Erst nach der letzten Eiszeit ist der Malus sylvestris in unseren Gefilden heimisch geworden. Malus sylvestris, das ist die wissenschaftliche Bezeichnung für Holzapfel. Er wird auch als europäischer Wildapfel bezeichnet. Obwohl der Wildapfel für die Weiterentwicklung unserer Kultursorten kaum eine Bedeutung hatte und hat, wurde der europäische Wildapfel zum Baum des Jahres 2013 ernannt. Die Wahl fiel damit auf einen eher unbekannten Baum, der zu den seltenen Baumarten gehört.

Die großes Auszeichnung kommt jetzt gerade recht. Denn der Wildapfel ist in seinem Bestand bedroht. "Es ist ein schöner Baum, mit einer schönen Blütezeit, ein robustes Ziergehölz, das man bei Landschaftspflanzungen bei der Flurbereinigung wieder mit pflanzen sollte", beschreibt der ehemalige Obstkreisfachberater Tobias Vogel aus Hiltpoltstein den Wildapfel.


Am Rand der B2 zwischen Gräfenberg und Kemmathen steht noch ein Wildapfelbaum am Straßenrand. Der Wildapfel bildet in der Jugend fast nur Dornen zur Schutzfunktion aus, die sich später wieder verlieren. Deshalb und wegen der gut verzweigten Struktur bietet sich der Wildapfel auch als Vogelnistgehölz an.
Der Wildapfel selbst ist eher ein kleiner Apfel, mit nur etwa fünf Zentimeter Durchmesser. "Er beinhaltet viel Gerbstoff, ist daher lange haltbar und schmeckt deshalb sehr bitter", sagt Vogel, während er einen Apfel vom Boden aufhebt und aufschneidet.

Zeiß zuckt mit den Schultern

"Für den Verzehr ist es eher ein minderwertiger Apfel", erklärt er. Selbst Rehe und Vögel würden den Wildapfel erst dann fressen, wenn sie nichts anderes mehr finden.

"In der Obstmarkthalle ist er noch nie verlangt worden", zuckt auch Erwin Zeiß mit den Schultern. Zeiß ist Vorsitzender der Obstverwertungsgenossenschaft in Igensdorf und kennt allein schon deshalb gut mit Obst aus. Die Kunden der Obstgenossenschaft kommen aus ganz Deutschland, ob aus Rheinland Pfalz oder Hamburg - nach einem Wildapfel hätte aber keiner gefragt. "Ich kenne ihn auch nicht", räumt Zeiß ein.

Für seine Schnäpse und Liköre verwendet Zeiß stattdessen sogenannte Kultursorten. "Die haben sich mehr aus den Wildäpfeln aus Kleinasien, China und vor allem aus dem Kaukasus entwickelt", erklärt Vogel. Durch Zufallssämlinge vermehrten sich diese, bis durch Auslese und Kreuzungen gezielte Züchtungen entstanden sind.
Vogel, der selbst täglich einen Apfel isst. Vor allem Cox Orange ist seine Lieblingssorte. Früher trank er zum Abendbrot gerne einmal ein Weizen, heute genießt er das Essen lieber mit einem Glas Apfelweinschorle. "Damit kann ich mein Gewicht halten", lacht er.

Gesund ist es auch noch

Und gesund ist es auch noch- In der Tat beinhaltet ein Apfel viele wichtige Stoffe. Beispielsweise Calcium, Magnesium, Eisen. Und Er enthält die Vitamine A, E, C, B1, und B2. Nicht umsonst gilt ein Spruch: Wer täglich einen Apfel isst, kann sich den Arzt sparen. Im Englischen reimt sich das sogar: "An apple a day keeps the doctor away."

Überhaupt gehören zahllos variierte Apfelgerichte zum Essensplan der Familie Vogel. Das "Schoppala" ist neben den Apfelküchla eines der Lieblingsgerichte. "Aus gekochten Kartoffeln und Mehl wird ein Teig hergestellt, Äpfel dazugegeben und in ovaler Form in der Pfanne heraus gebacken", erzählt der 73-jährige und hebt damit die Bedeutung der Äpfel hervor.