeben. Tatsächlich, so der Forchheimer Kulturbeauftragte Dieter George, war das Ladengeschäft auch 1933 in der Hauptstraße 65. Es wurden dort Trachtenmode und Zubehör verkauft.

Die "Forchheimer Zeitung" gehörte, so George, zum Otto-Verlag, dem Verlagshaus des Erzbistums Bamberg. Sie stand noch zu Beginn des Jahres 1933 der nationalsozialistischen Bewegung kritisch gegenüber, wurde aber in den wenigen Monaten danach "völlig gleichgeschaltet". Auf wen die falsche Adressangabe zurückgeht - ob ein klassischer Setzfehler oder eine Ungenauigkeit des Textverfassers, lässt sich aus dem Abstand von 80 Jahren nicht mehr aufklären.
Dafür, dass irgendjemand mit der falschen Hausnummer den "Gröschel-Jud" schützen wollte, gibt es keine Anhaltspunkte. Denn, so George weiter, das Geschäft war sehr bekannt.

Bei seinem historischen Stadtrundgang am vergangenen Wochenende, so betont George ausdrücklich, gingen er und seine Zuhörer ganz bewusst nur den Spuren von Ereignissen zwischen Januar und 1. April 1933 nach, die im Stadtbild noch heute zu finden sind. Spuren, die sich nur in Hausnummern manifestieren.

George weist daraufhin, dass die Situation 1933 - auch Geschäftslagen, Eigentumsverhältnisse oder Wohnsitze - nicht identisch ist mit der, als im November 1938 die Forchheimer Synagoge in der Wiesent straße gesprengt wurde. Und nochmals hat es sich bis 1941 gewandelt, als die letzten 14 Personen, die von den Nazis als Juden eingestuft worden waren, in das Haus Paradeplatz 4 ziehen mussten und von dort dann in Vernichtungslager verschleppt wurden. Unter den 14 befand sich auch Rosa Tiesler, die vor ihrer Eheschließung zum evangelischen Glauben konvertiert war.

In den Jahren dazwischen verließen etliche jüdische Familien Forchheim. Darunter war zum Beispiel die Familie Bayreuther, die in der Vogelstraße in dem Haus, in dem heute das SPD-Büro ist, einen Viehhandel betrieb. Über die Vogelstraße, so George, trieben damals seit alters die Bauern ihr Vieh auf den auch Säumarkt genannten Marktplatz.