"Ich würde am liebsten am 1. Mai losdampfen, aber die aktuelle Situation erlaubt es halt nicht", sagt Stephan Schäff traurig. Er ist Schaffner, Schriftführer und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Verein Dampfbahn Fränkische Schweiz - Museumsbahn Ebermannstadt-Behringersmühle. Das Coronavirus hat somit auch die Dampfbahn getroffen. Der Saisonstart muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden. "Mir fehlt da auch was, denn ich hatte fest damit gerechnet, dass wir im April mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen und es im Mai wieder losgeht", bestätigt auch Schaffner Ulrich Arlt. Er fragt sich, wann es wohl weitergehen wird. Die behördlichen Vorgaben erlauben es nicht, dass der planmäßige Start am 1. Mai durchgeführt werden kann. "Es ist uns Ehrenamtlichen nicht erlaubt, in die Werkstatt zu gehen und die Loks und Waggons zu überprüfen", berichtet Schäff. Er erklärt: "Wir erfüllen keinen Auftrag im Sinne des öffentlichen Nahverkehrs. Wir sind eine Museumsbahn." Dem Verein ergehe es wie dem Tourismus: "Im Augenblick sind wir mehr oder weniger stillgelegt."

Konzept in Arbeit

Gemeinsam mit den Behörden erarbeitet der Verein ein Konzept, damit sich die Dampfbahn wieder auf den Weg machen kann. "Darin geht es um Schutzmaßnahmen, Mundschutz oder Abstand einhalten", zählt Schäff auf. Wenn das Konzept steht und die Ausgangssperre gelockert wird, können die Vereinsmitglieder mit den Vorbereitungen beginnen und danach auch mit den beliebten Fahrten wieder loslegen. Damit die Loks und Waggons einsatzbereit sind, arbeiten acht bis zehn Ehrenamtliche an drei bis vier Wochenenden in der Werkstatt.

Der Verein hat vier Angestellte und denkt gerade über Kurzarbeit nach. "Es gibt verschiedene Schutzschirme, aber wir Vereine sind da außen vor. Wir leben gerade vom finanziellen Puffer der letzten Jahre", berichtet Stephan Schäff.

Kosten für Wartungsarbeiten

In diesem Jahr waren bereits Kosten für Wartungsarbeiten an der Strecke durch eine Firma in Höhe von 120.000 Euro angefallen. Der Verein erhält wohl Fördermittel, muss aber ein Drittel der Kosten selbst übernehmen. "Wir versuchen jetzt über Aktionen Einnahmen zu generieren", erzählt Schäff. Es gibt zum Beispiel eine Gutscheinaktion: Der Gutschein für 25 Euro hat einen tatsächlichen Wert von 28 Euro. Er hat eine Gültigkeit von drei Jahren. Bereits gekaufte Fahrkarten behalten ihre Gültigkeit bis Ende 2021. "Bis dahin wird es doch wohl weitergehen", hofft Schäff. Er erzählt, dass sein Herz bereits seit 37 Jahren für die Dampfbahn schlägt und er am liebsten den Zug als Schaffner begleitet, weil er da direkt positives Feedback erhält.

Ulrich Arlt dagegen ist seit vier Jahren Vereinsmitglied und Schaffner: "Ich bin nach Eintritt in die passive Phase der Altersteilzeit zur Dampfbahn gekommen." Nachdem er einen anderen Schaffner im Zug begleiten durfte, entschied er sich für diese Aufgabe. "Ich bin zum einen verantwortlich, dass den Fahrgästen nichts passiert, und zum anderen verkaufe ich im Zug Fahrkarten", berichtet er und erzählt, dass die Fahrgäste einer Museumsbahn nicht eilig an ihr Ziel kommen wollen und dass diese nicht unbedingt modern ausgestattet ist. Zum Beispiel können die Türen geöffnet werden. Andererseits ist es schwer, die eisernen Türen wieder zu schließen. "Da braucht man schon Kraft. Die schließen nicht automatisch, deshalb muss der Schaffner da auch helfen", zählt Arlt auf. Er achtet besonders auf Jugendliche und Kinder, denn bei der Dampfbahn können sich Fahrgäste auch auf der Plattform aufhalten.

Rasantes Tempo 40

Ulrich Arlt liebt den Kontakt zu den Menschen: "Das Publikum genießt die Fahrt und den schönen Tag. Die Menschen haben Zeit und freuen sich, dass es mit rasanten 40 Stundenkilometern durch das Tal geht." Auch er erhält viel positives Feedback. Gern erinnert er sich an eine Situation im letzten Jahr bei einer Nikolausfahrt. Als er in einen Waggon kam, fragte ein Vater seinen kleinen Sohn: "Schau mal, wer ist denn das?" Und der Kleine antwortete begeistert: "Der Schaffner vom Polarexpress!" Arlt musste daheim erst recherchieren und fand heraus, dass es sich dabei um einen animierten Weihnachtsfilm handelt mit einem Schaffner, für den der Schauspieler Tom Hanks Pate gestanden hatte. "Das lag sicher an meinem Schnauzer", meint Ulrich Arlt und hofft, dass er bald wieder als Schaffner in der Dampfbahn unterwegs sein kann.