Was Respekt ist, lässt sich vielleicht am besten mit seinem Gegenteil verdeutlichen. Wenn sich Menschen uns gegenüber respektlos verhalten, bemerken wir das in der Regel sofort. Dann sind wir verärgert, verdutzt, gekränkt und vor den Kopf gestoßen. Das alles spiegelt sich in den Werken von Kerstin Kassels. Ab Samstag, 27. Juli, ist die Kunst der Igensdorferin in der Bamberger Stadtgalerie Villa Dessauer zu sehen.

14 Künstler, unter denen auch Michaela Schwarzmann aus Eggolsheim ist, stellen ihre Auseinandersetzung en mit dem Thema "Respekt" aus. Wo findet sich Respekt? Was genau ist er? Wie verhalten sich Achtung, Wertschätzung und Rücksicht dazu? Das alles sind Fragen, mit denen sich auch Kerstin Kassel beschäftigt hat.
Kassel wird in Bamberg mit einer Installation zu sehen sein, die auf den zehn Geboten der Indianer basieren.


Fragen und Sehnsüchte

Die aus der Gemeinde Igensdorf stammende Künstlerin hat an der Akademie der bildenden Künste in Florenz studiert. Dort hat sie gelernt, mit Video und Installationen zu arbeiten. Auch mit Hilfe der Ölmalerei drückt sie ihre Gedanken, Fragen und Sehnsüchte aus.

In der Villa Dessauer ist Kassel mit Objekten, aber auch Ölbildern vertreten. Sie alle verbinden sich zu einer Installation. Zwei Krähen aus Gips hat Kassel in den Vordergrund gerückt.
Eigentlich gelten Krähen als Vögel, die Grausen und Schrecken verbreiten. "Aber es gibt keine schwarze Krähe in dem Raum, sondern eine weiße, um den negativen Touch dieses Todesvogels zu vertreiben", erklärt Kassel ihre Intention.

Eine andere, goldene Krähe soll den Respekt vor dem Tod symbolisieren. Das Gold nimmt zugleich die Würdigung auf, die Künstler oder Heilige oft erst nach dem Tod erfahren haben.

Zehn Gebote der Indianer

Aber das Unbehagen, das bleibt. Denn die weiße Krähe trägt einen Bombengürtel, wie ihn auch immer wieder Selbstmordattentäter um den Körper gebunden haben. In diesem Sinne könnte man Selbstmordattentate als die maximale Respektlosigkeit interpretieren. Respektlos den Opfern und seinen Freunden und Angehörigen gegenüber. Respektlos aber auch gegenüber dem Leben.

"Respekt ist fundamental. Respekt muss man in zwei Schichten aufteilen", sagt Kassel. Eine Dimension des Respekts wäre demnach Gehorsam, Würdigung und Ehre. Die zweite wäre die Achtung vor dem Alter, vor Krankheit und Tod.

Die zehn Gebote der Indianer bedeuten Kassel deshalb so viel, weil sich in ihnen die Naturverbundenheit und auch die Achtung vor den Tieren zeige. "Sie behandeln alles, was auf der Erde lebt, sehr respektvoll", sagt Kassel. "Zeige großen Respekt vor Deinen Nächsten", heißt das dritte der zehn Gebote, deren Herkunft allerdings unklar ist.

Prinzipiell hätte sie auch die christlichen zehn Gebote wählen können, glaubt Kassel. Der Respekt vor den Tieren sei bei den Indianern aber besonders stark ausgeprägt.
Kassel hat den Eindruck, dass Tiere oft entweder als Nutztiere oder Trophäen betrachtet werden. Der Mensch nehme sich zu viel heraus, das glaubt Kassel ohnehin.


Titel
"Respekt - Große Jahresausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken (BBK)."

Ort Stadtgalerie Bamberg Villa Dessauer, Hainstraße 4a

Dauer 27. Juli bis 8. September, Di. bis Do. 10 bis 16 Uhr, Fr. bis So. 12 bis 18 Uhr; Vernissage 26. Juli, 19 Uhr; Künstlerführungen sonntags um 15 Uhr