Das laufende Haushaltsjahr wäre zu stemmen - wenn nur ein Kostenpunkt nicht wäre: "Es ist schön, wenn man gerne schwimmen geht, aber man muss sich das auch leisten können", meinte Kämmerer Ernst Steinlein, als er den Haushalt und die Finanzplanung bis 2023 in der jüngsten Stadtratssitzung erklärte. Der Grund sind die Kosten für die Bäder. Vor allem die für das Hallenbad liegen teils weit über dem Anschlag.

Lange diskutierten die Mitglieder darüber, denn unterm Strich bleibt die Stadt auf zwei Millionen Euro sitzen. Auch die Sanierung des Freibads schlägt zu Buche. Zwar nicht mehr im laufenden und auch nicht im kommenden Jahr, doch in den Folgejahren stehen keine 50.000 Euro mehr im Ansatz, sondern 1,1 Millionen Euro.

Stadtratsitzung in Gräfenberg: Sanierung des Freibads schlägt zu Buche

Hinzu kommen Gelder für die Altstadtsanierung und 300.000 Euro Mehrkosten für die neue Kindertageseinrichtung. Zu alledem entfallen Corona-bedingt gut 400.000 Euro an Einnahmen bei der Gewerbesteuer. Eine Finanzierung über neue Kredite wäre die Konsequenz. Dass das nicht geht, darüber waren sich die Stadträte einig.

Eine düstere Stimmung in Sachen Finanzen legte sich über die Sitzung, denn für heuer wäre ein Kreditbedarf über insgesamt 569.000 Euro notwendig. Der Haushalt kann so nicht abgeschlossen werden. "Wir dürfen nicht über unsere Verhältnisse leben, das tun wir privat auch nicht. Wir wollen einen Großteil durchbringen, müssen aber auch einsparen", meinte Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW).

Matthias Striebich (Grüne) kann zwar nachvollziehen, dass der "Worst Case" so dargestellt werden müsse. Der Eindruck in den Vorgesprächen sei jedoch ein anderer gewesen. "Wir haben jahrelang ums Freibad gekämpft", betonte Striebich und nannte es einen "Schildbürgerstreich", hier nicht weiterzumachen. Alle Quellen anzuzapfen, war deshalb sein Vorschlag.

Damit ist gemeint, möglichst viele Gelder zu generieren: Zum einen durch eine weitere Unterstützung vom Landratsamt - diese hatte das Hallenbad vor Jahren an die Stadt übereignet. Zum anderen könnten alle Kommunen, die ihre Schüler in dem neuen Lehrschwimmbecken zum Schwimmunterricht bringen, finanziell beteiligt werden. Andernfalls wäre die Stadt überschuldet.

Alle Geldquellen anzuzapfen, ist ein Vorschlag aus dem Gremium

Das sah auch Hans Derbfuß (CSU) so, denn bei diesem Kreditbedarf könne die Stadt die Finanzierung nicht alleine schaffen. Dass sich die Kreisräte der Stadt für das Bad stark machen, um Gelder zu erhalten, befürwortete ebenfalls Antje Rammensee (SPD). Denn trotz der beängstigenden Zahlen müsse Gräfenberg weiter nach vorne gebracht werden.

Erfreuliche Bilanz des KUG

Weitaus positiver sieht die Situation beim Kommunalunternehmen Gräfenberg (KUG) aus. Das ist zwar kein öffentlicher Haushalt, da das KUG wie eine private Gesellschaft geführt ist, aber in deren Haushalt sind 400.000 Euro das positive Ergebnis in der Bilanz.

Das Kommunalunternehmen steht auf den Beinen Wasser, Photovoltaik, Gebäudemanagement und Stadtentwicklung und wird vom VG Geschäftsführer Stefan Kohlmann und Kämmerer Ernst Steinlein geleitet.