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Tradition

Schluss nach 55 Jahren: Der Nikolaus aus der Fränkischen Schweiz sucht einen Nachfolger

55 Jahre lang war der Weißenoher Ehrenbürger Hans Schütz der Nikolaus in der Fränkischen Schweiz. Nun sucht er jemanden, der ihn als Weihnachtsmann beerbt.
 
55 Jahre lang war der Weißenoher Ehrenbürger Hans Schütz der Nikolaus.  Nun sucht er einen Nachfolger. Foto: Petra Malbrich
55 Jahre lang war der Weißenoher Ehrenbürger Hans Schütz der Nikolaus. Nun sucht er einen Nachfolger. Foto: Petra Malbrich
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Ein angstmachender Nikolaus, dessen Gehilfe Krampus die unartigen Kinder in den Sack steckt und mitnimmt, wollte Hans Schütz nie sein. "Das kenn ich noch aus meiner Kindheit", erinnert er sich kopfschüttelnd. Eigentlich hatte er nie daran gedacht, überhaupt mal Nikolaus zu sein. Jetzt war er es 55 Jahre lang und will den großen Gabensack an einen Nachfolger weiterreichen.

An wen, ist noch nicht bekannt. Aber: "Ich kümmere mich um einen würdigen Nachfolger", verspricht der Weißenoher Ehrenbürger. Er war ein ganz ungewöhnlicher Nikolaus, der immer ein gutes, aufmunterndes Wort parat hatte. Auch ältere Menschen, von denen er wusste, dass sie in Armut leben, hat er nie vergessen. Auch sie erhielten - wie selbstverständlich - eine der kleinen Geschenktüten mit Obst und Süßigkeiten, ohne sie zu brüskieren.

Anfänge im Sportverein

"Die Freude war ihrem Gesicht anzusehen. Da sind die Erwachsenen wieder Kinder geworden", freut sich Schütz. So ungewöhnlich, wie er den Nikolaus mimte, so ungewöhnlich begann seine Karriere als Helfer in der Not. Kinder und Jugendliche lagen ihm immer am Herzen. Schon deshalb engagierte er sich im Sportverein als Jugendleiter und besuchte Fortbildungen in der Sportschule Grünwald.

24 Jahre war Hans Schütz damals jung - und nach der Sportschule begann er lustige, aber doch motivierende Verse über seine Schützlinge zu dichten. An der Weihnachtsfeier 1965 trug er diese im Sportheim vor, zum ersten Mal als Nikolaus verkleidet. "Das war damals eine Sensation. Die lustigen Sprüche waren eine Bereicherung der Weihnachtsfeier", erinnert sich Schütz, der sofort für das nächste Jahr gebucht wurde.

Zudem wurden seine Einsätze immer vielfältiger. Auch die Weißenoher Vereine beschlossen, einen Adventsmarkt zu feiern. Der Platz vor Kirche und Klosterbrauerei wird an jedem zweiten Sonntag im Advent zu einer Budenstadt, in der das Warten auf Weihnachten gesellig versüßt wird. Die Initiative dazu kam von Gemeinderat Reinhard Schuhmann - und zur Premiere durfte der Nikolaus nicht fehlen.

Er kennt alle Legenden

"Die Gemeinde hat sogar ein Kostüm aus Amerika schicken lassen", erinnert Hans Schütz, der auch heuer noch einmal in das fast schon typische Gewand schlüpft: Roter Mantel mit Pelzbesatz, ein langer, weißer Rauschebart und Zipfelmütze. Fast kniehohe, schwarze Lederstiefel gehören auch dazu. Das heißt aber nicht, dass Hans Schütz und die Weißenoher den von einem amerikanischen Getränkehersteller designten Nikolaus bevorzugen.

Der Ehrenbürger kennt fast alle Legenden über den Nikolaus, die in seinem Weihnachtsbuch stehen, das er für jeden Auftritt unter den Arm klemmt. Auch Hans Schütz hat einen Gehilfen, oder besser, eine Assistentin. Begleitet wird er beim Weihnachtsmarkt immer von einem Engel - ein Kommunionskind in weißem Kleidchen. Wenn die beiden zusammen aus der Kirche kommend auf den Platz treten und der Engel seinen Prolog vorgetragen hat, ist der Weihnachtsmarkt eröffnet. Die Kindergartenkinder singen ein Lied, bevor Hans Schütz seine Tütchen verteilt.

Im Sinne des echten Nikolaus

Geschenke gesammelt hat Schütz aber auch - ganz im Sinn des echten Nikolaus, der den Armen geholfen hat. 15 Jahre lang machte das der Weißenoher Weihnachtsmann in der Igensdorfer Grundschule. Die Idee, Spielwaren für Bedürftige zu sammeln, war damals Rektor Erhard Hanauer gekommen. Die Erst- und Zweitklässler besuchte Schütz zu dieser Zeit im Klassenzimmer, die älteren Kinder brachten ihre Spiele in der Pause. Immer betonte Schütz, nicht der echte Nikolaus zu sein. Aber er erteilte keine Ratschläge und hielt keine Vorträge, sondern bezog die Kinder ein. "Ich ließ mir die Nikolausgeschichten erzählen", sagt Schütz. Auch bei Schulauftritten wurde musiziert und gesungen. Und am Nikolausabend selbst besuchte er so manches Kind daheim. Als braver Nikolaus, der den Kindern keine Angst macht.

Doch mit 80 Jahren ist Schluss, sagt Schütz. Im April hat er Geburtstag, weshalb die Auftritte in den aktuellen Adventswochen seine letzten sind. "Wenn ich die kleinen Zwetschger sehe, freue ich mich." Mit dieser Freude begann Schütz seine Nikolauskarriere. Sie wird ihm bleiben - auch, wenn er kein Nikolaus mehr ist.