Auch wenn es sich eigentlich um ein etwa 300 Jahres altes Bauernanwesen handelt, das bis 1973 von 20 Generationen bewohnt wurde, so beginnt die Geschichte, die wir hier erzählen, erst vor rund 30 Jahren. Es war gerade zu der Zeit, in der der frühere Direktor des Freilandmuseums in Bad Windsheim, Professor Dr. Konrad Pedal, Oberfranken bereiste. Er hielt nach alten geschichtsträchtigen Häusern Ausschau, um deren Vergangenheit bis in die Gegenwart in "seinem" Museum der Nachwelt zu erhalten.

In Unterlindelbach fand Pedal, was er suchte. Sehr bald wurden Gespräche über das alte Sporer-Haus mit den Eigentümern Erika und Reinhold Schmidt geführt. Als Ergebnis kam heraus, dass das alte, zunehmend verfallende Bauernhaus ins Freilandmuseum integriert wird.

Die Sporer, so der Hausname der Schmidts, konnten über Jahre mitverfolgen, wie so ein Vorhaben vorbereitet und schließlich in die Tat umgesetzt wird. Da hatte zunächst Konrad Rottmann aus Frauenaurach zehn Jahre lang bis 1993 ganze Arbeit geleistet, indem er das Haus vollkommen vermessen und jeden Stein akribisch genau nummerierte. Dann dann 2006 eine Baufirma mit einem Spezialkran das Gebäude in einzelnen Teilen oder besser die Steine mit mehreren Lastkraftwagen an seinen neuen Standort transportierte.

Noch heute erinnert sich Reinhold Schmidt "gerade das Bergen und das Aufladen der Feuerstelle im Obergeschoss gestaltete sich sehr problematisch". Dieses umfangreiche Gesamtvorhaben konnte auch nur dadurch realisiert werden, da die Oberfrankenstiftung finanzielle Unterstützung hierfür zugesagt hatte.

Allein der Firstbalken lässt mit seinen 18 Metern die stolze Länge des Hauses erkennen. Die Breite des Hauses mit seinem Fachwerkgiebel und dem großen Satteldach belief sich auf 13 Meter. Mit gelben Sandsteinquadern wurden etwa 1778 die Stallwände erneuert.

Namensgeber für das Haus und Erstbesitzer war Konrad Sporer. Die letzten Eigentümer, die das Anwesen bis 1948 bewohnt hatten, waren Kunigunde und Leonhard Schmidt mit ihrem Sohn Johann. Danach fanden hier bis 1973 Flüchtlinge ein neues Zuhause und es diente zuletzt bis 1993 als Getreidelager.

Der Wiederaufbau des historischen Sporer-Hauses in Bad Windsheim begann 2009, zwei Jahre später wurde Richtfest gefeiert und mit seiner Einweihung wurde es im Oktober 2013 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit dem originalgetreuen Wiederaufbau des Hauses, das die typische Bauweise im Gebiet zwischen Erlangen und Forchheim nach dem 30-Jährigen Krieg zeigt, wird die Vergangenheit lebendig erhalten.

So haben auch zwei museumseigene Ochsen in dem im Haus untergebrachten Kuhstall Einzug gehalten, um den Museumsbesuchern einen realitätsnahen Eindruck zu vermitteln, wie früher die Bauern zusammen mit ihren Haustieren unter einem Dach lebten. Damals wurden die Tiere durch die Rundbogen-Haustüre, die der einzige Eingang war, in den Stall getrieben.

Allein schon deswegen war der Fußboden des Hausflures mit einer Art Pflastersteinen gemauert worden, die dem Gewicht der Tiere standhalten mussten. "Es war die Zeit, in der die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Bauern neben ihren landwirtschaftlichen Anwesen mit den dazugehörigen Äckern und Wiesen nur noch ihren Stolz hatten" so Reinhold Schmidt.

Der Haupterwerb der Bauern war der Obstanbau. Und so war es naheliegend, im "neuen" Sporer-Haus die Dauerausstellung "Frankenobst" mit Schwerpunkt Kirschenanbau einzurichten. Immerhin befand sich das Bauernanwesen - mit Wohnhaus samt Stallung, einer etwa 200 Jahre alten Scheuer (diese wird auch noch in den nächsten Jahren ins Freilandmuseum umziehen), einer Holz-Schupfe, einem Backofen mit Schweinestall sowie einem großen Hofraum - inmitten eines Kirschenanbaugebiets. Deshalb gehörte auch zu Zeiten des damaligen Eigentümers Christoph Schmidt ein großer Kirschgarten zum Sporer-Haus.

Die letzten Sporer-Haus-Eigentümer, Elke und Reinhold Schmidt, haben das Freilandmuseum besucht und anderen Museumsbesuchern aus "erster Hand" Antworten auf deren viele Fragen gegeben. Mit dabei war auch Irmgard Schmidt, die 87-jährige Ehefrau des verstorbenen letzten Bewohners und früheren Eigentümers, Johann Schmidt.

Irmgard Schmidt war sichtbar bewegt, als sie ihr damaliges altes und jetzt wieder neuerbautes Haus betreten konnte. Mit wachsender Begeisterung erzählte sie von früher und genoss es sichtlich, zusammen mit Schwiegertochter und Sohn im Mittelpunkt des Besucherinteresses zu stehen.

Im Internet stehen unter www.freilandmuseum.de die Öffnungszeiten der Einrichtung.