ForchheimDer ICE-Ausbau ist fast überall spürbar und sichtbar. Die Baustelle am Bahnhof scheint täglich zu wachsen, aber mit ihr auch die Ungeduld in der Bevölkerung und im Stadtrat. Denn noch immer ist unklar, ob der ICE-Ausbau den Forchheimern auch einen Haltepunkt Forchheim-Nord bescheren wird.

Ihrer Ungeduld hat die CSU-Fraktion jetzt mit einem entsprechenden Antrag Ausdruck verliehen. Wo genau wird der Standort des S-Bahnhofes im Norden sein? Wann werden die Bürger ins Boot geholt? Was sagen die Abgeordneten? In welcher Form beteiligt sich der Landkreis an den Kosten? Diese Fragen stellte CSU-Fraktionssprecher Udo Schönfelder im Planungsausschuss am Dienstag.

Manfred Hümmer (FW) hielt den Vorstoß der CSU für einen "Schaufensterantrag". Denn die "vielen offenen Fragen" könnten in Forchheim gar nicht beantwortet werden. "Die Stadt hat ihre Aufgaben gemacht, es liegt jetzt an Entscheidungen im südlichen Bayern." Roland Eismann (ICE-Experte bei der Stadt Forchheim) brachte aber eine erleichternde Nachricht mit in den Ausschuss: Thomas Sulzer, für den ICE-Ausbau bei Forchheim verantwortlich, werde in der zweiten Januar-Woche Varianten des S-Bahn-Haltepunktes Forchheim Nord präsentieren. Am Wochenanfang habe Sulzer der Stadt zugesagt: Die Bürgerwünsche sollen bei dieser Anhörung im Stadt-Norden berücksichtigt werden.


3,2 Millionen Euro gesucht

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) warnte aber vor zu großen Hoffnungen. Die Bahn habe die Varianten im Sommer vorgestellt. Klar sei, dass der Bahnhof selbst der Stadt zwar nichts kosten werde, dass aber die Unterführung an der Bonhoeffer-Straße finanziert werden müsse. Kosten: 3,2 Millionen Euro. "Und dieses Geld haben wir nicht."

Albert Dorn (SPD) sagte, dass er "kein glühender Befürworter" dieses S-Bahnhofes sei; dass er zudem den Eindruck habe, in Forchheim Nord gebe es "viele Bürger, die es gerne hätten, wenn es den Haltepunkt nicht gäbe". Und Dorn erinnerte auch an warnende Stimmen aus den Reihen der CSU. So hatte Josua Flierl bereits im Sommer gesagt: "Niemand sollte suggerieren, dass der Haltepunkt Forchheim-Nord schon beschlossene Sache ist."

Udo Schönfelder und seine CSU-Parteifreundin Mathilde Hartmann ärgerten sich, dass der Landkreis eine finanzielle Beteiligung mit großer Selbstverständlichkeit von sich weise. Es gebe eine Kostenbeteiligung eben "nur im gesetzlichen Rahmen", erläuterte Manfred Hümmer (FW) die Haltung des Landkreises. Dennoch nahm OB Kirschstein den CSU-Vorschlag auf, gemeinsam mit Klaus Hummel (Nahverkehrs-Beauftragter des Landkreises) über die Veränderungen im ÖPNV-Netz zu sprechen. Schließlich, so Schönfelder, würde der S-Bahn-Halt an den Schulen das gesamte Bus-Zubringer-System überflüssig machen.


"Stadt wartet auf die Bahn"

Otwin Schneider, Sprecher der Bürgerinitiative Forchheim Nord, kritisierte nach der Sitzung des Planungsausschusses, dass die Politik offenbar nicht geschlossen hinter dem S-Bahn-Halt stehe. "1996 hat der Stadtrat Forchheim darauf gedrungen, dass der S-Bahn-Halt kommt", erinnerte Otwin Schneider. "Und jetzt wartet die Stadt auf die Bahn. Sie hat selbst nichts erarbeitet, wo sie den Haltepunkt Forchheim-Nord hinhaben möchte", bedauert Schneider.