Als vor fünf Jahren das Handy seiner Schwester kaputt ging, entdeckte Nicholas Mohnlein seine große Begabung. Der damals 18-Jährige hatte den Ehrgeiz das teure Handy seiner Schwester zu retten und öffnete das Gerät. Er begann im Internet Baupläne zu studieren und entdeckte ein kaputtes Flexkabel als Ursache des Defekts. Aus China bestellte Nicholas Mohnlein ein neues Kabel - und nach 15 Wochen wurde es
ihm tatsächlich auch zugeschickt. Er baute es ein - "und
wow, es funktionierte".
Dieses Erfolgserlebnis war der Anfang. Zwei Jahre lang reparierte der junge Forchheimer die kaputten Handys seiner Freunde und arbeitete sich immer tiefer in die Welt der Microchips, Schaltkreise und Transistoren ein. Im Februar 2014 gründete er dann seine Firma MoonRepair.
Seitdem hat der Energietechnik-Student (der kurz vor dem Master-Abschluss steht) alle Hände voll zu tun. Gemeinsam mit einem Angestellten arbeitet MoonRepair für vier Firmen in
der Region zwischen Bad Kissingen und Erlangen.


Aufträge rund um die Uhr

Die Werkstatt von Nicholas Mohnlein in der Forchheimer
Hainbrunnenstraße 37 liegt bergauf kurz vorm Kellerwald.
"Ein bisschen entlegen, aber wer ein kaputtes Handy hat, der kommt gerne", scherzt der 23-Jährige. Zwei Zimmer seiner Wohnung gleichen einem Labor. Und vor der Haustür, neben dem Gartenzaun, steht eine elegante Metallbox, das Herzstück des Geschäftes: eine Abgabe- und Abholstation für Handys. Zweieinhalb Jahre habe er an dieser "MoonBox" getüftelt.
Über ein Touchscreen kann der Kunde seinen Reparaturauftrag eingeben und die Preise studieren. Ein Fach springt auf, der Kunde legt das Handy hinein und bekommt per Mail Bescheid, wenn der Auftrag erledigt ist. So könne seine Firma rund um die Uhr Aufträge entgegennehmen - und die Kunden könnten die Ware zu jeder Tages- und Nachtzeit wieder abholen.
Den größten Umsatz macht MoonRepair mit der Erneuerung zersprungener Displays und mit dem Tauschen von Akkus. Mohnlein stellt die Displays mittlerweile selbst her, um nicht von der Qualitäts-Schwankungen des chinesischen Marktes abhängig zu sein. Der 23-Jährige Handy-Experte aus Forchheim hat die erforderliche Technik und Maschinen aus China importiert. Mit dem Separier-Gerät wird das kaputte Glas vom funktionierenden Display gelöst; dann ein Polarizer eingebaut, eine Klebeschicht auftragen und die Teile in der Vakuumpresse mit dem Glas wieder verbunden.
In den meisten Handyläden würden Display-Reparaturen für rund 100 Euro angeboten. "Da werden in der Regel acht Euro billige Nachbauten aus China verwendet", sagt Mohnlein. "Bei uns kostet zum Beispiel die Display-Reparatur eines iPhone6 insgesamt 129 Euro, aber wir arbeiten mit originalen, funktionellen Bauteilen, Qualität muss vor dem Preis kommen, der Kunde soll ja zufrieden sein."
Die Anfangsdiagnose seiner Kunden ist meist wenig konkret:
"Es geht einfach nicht mehr an." Mohnlein baut dann das Board aus, misst die Spannungen durch und sucht einen Weg, das Handy wieder zu starten.
"Ein Chip auf dem Board besteht aus bis zu 7,2 Milliarden Transistoren." Es gebe maximal 20 bis 30 Menschen auf der Welt, die das Innenleben eines Handys komplett verstehen, sagt der Forchheimer Handy-Retter, der seit Jahren immer tiefer in die Baupläne eindringt.
Unter dem Mikroskop entfernt er mit einer 400 Grad heißen pinzettenartigen Doppellötkolben die oft nur 0,2 Millimeter
kleinen Bauteile des Boards und lötet Ersatzteile auf die Platte. Microsoldering nennt sich diese Kunst des Lötens. Um diese Präzisionsarbeit zu beherrschen, braucht man neben immensem Chip-Wissen die ruhige Hand eines Chirurgen. "Und Leidensfähigkeit", sagt Mohnlein.
Wenn man beispielsweise einmal nicht herausfindet, welches der 10 000 Teile eines Boards erneuert werden muss. "Ein falscher Schritt und es sind schon mal 500 Euro kaputt."


Königsdisziplin Wasserschaden

Was seine Firma leiste, werde in Bayern vielleicht noch von fünf anderen angeboten. "Die meisten herkömmlichen Handy-Reparatur-Läden tauschen nur Ersatzteile. Wir dagegen versuchen, Fehlern auf die Schliche zu kommen. Zudem bezahlt der Kunde nur, wenn das Gerät wieder vollständig funktioniert."
Selbst bei Wasserschäden. Egal ob das Meer, der Pool oder die Kloschüssel, schnell kommt das Telefon mit Wasser in Kontakt. Dann beginne der Kampf
darum, das Handy wieder zu starten und an die verschlüsselt
gespeicherten Daten zu kommen. "Der Wasserschaden ist die Königsdisziplin der Reparatur."
Mindestens vier Stunden pro Tag sitzt der Forchheimer in seiner Werkstatt. Sieben Tage die Woche. So ein Handy sei ein "kleines, eigenes Ökosystem", schwärmt er. Doch trotz seiner Begeisterung für dieses System, hat Nicholas Mohnlein noch andere Leidenschaften: Volleyball spielen, Bogen schießen, joggen und während des Annafestes auf dem Schaufelkeller arbeiten.
Nachdem sich Mooni (so sein Spitzname aus Schulzeiten) den
Traum von der MoonBox und der Firma erfüllt hat, kann er sich, inspiriert durch die heimischen Keller, durchaus auch vorstellen eine Gastronomie zu führen. "Mal schauen was so als nächstes kommt, erstmal bin ich sehr zufrieden mit dem was ich mache"